Die älteren Jahrmarktbesucher erinnern sich: Eine gute Geisterbahn verfügte nicht nur über mechanische und pneumatisch bewegbare Gespenster, sondern auch über lebende Menschen, die sich im Dunkeln verbargen. Ihre Aufgabe war das Angstmachen. Man nannte solche Männer: die Erschrecker. Sie saßen geduckt hinter den Kulissen, durch die wir Kinder rollten, und sprangen, wenn ein Wägelchen vorbeifuhr, den Passagieren schaurig heulend und brüllend ins Gesicht.

Der Rheinländer Gregor Schneider ist der Geisterbahnbauer der internationalen Kunstszene. Wenn man mit seinen Werken in Berührung kommt, erlebt man die alte, belebende Kinderangst. Allerdings kommen seine Geisterbahnen ohne Erschrecker und ohne Gespenster aus: Den Terror, der sich ereignen könnte, muss man selbst erzeugen. In Schneiders Räumen ist jeder Mensch sein eigener Erschrecker, er hört den eigenen Atem, ja sogar den eigenen Puls. Oder ist es gar nicht der eigene Atem, den man hört? Der Besucher ist allein in Schneiders Räumen, aber er ist sich nie sicher, ob ihm nicht ein Verfolger auf den Fersen ist.

Kunstmuseum, Schneiders jüngste Arbeit, ist ein Projekt der Ruhrtriennale, Schneider hat dazu das Kunstmuseum in Bochum vom Anlieferungs- und Verwaltungstrakt her grotesk umgebaut und ausgestülpt, ja er hat den Bau symbolisch ausgewaidet: Man betritt das Museum nun durch ein enges Röhrensystem, welches sich wie das Gekröse eines riesigen Aliens im Geiste HR Gigers ausnimmt. Durch dieses Kunstgedärm tappt man aufwärts ins Gebäudeinnere, ins Herz der Finsternis. Man bewegt sich im Dämmer, als wär’ man eine lebende Endoskopiekamera, und ein Schlammfeld, an dem man im Schummerlicht vorbeigeht, verstärkt den Eindruck, dass dies eher ein System zur Abführung von Zivilisationsresten ist als ein Ort der Produktion. Insofern ist Kunstmuseum ein fast schon sarkastischer Kommentar zum Sinn von Museen in unserer Zeit.