So wie in Koblenz, wo man derzeit prüft, ob aus der ehemaligen Gartenschau-Seilbahn künftig ein städtisches Verkehrsmittel werden könnte. Oder wie in La Paz, wo einer wie Evo Morales ganz ohne langwierige Entscheidungsverfahren derzeit das größte Seilbahnnetz der Welt von Doppelmayr bauen lässt.

Es sind diese urbanen Seilbahnen, mit denen Doppelmayr künftig Geld verdienen will – und muss. Derzeit macht sein Unternehmen 80 Prozent des Umsatzes mit Skifahrern, langfristig soll es nur noch rund die Hälfte sein. Das zumindest hat sein Finanzvorstand einmal gesagt. Doppelmayr behauptet: "Ich rechne nicht in Umsatz, sondern in Stück." In Seilbahnen. So oder so fielen die Gewinne in den letzten Jahren nicht mehr so üppig aus wie einst. Neue Skilifte werden kaum noch gebaut, der Großteil des Geschäfts besteht aus Wartung und Reparaturen. Die Olympischen Spiele in Sotschi brachten Doppelmayr noch ein Auftragshoch. 795 Millionen Euro Umsatz machte sein Unternehmen zuletzt.

In Hamburg zu zeigen, dass man eine Seilbahn nicht nur in Bergen oder Diktaturen gut gebrauchen kann, wäre schick.

"Der Doppelmayr will sich einen Showroom bauen", sagt Klas Rühling. Er steht am Südeingang von Planten un Blomen, dort, wo "das Monstrum" einmal starten soll. Rühling ist einer der Anführer der Initiative "Keine Seilbahn über Hamburg". Auf dem Kopf trägt er einen Strohhut mit Anti-Seilbahn-Buttons, um den Hals eine Kamera. Zur Dokumentation. Schließlich könnten all die Linden und Eichen schon bald nicht mehr hier stehen. Stattdessen gäbe es eine lärmende Basisstation und noch lärmenderen Seilbahn-Touristen-Verkehr.

Er läuft zum Alten Elbpark, diesem traurigen Stück Grün, auf dem die Obdachlosen zelten. Aus ihm würde künftig ein Seilbahnmast ragen. Rühling zieht einen Anti-Seilbahn-Sticker aus der Brusttasche, klebt ihn an den Ampelpfosten, obwohl nicht weit entfernt ein Polizeiauto steht. "Notwehr", sagt Rühling. Schließlich beschlagnahme Doppelmayr den öffentlichen Raum.

Dass die Menschen ihm das übel nehmen könnten, darüber hatte auch Doppelmayr schon einmal nachgedacht – und eine Idee gehabt: Man könnte doch 50 Cent pro verkauftem Seilbahnticket für soziale Projekte im Bezirk spenden. 10 Millionen Euro kämen in 10 Jahren zusammen, hatte er ausgerechnet. Das ist schon ein paar Jahre her. Dummerweise hatte Doppelmayr die Sache vor ein paar Wochen, kurz vor dem Bürgerentscheid, noch einmal öffentlich erwähnt. Danach prüften die Behörden, ob sein Angebot als "unzulässige Beeinflussung" gilt.

Doppelmayr sagt dazu nur, dass er in Wolfurt einen kleinen Zoo betreibe, mit Zebras und einem Känguru. Eintritt frei. Als Ausgleich, weil sein Seilbahnwerk Lärm mache und Platz brauche. Die Leute im Dorf sehen es als willkommene PR-Aktion. Die Leute in Hamburg sehen sein Geld als "vergiftetes Geschenk".

Doppelmayr hat seinen Zwiebelbraten aufgegessen, er will zurück ins Tal. Auf dem Weg nach unten, kurz nach dem Huuiiihh, erklärt er, dass die Seilbahner beharrliche Menschen seien. Einmal habe es ganze 28 Jahre gedauert, bis er eine Bahn habe bauen dürfen: "Mir ham Zeit."