Premiere! Die weltweit erste große Konferenz zu einem neuen Forschungsgebiet: Zu erwarten wäre ein euphorisches Treffen, bei dem junge, ehrgeizige Wissenschaftler um die besten Einfälle wetteifern. Doch auf der Konferenz, die in dieser Woche mit mehr als 350 Teilnehmern aus 40 Ländern in Berlin stattfindet, wird hart daran gearbeitet, neue Ideen schon vor der Geburt zu beerdigen. Und das ist gut so. Denn es geht um Climate Engineering, den Versuch, das vom Menschen aufgeheizte Weltklima durch technische Eingriffe wieder abzukühlen.

Immer wieder geistern derartige Visionen durch die Medien. Eine der ersten konnte nicht überhört werden, sie kam von einem Nobelpreisträger: Paul Crutzen, Entdecker des Ozonlochs. Er schlug vor, Flugzeuge könnten große Mengen Schwefelpartikel in der Stratosphäre verteilen und damit die Sonnenstrahlung abschirmen, ähnlich wie es bei einem Vulkanausbruch geschehen würde. Möglich wäre auch, die Ozeane zu düngen und so marine Mikroorganismen wuchern zu lassen – die Kohlendioxid aus der Atmosphäre binden. Oder mit großen Schiffsflotten Meerwasser zu verdampfen, damit die künstlichen Wolken Sonnenlicht ins All zurückwerfen.

All das sind bisher nur kühne Gedankenspiele. In Computersimulationen zeigt sich zwar ein Abkühlungseffekt, welche Risiken und Nebenwirkungen die Eingriffe hätten, ließe sich aber nur in Feldversuchen klären. Und davon gab es bisher nur sehr wenige, gegenwärtig läuft weltweit kein einziges Experiment.

Zwar finanzieren viele Industriestaaten Forschungsprogramme zum Thema Climate Engineering, Deutschland investiert gut fünf Millionen Euro. Doch das Geld fließt kaum in die Entwicklung von Techniken der Klimabeeinflussung, sondern vor allem in die Untersuchung und Abwägung ihrer möglichen Folgen. Denn das können nicht nur klimatische sein, sondern auch wirtschaftliche, politische und soziale. Selbst Kriege sind denkbar – wenn zum Beispiel ein Land künstliche Wolken produziert, die einem anderen den Regen rauben.

45 der 50 Sitzungen bei der Berliner Konferenz drehen sich um solche Probleme. Und die sind so groß, dass Climate Engineering, selbst wenn es im Experiment funktionieren sollte, im Großmaßstab vermutlich nie eingesetzt wird. Die Konferenz ist ein fachkundiger Abgesang auf die Idee, den Treibhauseffekt mit technischen Mitteln zu reparieren. Und sie lenkt den Blick auf die eigentliche Aufgabe der Klimapolitik: Emissionen senken.

Wie das gehen könnte und welche Gegenwehr sich auftürmt – Berlin liefert auch dafür höchst interessantes Anschauungsmaterial: Ein paar Hundert Meter vom Tagungshotel entfernt wird seit Monaten über die deutsche Energiewende gestritten. Auch ein schönes neues Forschungsthema.