Karsten Hinrichsen hat gewonnen, aber er fühlt sich nicht so. Er steht auf dem Elbdeich hinter seinem Haus, ein schmaler Mann von 71 Jahren, und schaut auf das Monster unten am Fluss, das er bekämpft hat, jahrzehntelang. Eine riesige Kuppel, ein grauer Schornstein, der in den milchigen Himmel ragt – das Atomkraftwerk Brokdorf. In wenigen Jahren wird es abgeschaltet. Doch das, was an seine Stelle treten soll, ist nicht so, wie Hinrichsen es sich vorgestellt hat.

Er stapft in seinen Gummistiefeln vom Deich zurück zum Haus, in dem er so lange den Widerstand organisiert hat. Vor der Tür ein verwilderter Garten, an der Küchenheizung döst die Katze. Auf der Anrichte steht noch Hinrichsens Spendenbüchse, ein Aufkleber schreit: "Atomkraftwerk Brokdorf stilllegen – aber sofort!"

Anfang der achtziger Jahre stand Hinrichsen mit Tausenden anderen Demonstranten am Zaun, bis die Polizei mit Tränengas und Hubschraubern anrückte. "Das ging schon Richtung Krieg", sagt Hinrichsen.

Damals gewann die Atomlobby. 1986, nur Monate nach der Katastrophe von Tschernobyl, ging in Schleswig-Holstein das AKW Brokdorf ans Netz. Hinrichsen bezahlte Anwälte, klagte vor Gericht, 13 Jahre lang, am Ende war er um 90.000 Mark ärmer, aber Brokdorf lief weiter. Seine Ehe zerbrach. "Ich hatte immer nur ein Thema", sagt Hinrichsen. Den Kampf gegen die Atomkraft. Und die Suche nach Alternativen.

Schon 1993 baute Hinrichsen, ein studierter Meteorologe, Sonnenkollektoren auf das Dach seines Hauses und eine kleine Windkraftanlage, nur einen Kilometer entfernt vom Atomkraftwerk. Er wollte weitere Windräder aufstellen, aber die Gemeinde und die Bauern waren dagegen. Hinrichsen galt damals als Spinner.

Er sitzt an seinem Küchentisch und erinnert sich, wie seine Mission zum Mainstream wurde. Wie groß die Genugtuung war, als Rot-Grün im Jahr 2000 den Atomausstieg beschloss und Schwarz-Gelb 2011 auf den gleichen Kurs umschwenkte.

Und wie groß die Enttäuschung ist, seit er begriffen hat, was die deutsche Energiewende bedeutet.

Bald wird in Hinrichsens Nähe wieder ein Ungetüm gebaut werden, in der Kleinstadt Wilster, keine zehn Kilometer von seinem Haus entfernt. Holzfäller werden Bäume absägen, Bauarbeiter werden Äcker umgraben, um Platz zu schaffen für einen riesigen Strommast, 70 Meter hoch und damit fast doppelt so groß wie die meisten gewöhnlichen Masten, eingefasst in Beton, gefolgt vom nächsten Mast ein paar Hundert Meter weiter, vom übernächsten und überübernächsten.

Wie eine endlose Reihe von Wachtürmen werden sich die Strommasten durch die Republik ziehen. Es wird eine Schneise entstehen, 80 Meter breit und rund 720 Kilometer lang, eine Höchstspannungsleitung, die Strom durchs Land jagt, über Dörfer, Felder, Flüsse und Mittelgebirge hinweg, einmal längs durch Deutschland, von Niebüll in Schleswig-Holstein bis nach Grafenrheinfeld in Bayern. Es ist diese Wucht, die brachiale Größe der Bauten, die Karsten Hinrichsen das Gefühl geben, dass irgendetwas falsch läuft. Die verhindern, dass er sich als Sieger fühlt, obwohl er den Kampf gegen das AKW Brokdorf am Ende gewonnen hat.

Mehrere neue Megatrassen will die Bundesregierung im Zuge der Energiewende in den nächsten Jahren bauen lassen. Sie tragen Namen wie Westküstentrasse, Südlink, Süd-Ost-Trasse oder auch Korridor A bis D. Es ist das größte deutsche Infrastrukturprojekt seit dem Bau der Autobahnen.

"Wer Ja sagt zu erneuerbaren Energien, muss auch Ja zum Netzausbau sagen", hat Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärt.

"Der Leitungsausbau ist die Voraussetzung dafür, dass wir die Energiewende betreiben können", sagt Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel.

Was bei Gabriel so plausibel wie beiläufig klingt, umschreibt das große Problem der Energiewende: Atomkraftwerke konnte man dort bauen, wo man Strom braucht. Der Wind aber weht vor allem an der Küste. Wer Atomkraftwerke durch Windräder ersetzen will, muss dafür sorgen, dass der Strom auch in den Süden, nach Bayern, nach Hessen, nach Baden-Württemberg gelangt, wo der Wind wenig Kraft hat.

