DIE ZEIT: Herr Röbel, Martin Dulig hat sich im Wahlkampf so privat gezeigt wie kaum ein deutscher Politiker zuvor. Jetzt stellt sich heraus, dass er einen Spindoctor hatte – Sie. Haben Sie Dulig ferngesteuert?

Udo Röbel: Oh Gott, nein! Spindoctor, das ist auch die falsche Bezeichnung, denn ich habe Dulig in keiner Weise politisch beraten. Ich war lediglich sein Image- und Medienberater.

ZEIT: Ein Ex-Bild- Chef als Wahlkampfhelfer?

Röbel: Warum nicht? Als mich die Agentur, die den Wahlkampf für die SPD Sachen konzipiert hat, anrief, war ich zwar auch überrascht, aber die Aufgabe klang spannend: einen jungen Politiker bekannt zu machen, von dem auch ich bis dato nichts gehört hatte. Martin Dulig war ja zu diesem Zeitpunkt nur 15 Prozent der Sachsen ein Begriff.

ZEIT: Diese Ausgangslage hat Sie gereizt?

Röbel: Ja. Ich habe schon immer Sympathie für Underdogs und "hoffnungslose" Fälle gehabt. Und das Risiko war überschaubar: Viel schlimmer konnte es ja für die SPD in Sachsen nicht mehr kommen. Im Januar habe ich Dulig im Landtag besucht, vier Stunden mit ihm geredet. Es passte.

ZEIT: Wie sind Sie die Sache angegangen?

Röbel: Als ich an Bord kam, war die Wahlkampagne schon konzipiert. Der Wahlkampf sollte ganz auf Dulig zugeschnitten sein. Also fragte ich mich: Was haben seine politischen Themen mit seiner Biografie zu tun? Um Missverständnissen vorzubeugen: Ich war nicht dazu da, um aus Martin Dulig eine Boulevardfigur zu machen. Vielmehr galt es, die richtige Balance zu finden zwischen modern-amerikanischem Personenwahlkampf und dem "Rüberbringen" der Sachthemen.

ZEIT: Sie haben die Küchentischkampagne mit entwickelt. Und in einem eigenen Hochglanzmagazin Anekdoten von Dulig ausgebreitet. Warum?

Röbel: Wir mussten den Sachsen zunächst erklären, wer dieser Mann überhaupt ist. Und mit seiner Vita muss sich Dulig wahrlich nicht verstecken: ein Maurer mit Abitur und sechs Kindern. Das ist doch wie gemalt für einen SPD-Politiker!

ZEIT: Stellten Sie auch Kontakte zu Medien her?

Röbel: Nein. Das war nicht meine Aufgabe. Ich glaube, auch in der Parteizentrale wussten viele nicht, dass ich im Team bin.

ZEIT: Bild gilt ja nicht gerade als SPD-Organ ...

Röbel: Es ist aber auch nicht das stramme CDU-Blatt, für das alle es halten. Bild ist eine Massenzeitung, sie wird und muss letztendlich immer dem Trend hinterherlaufen. Dass ich persönlich eher Sozi bin, wussten viele in der Branche längst. Aber ich war und bin auch professioneller Journalist.

ZEIT: Als Wahlkampfberater haben Sie ebenfalls in Schlagzeilen gedacht. Gab es auch Ideen, von denen Sie am Ende die Finger gelassen haben?

Röbel: In der Tat haben wir längst nicht alles, was wir erwogen, auch umgesetzt. Beim Thema Crystal Meth etwa hätten wir extrem persönlich werden können – indem wir thematisieren, dass jemand in Duligs Bekanntenkreis an dieser Droge zerbrochen ist. Wir haben das allerdings gelassen.

ZEIT: Dennoch hat sich Dulig im Wahlkampf regelrecht nackig gemacht. Hat sich das gelohnt?

Röbel: Ich glaube schon. Das ist der Preis, den man manchmal in einer Mediengesellschaft zahlen muss. Aber Duligs Bekanntheitsgrad liegt inzwischen bei über 60 Prozent, darauf kann er aufbauen. In eine mögliche Koalition mit der CDU kann er mit größerem Selbstbewusstsein gehen.

ZEIT: Martin Dulig hat im Wahlkampf tiefe Einblicke in sein Familienleben gewährt. Muss er sich nicht sorgen, dass auch künftig die Presse darüber berichten will – selbst wenn es ihm nicht passt?

Röbel: Martin Dulig war und ist Herr des Verfahrens. Seine Kinder sind durch das Presserecht genauso geschützt wie die Kinder jedes anderen Menschen. Und das wissen auch die Medien.