Elger Essers Landschaften sind groß, still und menschenleer. Manchmal sind sie auch ein bisschen unheimlich, aber auf eine betörende Art, als sei die Zeit stehen geblieben und als habe man jetzt die einmalige Gelegenheit, eine Reise in ein früheres Jahrhundert oder Jahrtausend anzutreten. Seine neueste Serie von unikaten Fotografien, sogenannten Directprints auf Alu-Dibond, ist vom 18. September an bei Kewenig in Berlin zu sehen. Auch die Galerie wirkt übrigens wie aus der Zeit gefallen. Sie liegt in der Nähe der Berliner Schlossbaustelle in einem Stadthaus des 17. Jahrhunderts, Mauer an Mauer mit Wohnhäusern des Sozialismus, und präsentiert dort zeitgenössische Kunst.

Elger Esser ist in Rom aufgewachsen und war in Düsseldorf, wo er heute noch lebt, Meisterschüler bei dem berühmten Fotografen Bernd Becher. Seine neuen Motive hat er in einem verwunschenen Park im Süden von Rom gefunden. Der Giardino di Ninfa ist seit der Renaissance auf den Ruinen einer Stadt entstanden, die im Mittelalter verlassen wurde, weil die Pest dort wütete. Große Geister wie der Maler und Vitenschreiber Giorgio Vasari oder die Literaten Virginia Woolf und Truman Capote ließen sich von der Ruinenromantik des Parks verzaubern – und jetzt Elger Esser. Er hat bei Tag und Nacht fotografiert, nachts manchmal mit Belichtungszeiten von mehreren Stunden. Der Mond sieht auf diesen Fotografien, die einen Teil seiner Laufbahn festhalten, aus wie ein Komet. Andere Bilder sind bei Tag entstanden, wie Ninfa – Nycheia. Es misst 183 mal 240 Zentimeter, kostet 55.000 Euro und wirkt wie ein Gemälde, eine schlafwandlerisch schöne Komposition. Blühende Tamarisken und Lilien beugen sich über ein bleischwarzes Gewässer, im Hintergrund ragen Pappeln wie Säulen empor, davor eine geschwungene Brücke und eine efeuüberwucherte Ruine. Man würde sich kein bisschen wundern, wenn eine Flussnymphe am Ufer auf einen Liebhaber wartete.