Eigentlich logisch.

Wenn da nur nicht diese Zahlen in den Zeitungen stünden. Wenn da nicht diese Bilder im Fernsehen wären. Wenn nicht diese Schreiben auf Karsten Hinrichsens Küchentisch lägen.

Es sind seine Stromrechnungen aus den vergangenen Jahren. Im Jahr 2000 hat Hinrichsen umgerechnet 18 Cent für die Kilowattstunde Strom bezahlt. Heute sind es rund 33 Cent, ohne Mehrwertsteuer. Seit dem Atomausstieg ist sein Strompreis auf dem Papier also um weit mehr als die Hälfte gestiegen. Das liegt daran, dass der Strom aus Wind und Sonne so teuer ist, lautet die gängige Begründung. Aber stimmt das auch?

Und wieso steht in den Zeitungen, dass in Deutschland der Ausstoß an Treibhausgasen steigt, obwohl es noch nie so viele Windräder und Sonnenkollektoren gab?

Die Energiewende hat dem Landwirt nicht geschadet

Und wie kann es sein, dass im Fernsehen zu sehen ist, wie in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen weiterhin ganze Dörfer dem Braunkohleabbau zum Opfer fallen, obwohl es höchste Zeit wäre, nach der Atomenergie auch aus dem Kohlestrom auszusteigen?

Über viele Hundert Kilometer sollen sich die neuen Höchstspannungsleitungen von Nord nach Süd durch Deutschland ziehen. Folgt man ihrem geplanten Verlauf, stellt man fest, dass diese Leitungen nicht nur Strom transportieren würden, sondern auch Widersprüche, Unstimmigkeiten. Auf dieser Reise durch die deutsche Provinz stößt man auf Bürgerprotest und Schönrednerei – und auf so manche unangenehme Wahrheit über die Energiewende.

Westküstentrasse, Kilometer 1: Der Windmüller

Plattes Land, viel Gras, so sah die Gegend an der deutschen Nordseeküste früher aus. Plattes Land, viel Gras, alles voller Windräder – so sieht sie heute aus. Ein vergitterter Lift fährt 90 Meter in die Höhe, auf die Plattform einer Windanlage, von oben reicht der Blick bis nach Sylt und Amrum, man sieht Kühe und den Kirchturm der Gemeinde Galmsbüll. Irgendwo da unten muss auch der Hof von Jess Jessen sein. Der ist der Windmüller.

Jessen, 48, mittelgroß, drahtig, begeisterter Kitesurfer, ist Bauer in achter Generation. Zumindest offiziell. In Wahrheit hat er zwar noch ein paar Felder, aber den Großteil seines Geldes verdient er längst nicht mehr mit Getreide. Er erntet jetzt Wind und Sonnenstrahlen.

Jessen ist der Geschäftsführer des Windparks von Galmsbüll. 22 Windräder stehen dort bereits, sechs weitere sollen bald dazukommen. Jessen betreibt auch acht Photovoltaikanlagen. Er ist Energieunternehmer mit zwölf Angestellten.

Wenn die Megatrassen erst einmal gebaut sind, wird es auch Jessens Strom sein, der durch die neuen Leitungen nach Süddeutschland fließt.

Als Jessen noch ausschließlich Ackerbau betrieb, hatte er oft damit zu kämpfen, dass der Weizenpreis stieg und sank und häufig zu niedrig war, je nachdem, wie die Ernten ausfielen. Wie die meisten Landwirte bezog Jessen staatliche Subventionen, finanziert aus Steuergeldern. Ohne sie hätte er vom Verkauf seines Getreides kaum leben können.

Auch vom Verkauf seines Stroms könnte Jessen nicht leben. Zu billig ist die Energie aus konventionellen Quellen wie Kohle und Gas, zu teuer ist es nach wie vor, Strom aus Wind und Sonne zu gewinnen. Ohne Hilfe wären Windmüller wie Jess Jessen auf dem Energiemarkt nicht konkurrenzfähig.

Ein Staat, der grünen Strom fördern will, muss also dafür sorgen, dass seine Erzeugung profitabel wird. Deshalb brachte vor 14 Jahren die damals noch von Rot-Grün geführte Bundesregierung das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) auf den Weg.

Theoretisch hatte die Regierung damals zwei Möglichkeiten. Erstens: Sie konnte den konventionellen Strom aus Kohle und Gas teurer machen, etwa indem sie die Energiekonzerne mit einer Sonderabgabe belegte. Das wäre konsequent gewesen, schließlich erzeugt das Verbrennen von Kohle und Gas nicht nur Strom, sondern zum Beispiel auch das Treibhausgas Kohlendioxid, es richtet also Schäden an, für die später die Bürger bezahlen müssen, nicht die Stromkonzerne.

