Karstadt, Bettenabteilung. Der Verkäufer schaut mich mit einer Mischung aus Mitleid und Vorwurf an. "Die Leute glauben immer, das sei alles so einfach", sagt er. "Ist es aber nicht. Schlafen ist ein komplexer Prozess!" Ach ja? Eigentlich will ich mir keinen Vortrag anhören. Nicht bei Karstadt.

Ich will bloß eine Matratze kaufen.

Aber nun stehe ich vor dem Modell Aerial King Loft von Dunlopillo, das laut Preisschild gerade von 2.293 Euro auf 1.379 Euro reduziert ist, ansonsten aussieht wie jede andere Matratze – weiß, flach, rechteckig –, und bin ratlos. In jedem Geschäft erzählen mir die Verkäufer etwas anderes. Der Verkäufer bei Karstadt, ein hagerer Mann mit rosafarbener Krawatte, redet von dem "Bettsystem", das man aufeinander abstimmen müsse. Und sagt nebenbei, dass alles, was ich woanders über Lattenroste gehört hätte, kompletter Unsinn sei.

Bald begreife ich: Die richtige Matratze zu finden, das ist, nun ja, ein komplexer Prozess. Ich könnte auch sagen: Es ist Wahnsinn. Oder Marktwirtschaft. Oder beides.

Vor keinem Kauf suchen Deutschlands Verbraucher öfter den Rat der Stiftung Warentest als vor der Anschaffung einer neuen Schlafunterlage. 36.000 Mal luden sie im vergangenen Jahr den "Produktfinder Matratzen" aus dem kostenpflichtigen Onlineangebot der Stiftung herunter, fast 10.000 Mal mehr als jeden anderen Test. Nichts bereitet offenbar mehr Kopfzerbrechen als das richtige Untendrunter für die Nacht.

Und nichts sorgt für mehr Enttäuschung: Fast ein Drittel aller Deutschen ist nach eigenen Angaben mit seinem letzten Matratzenkauf "unzufrieden". Knapp die Hälfte würde sich beim nächsten Mal für einen "anderen Matratzentyp" entscheiden. Das behaupten keine nörgeligen Verbraucherschützer, das hat die European Bedding Industries Association herausgefunden, eine Art Industrielobby rund ums Bett. Irgendetwas läuft offenbar schief auf dem Markt für Matratzen.

Ich suche nichts Besonderes, bloß eine 1,40 Meter breite Matratze für mich und meine Frau. Früher haben wir auch mal bei Aldi eine zusammengerollte Matratze gekauft, aber mein Rücken zwickt, deshalb bin ich heute wählerischer. Nach den ersten Ladenbesuchen beschließe ich, mich besser vorzubereiten. Ich hole mir die Infos der Stiftung Warentest. Dann kann mir keiner etwas vormachen – denke ich.

Doch bei Matratzen ist das so eine Sache. Die Testergebnisse unterscheiden sich je nach Körpertyp und Schlafgewohnheit. Zuerst muss ich wählen, ob ich ein "großer, schwerer" Mann bin oder ein "schwerer, schrankförmiger". Ich entscheide mich für groß, aber nicht schrankförmig. Frauen dürfen übrigens wählen zwischen "klein und leicht" und "klein und birnenförmig". Andere Frauentypen kennt die Stiftung Warentest nicht.