Sind das Rechtsextremisten? Spinner? Populisten? So einfach ist es nicht. In Sachsens AfD-Fraktion sitzen bald Gebrauchtwagenhändler und Natursteinhändler, Busunternehmerinnen und Bundeswehrsoldaten. Manche sind Nationalkonservative, andere Ex-Liberale, wieder andere Verschwörungstheoretiker oder CDU-Aussteiger. Auszüge aus der Vita derer, die ins Parlament einziehen – unter anderem auf Basis des Lebenslaufs, den sie auf dem Nominierungsparteitag eingereicht haben

1. Kirsten Muster

Es gibt in der AfD auch Frauen neben Spitzenkandidatin und Partei-Promi Frauke Petry! Aber erst auf den hinteren Listenplätzen. Kirsten Muster, 53, geboren nahe Cuxhaven, ist promovierte Juristin mit eigener Kanzlei bei Dresden. AfD-Mitglied wurde sie aus Begeisterung über Bernd Lucke, den sie "fröhlich, sehr versiert und allgemeinverständlich" findet. Sie würde gern den Diplom-Abschluss wiedereinführen und Ärzte aufs Land schicken. Ihr Mann Michael Muster war von 1991 bis 2009 Abteilungsleiter im sächsischen Finanz- und im Justizministerium, er gilt als AfD-Vordenker und Lucke-Vertrauter.

2. Mario Beger

Stand weit vorn auf der Landesliste, dürfte den meisten AfD-Wählern dennoch gänzlich unbekannt sein – falls sie sich nicht für Gartenbau interessieren. Mario Beger, 48, arbeitet als Natursteinhändler, ist zudem Fliesen-, Platten- und Mosaikleger und studierter Betriebswirt. Beger lebt in Großenhain, ist geschieden, hat einen Sohn. Als seine Rolle in der DDR gibt er im Kandidatenfragebogen "Systemkritiker" an. Wurde wegen eines Fluchtversuchs vom SED-Staat zu 18 Monaten Haft verurteilt, allerdings 1989 amnestiert. Beger betreibt eine Facebookseite, auf der er gegen das "BRD-Regime" hetzt und verschwörungstheoretische Texte verlinkt.

3. André Barth

Mit Finanzen kennt André Barth sich schon mal aus: Zu seinen Hobbys zählt er die Numismatik, er sammelt "historische deutsche und sächsische Gedenkmünzen". Der Dresdner, 44, ist gelernter Stellwerksmeister, studierte nach 1990 aber Jura und arbeitet inzwischen als Rechtsanwalt. Er war bis 2010 SPD-Mitglied, so ganz passten seine politischen Ansichten aber wohl nicht zur Sozialdemokratie: Er fordert etwa die "Entwicklung eines neuen Nationalbewusstseins" und "geordnete Zuwanderungs- und Asylregelungen, Zuwanderung nur nach Bedarf".

4. Carsten Hütter

Würden Sie diesem Mann einen Gebrauchtwagen abkaufen? Die Frage drängt sich auf, denn Carsten Hütter, 50, betreibt ein Autohaus im erzgebirgischen Marienberg. Er ist Vize-Chef der Sachsen-AfD. Hütter fordert unter anderem die Pkw-Maut für ausländische Fahrzeuge und will "keine Auslandseinsätze deutscher Soldaten". Gilt als Frauke-Petry-Intimus.

5. Gunter Wild

Seinem Wahlkampf-Slogan kann man zumindest nicht nachsagen, dass er inhaltsleer wäre: "Kleinkläranlagen als kommunale Pflichtaufgaben!" Gunter Wild, 56, ist stolz auf seine AfD-Mitgliedsnummer (4.000). Der Vogtländer arbeitet als Versicherungsagent, zuvor war er von 1990 bis 2003 Inhaber des Lebensmittelmarktes "Wild’s Wurstland".

6. Jörg Urban

Urban, 49, in Meißen geboren, ist Diplomingenieur für Wasserbau und Geschäftsführer der Grünen Liga Sachsen. Wurde in Dresden bekannt, weil er versuchte, gerichtlich den Abriss der Waldschlößchenbrücke zu erwirken. Fordert die "Verbesserung der Grenzsicherung nach Polen und Tschechien", will in den Petitionsausschuss. Sein Ziel: "Wiedereinzug der AfD in den sächsischen Landtag 2019".

7. Sebastian Wippel

Der Polizeikommissar ist Erststimmenkönig der AfD, kam in seinem Görlitzer Wahlkreis auf 15,2 Prozent. Für die Legislatur wird die Polizei den 31-Jährigen freistellen; im Landtag will er dann auf seine Work-Life-Balance achten. "Ich verspreche Ihnen, mein Bestes zu geben – allerdings ohne die Familie aufs Spiel zu setzen", schreibt er. Diese werde "wieder mehr Zeit erhalten". Wippel, ein früherer FDP-Mann, will gegen "Überregulierung und Minderheitenwahn" vorgehen.