Die rot-grüne Koalition aber verzichtete darauf, sich mit den Energiekonzernen anzulegen, und entschied sich für die zweite Möglichkeit: Sie garantierte den Erzeugern grünen Stroms einen kräftigen Zuschuss zum niedrigen Marktpreis, damit sich der Bau von Wind- und Solaranlagen auch rentiert. Die späteren von Schwarz-Gelb und Schwarz-Rot geführten Regierungen senkten zwar diese sogenannten Einspeisevergütungen, änderten aber nichts am Prinzip.

Die Folge ist, dass die Erzeuger von Wind- und Solarstrom, ökonomisch gesehen, heute eine ähnliche Rolle spielen wie die Landwirte. Für ihr Einkommen sorgt nicht nur der Markt, sondern vor allem der Staat. Nur dass der Stromzuschuss anders als die Landwirtschaftssubventionen nicht aus Steuern finanziert, sondern von den Stromverbrauchern bezahlt wird. Für jede Kilowattstunde Strom, egal, aus welcher Energiequelle, werden derzeit 6,24 Cent fällig. Das ist die sogenannte EEG-Umlage. Allein im vergangenen Jahr kamen dadurch knapp 20 Milliarden Euro zusammen.

Vor Jess Jessens Haus in Galmsbüll steht eine Stromsäule, betrieben mit Solarstrom. Dort betankt er sein Elektroauto, einen schwarzen Sportwagen des amerikanischen Herstellers Tesla, Beschleunigung von null auf hundert in 3,7 Sekunden, gebraucht gekauft für 50.000 Euro. Ein Familienauto hat Jessen auch noch. Man kann sagen, die Energiewende hat ihm nicht geschadet.

Es scheint Jessen ein bisschen unangenehm zu sein, dass es ihm heute gut geht dank der EEG-Umlage. Das sei doch gar keine Subvention, sagt er, aber wenn man mit ihm spricht, rutscht ihm das Wort manchmal selbst heraus.

Die EEG-Umlage ist ein Grund, weshalb die Stromrechnungen in Deutschland heute so viel höher sind als noch vor einigen Jahren.

Eine andere Ursache findet man einige Hundert Kilometer weiter südlich von Jessens Windrädern. Auf dem Weg dahin ändert die geplante Höchstspannungsleitung ihren Namen, ab Wilster heißt sie Südlink, sie läuft östlich an Karsten Hinrichsens Wohnort vorbei, überquert die Elbe und durchschneidet die Lüneburger Heide in Richtung Hannover. Folgt man diesem Weg, so sieht man früher oder später große grün-weiße Lastwagen über die Straßen rollen, mit rotem Aufdruck: Wiesenhof.

Südlink, Kilometer 200: Der Hühnerschlachter

Ein Lkw fährt über die Landstraße, biegt ab, steuert ein paar grün-weiße Fabrikhallen an, die hinter Metallzäunen stehen. Die Ladefläche ist seitlich offen, man liest die Aufschrift "Achtung, lebende Tiere", und für einen Moment erkennt man die Köpfe von Hühnern, Hunderte, Tausende Hühner. Sie hocken geduckt in Kisten.

Eine Viertelstunde später verlässt der Lastwagen das Wiesenhof-Gelände wieder. Er ist jetzt leer.

"Für mich ist eine Energiewende, die Verschwendung belohnt, nicht nachhaltig"

Die Firma Wiesenhof betreibt in Niedersachsen mehrere Geflügelschlachthöfe, einen davon am Rand der Gemeinde Wietzen, knapp 50 Kilometer westlich der geplanten Trasse. 130.000 Hühner werden hier geschlachtet, jeden Tag.

Was in den Hallen passiert, bleibt der Öffentlichkeit verborgen. Der Wiesenhof-Pressesprecher sagt, es gebe im Schlachthof von Wietzen keine Führungen für Journalisten, weil die Anlage schon so alt sei. Er ist jedoch bereit, zu beschreiben, wie die Schlachtungen ablaufen.

Demnach befördern Maschinen die Hühner über ein Transportband in einen Tunnel, wo sie mit Kohlendioxid betäubt werden. Maschinen vollziehen den Schnitt an der Halsschlagader. Maschinen köpfen die toten Tiere und brühen ihnen das Gefieder weg. Auch die Zerlegung des Geflügels übernehmen größtenteils Maschinen. All diese Maschinen brauchen Strom. Viel Strom. Bei 6,24 Cent EEG-Umlage pro Kilowattstunde wird das ziemlich teuer.

Wird es nicht. Damit die deutschen Unternehmen keine Nachteile im internationalen Wettbewerb gegenüber ihren französischen, amerikanischen und japanischen Konkurrenten haben, die keine Energiewende finanzieren müssen, hat die Bundesregierung energieintensive Branchen von der EEG-Umlage weitgehend befreit. Mehr als 2.000 Unternehmen profitieren von dieser Regel. Chemiekonzerne, Sägewerke und Keramikhersteller gehören dazu. Auch Wiesenhof hat es geschafft, auf die Liste zu kommen.

