Er war ein Nachkömmling. Die Geschwister waren wesentlich älter, die Mutter eine dominierende und barsche Person, der Vater depressiv und oft in Kliniken. Er wurde ein Einzelgänger, ein stotterndes Muttersöhnchen. Bis er erkannte, dass er mit Redegeschwindigkeit sein Stottern überwinden und mit Argumenten Machtkämpfe bestehen konnte. In der Schule tat er sich durch "kühle, unerbittliche Logik" hervor und lernte im Kadettencorps exerzieren. Sein Jurastudium finanzierte er mit Katalogisieren und Sammeln von Informationen in einer Bibliothek. Unmittelbar nach dem Abschluss stellte er sich, wie schon sein Vater und Großvater, in den Dienst seines Landes. Das befand sich im Krieg und setzte ihn an der Heimatfront ein. Unermüdlich arbeitete er Tag und Nacht im Kampf gegen äußere und innere Feinde, ganz wie sein Chef, der ihn "aufgrund persönlicher Leistungen" beförderte.

Mit 24 Jahren wurde er Leiter einer Einrichtung zur politischen Kriegsführung, die ihm ungeheure Macht in die Hand gab. In der unerschütterlichen Überzeugung, sein Land und die gottgewollte Ordnung retten zu müssen, bediente sich der Kirchgänger aller Mittel, die in seinen Augen der Zweck heiligte. Das Ende des Krieges bedeutete für ihn nur, dass er im Geheimen weiterging. Mit apokalyptischen Szenarien, Ausdruck seiner innersten Überzeugungen, überredete er die Machthaber, ihm gegen Staatsfeinde, unter die er alles subsumierte, was mit seinem eigenen Wertesystem kollidierte, freie Hand zu lassen. Dabei hatte er bald selbst so viel Macht, dass er über viele gewählte Volksvertreter hinweg zur Institution wurde, zum Garanten für Recht und Ordnung. Als wenige Wochen nach seinem Tod die Öffentlichkeit über die Methoden dieser Macht aufgeklärt wurde, kippte sein Ansehen wie das seiner Organisation in ihr sinisteres Gegenteil. Ein Privatleben hatte diese Institution – aus Pflicht oder Neigung? – offenbar nicht. Er lebte bis zu ihrem Tod bei seiner Mutter, ließ sich mit Filmstars ablichten – sein Tagesablauf glich einem Uhrwerk. Für boshaften Klatsch gibt es bis heute keine seriösen Belege – er wusste selbst am besten, dass emotionale Bindungen auch erpressbar machen. Wer war’s?

Lösung aus Nr. 37:

Xavier Naidoo, Sohn südafrikanischer Eltern, geboren 1971 in Mannheim, machte "deutschen Soul" populär, ist Sänger, Bandmitglied der Söhne Mannheims und in sozialen Projekten engagiert. Sein Song Dieser Weg begleitete die Fußball-Nationalmannschaft durch das "WM-Sommermärchen 2006"