Herkunft und Glaubenswelt ihrer Eltern blieben ihr fremd; ihre Götter waren irdisch: Dichter und Denker, Mathematiker und Musiker. Seit früher Jugend chronisch krank, nutzte sie Kuren an Orten à la mode, um prominente und interessante Menschen für sich zu gewinnen. Mit Charme und Wissen bezauberte sie die Auserwählten; Gespräche und Briefwechsel brachten ihr Anerkennung ein, die ihr aufgrund ihrer Herkunft verweigert worden wäre. Aus Treffen in ihrer Dachstube wurden regelmäßige Empfänge. Hier brillierte die Geselligkeitskünstlerin in tiefgründigen Gesprächen über Gefühle, Liebe, Schauspielkunst, Literatur und Malerei. Allein die Politik blieb ausgeschlossen. Vor allem junge Männer erlagen ihrem Zauber. Erotisch getönte Freundschaften und unglückliche Lieben manifestierten sich in einer Flut von Briefen. Leidenschaftlich und überschwänglich wagte die geniale Deuterin seelischer Zustände schonungslose Offenheit. In ihrem Kreis schienen die gesellschaftlichen Schranken aufgehoben in einer euphorischen Gefühlskultur.

Als ein Eroberer das Weltgebäude erschütterte, forschte sie weiter nach der Seele. Inmitten von Armut und Hunger zwar gut versorgt, musste sie sich so einschränken, dass sie die Gäste nicht mehr angemessen bewirten konnte. Dann schockierte sie ihre Familie durch die Verbindung mit einem um 14 Jahre Jüngeren, einem Niemand. Nur zögernd näherte sie sich dem jungen Mann, der ihr ein treu ergebener und wertvoller Gesprächspartner war, als sie sich mit 40 Jahren vereinsamt auf dem Tiefpunkt ihrer Existenz fühlte. Trotz langer Trennungszeiten, mühsam überbrückt mit Hunderten Briefen, entstand eine tiefe Bindung. Für die lange bedachte Ehe wechselte sie ohne große Bedenken ihren Glauben. Nach sechs Wanderjahren empfand sie ihre Heimatstadt als fremd. Im Stil der Zeit gab sie nun Abendeinladungen mit Gästeliste und exquisiten Menüs. Man kam nicht mehr zu ihr, dem "Menschenmagneten", sondern zu einem arrivierten Ehepaar. Ihre ausdrucksvollen Augen waren müde geworden, ihr Körper verfiel, allein ihr Geist war ungebrochen. Zuletzt saß sie nur mehr im Sessel und las Werke von Mystikern und Sozialreformern, endlich versöhnt mit ihrer Herkunft. Wer war’s?

Lösung aus Nr. 34:

Catherine, Duchess of Cambridge, kam 1982 als Catherine Elizabeth Middleton in Berkshire zur Welt. 2011 heiratete sie den britischen Prinzen und künftigen Thronfolger William, Duke of Cambridge. Am 22. Juli 2013 wurde der gemeinsame Sohn geboren: Prinz George