Wie viel Geld Wiesenhof dadurch jedes Jahr einspart, gibt das Unternehmen nicht preis, aus politischen Gründen, wie es heißt. Es gibt nur Zahlen der Bundesregierung, die alle deutschen Schlachtbetriebe betreffen. Demnach sparten diese Unternehmen allein im Jahr 2013 insgesamt 27 Millionen Euro ein, weil sie bloß einen Bruchteil der EEG-Umlage zahlen mussten. Man darf annehmen, dass Wiesenhof als einer der größten deutschen Schlachtbetriebe ein Hauptprofiteur dieser Regelung ist.

Um das nötige Geld für die Förderung von Wind- und Sonnenstrom zusammenzubringen, müssen die normalen Stromkunden dafür umso mehr zahlen. Das ist noch ein Grund dafür, weshalb die Stromrechnung von Verbrauchern wie Karsten Hinrichsen so hoch ist.

Es gibt einen Mann, der den Unternehmen das Privileg der Billigenergie nehmen will. Interessanterweise ist er selbst Unternehmer: Bernd Drechsel, Inhaber eines Textilveredelungsbetriebs in Selb in Oberfranken, 145 Angestellte. Drechsel färbt, bleicht und beschichtet alle Arten von Textilien. Auch in seiner Fabrik erledigen Maschinen den Großteil der Arbeit. Doch anders als Wiesenhof war Drechsel nie von der EEG-Umlage befreit. Der Grund: Drechsel hat schon vor Jahren in energiesparende Apparaturen investiert. Die teuren, modernen Färbemaschinen, Trocknungsanlagen und Vakuumverdampfer verbrauchen so wenig Strom, dass Drechsels Betrieb nicht als energieintensives Unternehmen gilt. Drechsel wird gewissermaßen fürs Energiesparen bestraft.

"Ich kenne etliche Unternehmen, die ihre Maschinen für Hunderttausende Euro einfach leer durchlaufen lassen, bloß damit ihre Stromkosten steigen und sie so von der EEG-Umlage befreit bleiben", sagt Drechsel. "Für mich ist eine Energiewende, die Verschwendung belohnt, nicht nachhaltig."

Drechsel hat schon vor Jahren bei Gericht auf Rückzahlung der EEG-Umlage geklagt (siehe ZEIT Nr. 35/12). Die Klage wurde abgewiesen, aber Drechsel macht weiter. Anfang August reichte er, unterstützt vom Gesamtverband Textil und Mode, Klage beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe ein. Drechsel hält die EEG-Umlage für verfassungswidrig, ähnlich wie den Kohlepfennig, mit dem Stromkunden von Mitte der siebziger Jahre an den deutschen Steinkohleabbau finanzierten. 1994 urteilten die Richter in Karlsruhe, dass der Kohlepfennig zu Unrecht die einfachen Stromnutzer belaste. Genauso ungerecht findet Bernd Drechsel eine Energiewende, deren Hauptlast die normalen Stromkunden bezahlen.

Die neuen Höchstspannungsleitungen sollen nach derzeitiger Schätzung übrigens 20 Milliarden Euro kosten – das ist mehr, als der Bund jährlich an Arbeitslosengeld II ausgibt. Auch diesen Betrag müssen die Stromverbraucher aufbringen.

Südlink, Kilometer 300: Die Widerständlerin

An einem sonnigen Nachmittag sitzt Jutta Fritzsche auf der Terrasse ihres Hauses. Seit zwölf Jahren wohnt sie hier. Wenn sie über Bäume hinweg ins Weserbergland blickt, sieht sie auch einen Strommast, aber der ist viel kleiner als die neuen Masten des Südlinks, der direkt daneben verlaufen soll.

Jutta Fritzsche lebt in Marienmünster in Ostwestfalen. Kommt alles wie geplant, wird sie bald neben der Höchstspannungsleitung wohnen. Fritzsche, 61, war früher Zahntechnikerin, aber seit einem halben Jahr hat sie eine neue Beschäftigung: Widerstandskämpferin gegen die Stromautobahn. Sie hat den Vorsitz einer Bürgerinitiative übernommen, "Marienmünster unter Strom".

Jutta Fritzsche will verhindern, dass die Trasse gebaut wird. Neben ihrer Haustür lehnen aus Sperrholz gebastelte Protestschilder, mit denen sie demonstrieren geht. "Lebensgefahr!" steht darauf, "Monstertrasse!".

Es ist ein bisschen wie vor 30 Jahren, als Karsten Hinrichsen ein paar Hundert Kilometer weiter nördlich gegen die Atomkraft in den Kampf zog. Auch damals ging es um eine Technologie, die die einen für lebensnotwendig, die anderen für lebensgefährlich hielten. Es ging um unsichtbare Strahlen und Kinder, die an Leukämie starben.

