"Eine Sache noch!" In der Manier seines legendären Vorgängers Steve Jobs präsentierte der Apple-Chef Tim Cook am Dienstag unter großem Brimborium das neueste Produkt der Firma: die Armbanduhr Apple Watch. Der lange erwartete Zeitmesser soll nicht nur ein weiteres technisches Spielzeug sein. Vielmehr soll er "vielen Menschen helfen, bessere Tage und ein gesünderes Leben zu leben".

Dieses bessere Leben erkauft sich der Besitzer, indem er sich einer permanenten Protokollierung seiner Aktivitäten unterwirft. Ununterbrochen messen Sensoren in der Uhr seinen Puls, zählen jeden seiner Schritte und die Treppenstufen, die er erklommen hat. Eine Fitness-App sagt ihm jeden Tag, ob er sein Soll für das gesunde Leben erfüllt hat. Und sämtliche Daten werden in eine Anwendung namens Health App auf dem iPhone gespeist, die auch Gesundheitswerte aus anderen Apps erfasst und so ein umfangreiches persönliches Vitalprotokoll erstellt.

Wenn Apple sich einem neuen Feld zuwendet, dann ist das ein Zeichen dafür, dass dort große Veränderungen anstehen. Bei der digitalen Musik war das so, bei Tablet-Computern und natürlich beim Smartphone als persönlichem Universalgerät, das neben einem Telefon auch Walkman, Kalender, Adressbuch, Chatroom und Nachschlagewerk ist.

Jetzt rücken das Smartphone und tragbare Gadgets uns mehr auf den Pelz als je zuvor. Außer Apple setzen auch Google und Samsung darauf, das Handy zur Sammelstelle persönlicher Gesundheitsdaten zu machen.

Die Firmen machen sich dazu die vielfältigen digitalen Sinne moderner Smartphones zunutze: Schon ab Werk verfügen sie über eine Vielzahl von Sensoren, mit denen sich auch medizinische Werte ermitteln lassen. Und sie sind stets online, um solche Daten zu übermitteln, etwa an einen Arzt, der aus der Ferne seine Patienten untersuchen kann.

Tatsächlich findet eine wachsende Zahl von Menschen Gefallen daran, ihre eigenen Körperparameter zu erfassen. Unzählige Apps bedienen die oft belächelten "Lifelogger" (ZEIT Nr. 33/13), die ihr Leben digital dokumentieren und das auch öffentlich teilen – die gesamte Bekanntschaft erfährt dann via Facebook, wenn der stolze Selbstoptimierer morgens 7,2 Kilometer um den See gejoggt ist.

Nun soll aus Spaß Ernst werden. Die neuen Anwendungen wollen die Einstellung zur eigenen Gesundheit verändern und nebenbei das Gesundheitssystem umkrempeln. Statt alle Jubeljahre einmal zum Arzt zu gehen, wo dann in einer Momentaufnahme der Puls gemessen, ein EKG geschrieben oder Blutwerte ermittelt werden, erhebt der Patient selbst permanent Körperdaten. Er kann entscheiden, ob und mit wem er sie teilt, und mithilfe der passenden Software im beschränkten Rahmen sogar selbst seinen Gesundheitsstatus analysieren.