Der Aal windet sich durchs Dasein, schlängelnd kommt er vorwärts. Manche Angler sagen, er sei die große Schlange unter den Fischen. Er ist schwer zu fangen. Aber wenn es gelingt, hängt eine Delikatesse am Haken. Egal, ob geräuchert oder sauer eingelegt: Gourmets schätzen ihn sehr.

Ein Trick kundiger Journalisten ist es, Menschen mit Tieren zu vergleichen. Helmut Kohl, der Elefant. Gerhard Schröder, der Gorilla. Sigmar Gabriel, der Bär. Angela Merkel, das Chamäleon. Stand alles schon irgendwo. Und nun hat sich Olaf Scholz 20 000 Aalen genähert: ganz jungen Tieren, energisch, glitschig, den Fluss auwärtsstrebend, jedes einzelne zehn Zentimeter lang. Hamburgs Bürgermeister setzte sie, auf einem Steg stehend, in die Außenalster aus und bat die Journalisten der Stadt zum Stelldichein. Fotos ausdrücklich erwünscht.

An dieser Stelle zeigen wir weder Aal noch Bürgermeister. Wir wollen keinesfalls Assoziationen wecken. Scholz, ein Raubfisch, eine Schlange gar?

Nein, der Unterschied ist ganz grundsätzlich: Dem Politiker geht es gut, dem Aal äußerst schlecht. Von der Weltnaturschutzorganisation IUCN wird der europäische Aal unter critically endangered gelistet, vom Aussterben bedroht. Einige geben ihm keine 20 Jahre mehr.

Das Problem: Aale kann man nicht züchten. Sie müssen ihren Weg alleine finden, von ihrem Geburtsort im Atlantik aus über die Seen und Flüsse Frankreichs bis weiter in die Alster. Das klappt immer seltener.

Olaf Scholz weiß das. Er fühlt mit den Fischen, er lächelt sie an, er kümmert sich. Er, der Aal-Versteher, kennt seinen Weg. Seine Wiederwahl ist sicher.