Heute sagt Jutta Fritzsche, die Wirkung des Gleichstroms, der bald durch die Leitungen gejagt werden soll, mit einer Spannung von 500.000 Volt, sei überhaupt noch nicht geklärt. Herkömmliche Stromleitungen transportierten ja Wechselstrom, der sei viel besser erforscht.

Fritzsche hat einen Packen Papiere vor sich, den ihre Initiative zusammengetragen hat. Die Mitglieder haben Berichte gefunden über Raumladungswolken, die sich von Gleichstromleitungen bis zu einem Kilometer weit ausbreiten können und die im Verdacht stehen, die Zahl der Leukämiefälle bei Kindern zu erhöhen. Beweise für die Gefährlichkeit des Gleichstroms gibt es nicht. Aber eben auch keinen Beweis für das Gegenteil.

Bürger in Marienmünster setzen auf Uhu und Rotmilan

"Wir fordern eine belastbare Langzeitstudie, die sicherstellt, dass keine Gefahren von Höchstspannungsleitungen in dieser Dimension ausgehen und alle bisher bestehenden Verdachtsmomente vollständig unbegründet sind", liest Fritzsche aus den Papieren vor.

Fast überall an den geplanten Stromautobahnen haben sich Bürger zum Widerstand formiert. Oft sind es Umweltbewegte, Naturverbundene, die sich empören, Freunde von Sonne und Wind, die auf einmal feststellen, dass sie etwas missverstanden haben. Grüner Strom – das hörte sich irgendwie gesund an. Energiewende – das klang nach einem Abschied von Großprojekten. Niemand hatte mit einer riesigen Stromleitung gerechnet, die fünf Bundesländer durchquert und Landschaften und Dörfer zerschneidet. Und den Leuten Angst macht.

Sauberen Strom wollen alle. Aber nicht alle wollen ihn sehen, zumindest nicht in Form turmhoher Masten.

Aber wie wollen die Gegner die Leitungen jetzt noch verhindern?

Die Bürgerinitiative Marienmünster hat da eine Idee. Jutta Fritzsche blättert in ihren Papieren bis zur Übersicht der Naturschutzgebiete. "Wir haben hier zum Glück einen Uhu", sagt sie. Eine streng geschützte Vogelart. "Der hat da unten im Korridor seinen Lebensraum." Der Uhu von Marienmünster könnte die Trassenplaner zwingen, die Leitungen zu verlegen, ein paar Kilometer wenigstens.

"Ansonsten", sagt Jutta Fritzsche, "haben wir auch noch den Rotmilan." Noch ein geschützter Vogel.

Südlink, Kilometer 600: Der Firmenvertreter

Tom Wagner ist gekommen, um den Menschen ihre Wut zu nehmen. Wagner, 30, Turnschuhe, kurzer Bart, ist studierter Politologe und beim Netzbetreiber Tennet verantwortlich für "informelle Dialogverfahren". Tennet ist die Firma, die die Südlink-Trasse plant und bauen wird, ein niederländisches Staatsunternehmen, das in Deutschland schon jetzt ein Stromleitungssnetz von 10.700 Kilometer Länge betreibt.

An einem Sommernachmittag steht Wagner in der Mehrzweckhalle der kleinen bayerischen Gemeinde Wasserlosen in Unterfranken, 3421 Einwohner. Auch an Wasserlosen soll die Stromtrasse vorbeiführen. 15 Kilometer weiter, in Grafenrheinfeld, soll dann ein Umspannwerk den Strom aus der Gleichstromleitung auf die schon bestehenden Leitungen verteilen. Wasserlosen wird quasi auf den letzten Metern der geplanten Trasse liegen. Das macht den Ärger nicht geringer.

Tom Wagner hat Flaschen mit Wasser und Saft auf die Tische stellen lassen und einen großen Topf mit Gulaschsuppe. Nahrung beruhigt. Es stehen durchsichtige Kunststoffboxen da, als Postkästen für das Bürgerfeedback ("Beteiligen Sie sich hier!"). Landkarten liegen aus und Filzstifte, mit denen die Besucher alternative Trassenverläufe aufmalen können. Das Ganze nennt sich "Infomarkt". Es wirkt ein wenig, als sei die Energiewende im Stuhlkreis zu schaffen.

Das ist ein Unterschied zu früher: Als es um die Atomkraft ging, rückten nicht Politologen an, sondern Polizisten.

Wagner war viel unterwegs in den vergangenen Monaten. 22 Besuche in 22 Kleinstädten, 15 bis 20 Tennet-Leute haben Wagner zu jedem Termin begleitet. "Wir sind eine Art Wanderzirkus", sagt er.

In Wasserlosen kommen die Bürger in kleinen Gruppen in die Mehrzweckhalle. Ein Ansprechpartner von Tennet nimmt sie sofort in Empfang und geht mit ihnen durch die Halle. So wollen Wagner und die anderen verhindern, dass aus vielen kleinen Gruppen eine große Menge entsteht, in der die Leute ihren Ärger gegenseitig befeuern, anfangen zu pöbeln und zu schreien.

