Ein Lokal an einen Bootsverleih zu koppeln ist eine einleuchtende Idee: Erst zahlen die Leute dafür, dass sie sich verausgaben, dann für die Stärkung bei Tisch. Dem Restaurant Goldfisch am Eppendorfer Isekai brachte sie trotzdem kein Glück. Ende 2013 musste es schließen. Wenige Wochen später eröffnete mit gleicher Einrichtung das Noas; nur der riesige Schriftzug am Eingang des Eckhauses ist neu.

Die Boote sind teurer als bei manch anderem Verleiher. Dafür erwirbt man das Recht, nach seiner Rückkehr über einen separaten Eingang vom Steg auf die Tribüne vulgo Terrasse zu schreiten. Nasse Flecken auf Ellbogen und Knien weisen einen als Sportler oder vielleicht auch nur als tollpatschigen Anfänger aus. Sie erklären jedenfalls vergleichsweise unpeinlich, warum gleich die Hände am Weinglas zittern.

Noas kommt von Noah. So heißt der Sohn eines der beiden Betreiber, die auch das österreichische Lokal Wilder Kaiser einige Kanalmeter weiter führen. Ein bisschen archehaft klingt die Geschäftsidee der beiden allerdings auch. Sie schreiben: "Als Freunde verbindet uns vor allem unsere Leidenschaft für kulinarische Entdeckungsreisen. So entstand die Idee, die Köstlichkeiten, die wir an den schönsten Orten der Welt genossen hatten, nach Hause zu holen."

Ist Marseille schön? Geht so. Egal, her mit der Bouillabaisse! Eine gute Wahl, wie sich zeigt. Die aromenklare Brühe ist voll mit frischen, sanft gegarten Stücken feiner Fischarten. Das bekommt man in der Provence nicht besser. Schlechter allerdings auch nicht. Es ist nämlich gar keine Bouillabaisse, eher eine leichte norddeutsche Fischsuppe ohne alle mediterrane Deftigkeit.

Die Pommes frites wiederum haben einen ungewohnt südlichen Einschlag. Man serviert sie nämlich auf Wunsch getrüffelt. Klingt komisch; sieht auch komisch aus mit all den flusigen Trüffelresten. Aber die Verbindung ist klassisch: Reiche Knolle trifft arme Knolle. Und sie passt doppelt, wenn man vorher Hamburg von der Wasserseite gesehen hat: hier der riesige Garten manches zur Straße hin bescheiden wirkenden Hauses. Dort das Obdachlosenzelt, versteckt unter einer Brücke.

Das Noas richtet sich an Leute, die Trüffel bezahlen können, aber gerade mehr Lust haben auf Fritten de luxe. Edelsteaks, Edelburger, Edelpasta sind ein Schwerpunkt auf der Karte. Bestellt man Tatar, kommt kein ordinärer Hackepeter, sondern ein kleines Kunstwerk mit wachsweichem Eidotter und Dreierlei vom Mais. Das Fleisch vom Pommerschen Rind ist frisch von Hand gehackt und mit Chili abgeschmeckt. Schmeckt super. Oder?

Mit dem Muskelkater kommen die Zweifel. Mais und Rind – klar, kann man machen. Wie man auch ein Restaurant nach seinem Sohn benennen kann. Bloß ganz durchdacht wirkt es nicht.

Die Köche im Noas können viel. Die Frage ist, was sie wollen. Je mehr man probiert, umso unklarer wird das Konzept. Von der "Veggie-Pan, Asia Style" bis zum Surf ’n’ Turf für 45 Euro, vom Familienmenü am Sonntag bis zum Proviant für Paddler gibt es hier so ziemlich alles. Sind die Vorgänger nicht mit einem ähnlichen Programm gescheitert? Nein, die hatten außerdem noch Sushi.

Klassifizieren wir das Noas also anders, am besten vielleicht als eins der schönsten Stille-Wasser-Lokale, die Hamburg hat. Hierher kommt man, wenn einem die Elbe zu breit und die Alster zu rummelig ist. Die Vögel singen, der Wein schmeckt gut. Und wenn jetzt noch einer dieser gravitätischen Stehpaddler ins Wasser platschte, wäre das Glück perfekt.

Noas, Isekai 1, Eppendorf. Tel. 57 00 96 90, www.noas-hamburg.de. Geöffnet Mo–Fr 12–15 und 18–23 Uhr, Sa 13–23 Uhr, So 13–22 Uhr. Draußen nur bis 22 Uhr. Hauptgericht um 22 €, Lunchmenü für 17 €