Vor Kurzem erschien vom Internationalen Schachmeister und Schachjournalisten Martin Breutigam Himmlische Züge, ein Füllhorn von spannenden "Rätseln und Geschichten aus der Welt der Schachgenies". Nun ist Harry Rowohlt zwar ein Meister der Übersetzungskunst, doch im Schach muss er wohl noch etwas üben, wie ich einer der Geschichten entnehme.

Er sei es nicht gewohnt, "in Schach-Zusammenhängen zu denken", hatte der geniale Übersetzer Harry Rowohlt in seiner ZEIT- Kolumne Pooh’s Corner eingeräumt. Hintergrund war sein vom Satiremagazin Titanic entdeckter Fehler in Kurt Vonneguts Roman Mann ohne Land. Rowohlt hatte den Satz My father said: When in doubt, castle so übersetzt: "Mein Vater sagte: ›Im Zweifel immer Schloss‹ ". Weil es hier jedoch um Schach ging und das Wort castle neben "Schloss" als auch "Rochade" bedeutet, hätte es besser "Im Zweifel immer Rochade" geheißen. Als er dies bemerkte, sei er "kalkweiß vor Scham" geworden, schreibt Rowohlt.

Heutige Meisterspieler, also Menschen, die meist in Schach-Zusammenhängen denken, nehmen die Rochade-Empfehlung lockerer. In der Diagrammstellung wurde gar nicht rochiert! Und Richárd Rapport, der damals erst 14-jährige Großmeister aus Ungarn, bestrafte solch mangelnde Königspflege, indem er mit Weiß beim Mitropa-Cup in Chur (Schweiz) den Deutschen Meister Niclas Huschenbeth matt setzte. Wie?

Lösung aus Nr. 34:

Wie gelingt Weiß mit listigen Figurenopfern ein Matt in 5 Zügen? 1.Lh4! erzwingt 1...Txh4 , 2.Ta1! wiederum 2...Lxa1 . Und jetzt der Schlüsselzug 3.Sd4!! Schwarz muss wohl oder übel diesen Springer schlagen, so aber seinem Kompagnon den Mattweg frei machen: bei 3...Txd4 4.Se5 , bei 3...Lxd4 4.Sb4 – jeweils nebst 5.Sxc6 matt