Wagner steht mit einigen Besuchern vor ein paar Schautafeln, die er aufgestellt hat. Sie zeigen "Raumwiderstandsanalysen" und "Bündelungsoptionen" – etwa die Möglichkeit, Stromtrassen entlang von Autobahnen zu bauen. Wagner sagt, der vorgestellte Trassenverlauf nach Grafenrheinfeld sei lediglich ein erster Vorschlag, jeder Einwand werde berücksichtigt.

Was er nicht sagt: Die Bundesregierung hat eigens per Gesetz die Möglichkeit beschnitten, Rechtsmittel gegen den Verlauf der Trasse einzulegen, um das Projekt zu beschleunigen. Sie will, dass die neuen Masten so schnell wie möglich gebaut werden.

Wagner spricht ruhig und sanft, fast so, als sei er nicht Angestellter von Tennet, sondern Berater der besorgten Bürger. Als ein Mann fragt, ob die Höchstspannungsleitung nicht gesundheitsschädlich sei wegen der magnetischen Felder, greift Wagner an sein magnetisches Namensschild.

"Sehen Sie", sagt er, "sobald ein Magnet einen gewissen Abstand erreicht, lässt die Wirkung nach. Denken Sie an eine magnetische Spielzeugeisenbahn. Wenn man die Waggons auseinanderzieht, ist es da genauso."

Auf einmal sind von draußen Rufe zu hören, Pfiffe aus Trillerpfeifen. Wagner geht vor die Halle. Da stehen etwa 300 Demonstranten. Sie halten Plakate mit Wörtern wie "Profitgier", "Trassenwahn" und "Widerstand" hoch, stimmen Sprechchöre an gegen die Megatrassen. Es ist genau die Situation, die Wagner vermeiden wollte.

"Was heißt für Sie eigentlich Heimat?", ruft ein Mann. "Wer entschädigt uns für die Wertverluste unserer Grundstücke?" Entschädigungen soll es nämlich nur für jene Bürger geben, bei denen die Strommasten direkt auf den Grundstücken errichtet werden.

Wagner bleibt ruhig, er spricht jetzt lauter, aber immer noch freundlich. Trotzdem wird er ausgebuht.

"Wer garantiert uns denn, dass mit Ihrer Trasse kein brauner Strom transportiert wird?", fragt ein Mann von der örtlichen Bürgerinitiative.

"Strom hat keine Farbe", antwortet Wagner, "es gibt keinen guten und bösen Strom."

Wirklich nicht?

Die Braunkohle boomt

Es ist der wunde Punkt der Energiewende. In Umfragen sprechen sich bis zu 70 Prozent der Deutschen für die Umstellung auf regenerative Energien aus. Aber dieser große gesellschaftliche Rückhalt beruht auf einem Deal: Die Bürger ertragen Zumutungen wie höhere Strompreise und teure Trassen, dafür bekommen sie grünen Strom. Guten Strom.

In Wahrheit aber wird durch die neuen Höchstspannungsleitungen auf Jahre hinaus auch anderer Strom fließen.

Süd-Ost-Trasse: Ein Tagebau und ein Kohlegegner

Selbst die Toten müssen umziehen. Auf dem Friedhof von Proschim ruhen die Gebeine von mehr als 100 Menschen unter frischen Blumen oder altem Moos. Manche der Gräber wurden vor Jahrzehnten angelegt, andere sind erst einige Wochen alt. Keiner der Toten wird bleiben, wo er ist.

Auch die alte Schule wird fallen, die Backsteinkirche, die kleinen Häuser sowieso. Proschim ist ein Dorf in Brandenburg, an der Grenze zu Sachsen, 343 Einwohner. Proschim lebt und ist doch schon fast Vergangenheit.

Irgendwann werden die Bagger kommen, das ist entschieden. Mit riesigen Schaufelrädern werden sie sich durch die Landschaft fressen. Sie werden die Braunkohle holen, die unter den Straßen, Gärten und Häusern von Proschim liegt.

Erst ein paar Jahre ist es her, da standen Kanzlerin Angela Merkel und Sigmar Gabriel, damals noch Umweltminister, in roten Anoraks vor Eisbergen in Grönland. Das Bild sollte ein Zeichen setzen gegen den weltweiten Klimawandel – und für die deutsche Umweltpolitik. Immer mehr saubere Energie, immer weniger schmutzige Energie: So einfach war die Theorie der bundesrepublikanischen Energiewende.

Immer mehr saubere Energie, aber auch immer mehr schmutzige Energie: Das ist die komplizierte Praxis. Zwar ist in Deutschland die Zahl der Windräder, Solarenergie- und Biogasanlagen massiv gestiegen. Zwar wächst die Menge an grünem Strom, aber es wird in Deutschland auch immer mehr Braunkohle verbrannt. Im vergangenen Jahr erzeugten Braunkohlekraftwerke 162 Milliarden Kilowattstunden Strom – so viel wie nie zuvor seit der Wiedervereinigung.

