Als auf einer Atlantiküberquerung J. M. Coetzee mit einem jungen Deutschen Schach spielt und als die um Mitternacht begonnene Partie im Morgengrauen beim Auftauchen der Freiheitsstatue am Horizont immer noch nicht vorbei ist, einigen sich beide auf ein Remis. Doch tagelang nimmt Coetzee New York, in dem der spätere Literaturnobelpreisträger erstmals in seinem Leben ist, nicht wahr. Unablässig spuken die Züge und Stellungen in seinem Hirn: Habe ich nicht einen Sieg versäumt, habe ich vorschnell dem Remis zugestimmt? Es ist eine Urszene des Autors; nie wieder wird er Schach spielen, in dem es um das Gewinnen geht. Sein Ideal ist ein Wettkampf ohne Sieger und Verlierer. Diese Einsicht wird ihn allerdings nicht dagegen feien, später stundenlang beim Kricket, Fußball und Tennis zuzuschauen, um danach die Zeitverschwendung zu beklagen. Wohl auch nur ein Mensch.

Ein solcher, allerdings ungleich leichtlebigerer, war der deutsch-argentinische Großmeister Herman Pilnik. Beim Studium am Schachbrett oder gar mit Schachbüchern wurde er kaum jemals gesehen, sehr wohl indes in der Gegenwart von schönen Frauen. Doch gewinnen wollte er wohl auch; jedenfalls bedauerte er sehr, beim Interzonenturnier im schwedischen Saltsjöbaden 1952 als Schwarzer am Zug das Remisangebot des Schweden Stoltz angenommen zu haben. Wie hätte er stattdessen herrlich in drei Zügen mattsetzen können?

Lösung aus Nr. 35:

Mit welch herrlichem Opferüberfall konnte Weiß mattsetzen? Das wunderbare 1.Dd5+! führt in allen Varianten zum Matt, beispielsweise 1...cxd5 2.Se6 oder 1...Kc7 2.Lf4+ e5 3.Lxe5+ Kb6 4.Sd7+ Ka5 5.Dxc4 cxb5 6.Da2+ oder 1...Ke8 2.Dd7+ Kf7 3.Lxc4+ Kg7 4.De6 nebst Matt auf f7