Der Grund liegt darin, dass sich Braunkohle nach wie vor sehr günstig gewinnen lässt, viel günstiger als Gas, das beim Verbrennen nicht einmal halb so viel Kohlendioxid freisetzt.

Um diesen Nachteil auszugleichen, hat die Europäische Union schon vor Jahren den sogenannten Emissionshandel eingeführt: Die Betreiber von Braunkohlekraftwerken sollten künftig Zertifikate erwerben müssen, als Berechtigungsscheine, um Kohlendioxid freisetzen zu dürfen. Dadurch sollte der Kohlestrom verteuert und aus dem Markt gedrängt werden. Doch der Plan ging nicht auf. Die EU ließ zahlreiche Ausnahmen zu und gab die Zertifikate viel zu billig aus.

Die Folge: Trotz des Ausbaus der erneuerbaren Energien steigen in Deutschland die klimaschädlichen Kohlendioxidemissionen. Viele Gaskraftwerke sind heute unrentabel. Die Braunkohle aber boomt.

Und Proschim verschwindet.

René Schuster, 40, Brille und schütteres Haar, fährt durch die Straßen des Dorfes. Er ist nicht weit von Proschim entfernt aufgewachsen, am Rande von Kratern, die Braunkohlebagger hier seit einem Jahrhundert in die Erde graben. Seine Kindheit, erzählt Schuster, begrenzten Landstriche, die er nicht betreten durfte. Als junger Mann studierte er Landschaftsnutzung und Naturschutz an der Fachhochschule in Eberswalde. Seit 1994 setzt sich Schuster mit seinem Verband Grüne Liga für ein Ende des Tagebaus ein. Mit wenig Erfolg. Im Jahr 2005 musste Schuster aus Lakoma wegziehen, weil auch dieses Dorf abgerissen wurde.

Der lange, vergebliche Kampf hat Schusters Wünsche zu Minimalforderungen schrumpfen lassen. "Wir wollen ja keinen sofortigen Stopp", sagt er. Es wäre schon ein Anfang, auf einen weiteren Ausbau der Braunkohleförderung zu verzichten.

Im Juni dieses Jahres aber beschloss die brandenburgische Landesregierung, dass im Gebiet Welzow-Süd II, zu dem auch das Dorf Proschim gehört, weitere 20 Quadratkilometer den Baggern überantwortet werden. Während anderswo in Deutschland von neuen Formen der Energiegewinnung geredet wird, werden in der Lausitz bald wieder mehrere Hundert Menschen ihre Heimatorte verlassen, weil eine der ältesten Formen der Energiegewinnung es so verlangt.

In der Lausitz obliegt die Braunkohleförderung dem Energiekonzern Vattenfall. Ähnlich wie die Firma Wiesenhof ist auch er von der EEG-Umlage befreit. Nach Berechnungen des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) spart Vattenfall dadurch beim Tagebau in der Lausitz allein in diesem Jahr bis zu 80 Millionen Euro ein.

Eine der geplanten Megatrassen, die Süd-Ost-Passage, sollte von Sachsen-Anhalt nach Bayern führen. Auch diese Trasse präsentierten die Verantwortlichen zunächst als Autobahn für grünen Strom, obwohl in Sachsen-Anhalt die großen Windparks fern, René Schusters brandenburgische Heimat und ihre Braunkohlekraftwerke aber recht nah sind. Am Ende war der Bürgerprotest so groß, dass der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer vor wenigen Wochen den Plan änderte. Die Süd-Ost-Trasse soll nun verlängert werden, bis hinauf zu den Windrädern Mecklenburg-Vorpommerns. Die Trasse soll wieder grüner wirken. Der braune Strom aus der Lausitz aber wird wohl trotzdem nach Bayern fließen.

Am Rand von Proschim, neben einem Bauernhof, steht ein flacher, siloartiger Bau mit einem Kuppeldach. Es ist eine Biogasanlage. Die Kuhställe daneben sind mit Photovoltaikplatten bedeckt. "Energiewende" steht in großen Buchstaben auf einem Banner an der Hauswand. Bald wird auch sie abgerissen, für den Braunkohletagebau.

Ein Dorf ohne Trasse. Der Bürgermeister

Der Strom kommt aus der Steckdose. So war es vor der Energiewende, so wird es bleiben. Der Unterschied ist: Vor der Energiewende waren die Steckdosen nicht weit von den Kraftwerken entfernt. Von Atomkraftwerken, Gaskraftwerken, Kohlekraftwerken. Der Strom musste nicht weit fließen.

Sorge, dass die Energiewende an den begangenen Fehlern scheitert

Der Wind aber weht nur im Norden. Deshalb, so scheint es, braucht das Land die Trassen. Und weil auch Tausende Windräder an den Küsten nicht die gesamte Republik mit Strom versorgen können, braucht es scheinbar auch weiterhin Gas- und Kohlekraftwerke.

Aber vielleicht ist das der Denkfehler. Vielleicht kann Deutschland etwas von einer kleinen Gemeinde in Niederbayern lernen, in der wenig Wind weht.

Schon in den neunziger Jahren fing ein grüner Bürgermeister in Furth bei Landshut an, die Energieversorgung seines Dorfes umzubauen. Weil sich in der Gegend selten die Luft regt, sollte die Sonne den Ort versorgen, damals eine verrückte Idee. Es folgten: Widerstand, Aufklärungsabende im Wirtshaus, etwas weniger Widerstand, noch mehr Aufklärungsabende.

1999 gab der Bürgermeister das Ziel vor, als erste Gemeinde Deutschlands bald nur noch erneuerbare Energiequellen zu nutzen. Irgendwann zogen die Leute mit. Wenn man heute von einem Hügel runter auf den Ort mit seinen rund 3500 Einwohnern schaut, sieht man ein kleines Meer aus Solardächern, man sieht sie auf Einfamilienhäusern, auf dem Rathaus, der Grundschule, dem Altenheim und dem Supermarkt. Dazu hat die Gemeinde eine Hackschnitzelanlage gebaut, die vor allem Holzabfälle aus der Forstwirtschaft verbrennt und viele Gebäude mit Wärme und auch mit Strom versorgt.

Seinen Energiebedarf deckt Furth schon zu 80 Prozent aus sauberen Quellen. Den Rest will die Gemeinde aus einer Ressource beziehen, von der in Deutschland seltsamerweise wenig geredet wird, obwohl in ihr ähnlich viel Kraft steckt wie in Sonne und Wind: dem Energiesparen.

Alle öffentlichen Gebäude in Furth sind auf dem neuesten Stand der Energieeffizienz, mit Dreifachverglasung und Baumaterial, das die Häuser im Winter warm und im Sommer kühl hält. Zur nötigen Erweiterung der Kläranlage hat die Gemeinde anstelle stromfressender Maschinen ein Pflanzenklärbeet gebaut, das keinen Strom braucht. Als Nächstes ist die kommunale Straßenbeleuchtung dran: Neue LED-Leuchten sollen den Energieverbrauch auf ein Siebtel des bisherigen Niveaus senken.

Andreas Horsche, 36, ist seit diesem Jahr Bürgermeister in Furth. Er ist kein Grüner, aber auch kein Konservativer. Horsche ist Mitglied der Freien Wähler, man kann ihm eine gewisse Ideologieferne unterstellen. Er sagt: "Wir in Furth denken anders. Wir würden alles dagegen tun, dass überhaupt mit Braunkohle Strom produziert wird."

Natürlich weiß Horsche, dass sein Dorf keine Insel ist. Furth hängt nach wie vor am großen Netz, durch das Braunkohlestrom fließt, im Austausch gegen den eingespeisten grünen Strom auch in diese Gemeinde. Was man von Horsche lernen kann, ist ein neues Denken, ein anderer Umgang mit der Energie.

Dieses Denken hat Furth viel Anerkennung gebracht. In einem verglasten Regal in Horsches Büro stapeln sich die Auszeichnungen. Erst kürzlich bekam das Dorf wieder einen Preis für Energienachhaltigkeit, in der europäischen RES Champions League, als beste Gemeinde in Deutschland. Und während aus anderen Orten in Niederbayern Menschen wegziehen, nimmt die Einwohnerzahl in Furth stetig zu.

Das liegt auch daran, dass in dieser Gemeinde alle von der Energiewende profitieren. Viele Einwohner von Furth stecken die Gewinne aus ihren Solaranlagen in neue Energiesparmaßnahmen, einige sind Teilhaber der Biomasse Gmbh & Co. KG. Es ist ihr eigenes Projekt. "Die Menschen wissen: Es ist meine Hackschnitzelanlage. Es ist meine Photovoltaikanlage. Deshalb identifizieren sie sich damit", sagt Horsche. "Nur so kann die Energiewende gelingen."

Ob Deutschland dabei auf dem richtigen Weg ist? Horsche bezweifelt das. Er ist überzeugt, dass die Politik die Energiewende überstürzt hat. Und er fürchtet, dass das ganze Projekt an den begangenen Fehlern scheitern könnte. "Die Menschen zweifeln am Nutzen der Megatrassen. Sie verstehen nicht, warum immer mehr Braunkohlestrom produziert wird. Und weshalb die Konzerne solche Privilegien genießen", sagt Horsche. All das lasse die Akzeptanz der Energiewende bei den Bürgern schwinden.

In Horsches eigener Gemeinde ist das Projekt so gut wie gelungen. Aber der Bürgermeister hat auch Glück. In Furth gibt es wegen der Megatrassen keinen Ärger. Nach allem, was bekannt ist, werden die neuen Leitungen an dem Dorf weit vorbeiführen.