Vor Hamburger Grundschulen ist morgens der Teufel los. Autos preschen vorbei, bremsen quietschend in zweiter oder dritter Reihe, wenden auf der Straße, entlassen Kinder auf die Fahrbahn. Fast ein Wunder, dass die meisten heil zur Schule kommen! Immer wieder beschweren sich besorgte Eltern. Und hören: Ihr seid selber schuld. Verursacher des Chaos sind nämlich treusorgende Väter und Mütter, die ihre Kinder am liebsten direkt ins Gebäude fahren würden, aber spätestens an der ersten Treppe scheitern. Mit all den anderen Eltern.

Um die Lage zu entschärfen gibt es an Schulen in Nordrhein-Westfalen nun spezielle Elterntaxi-Halteplätze, ein paar Hundert Meter vom Schuleingang entfernt. Wäre die "Kiss & Ride"-Idee auch ein Modell für Hamburg?

"Wir wollen Eltern nicht noch motivieren, ihre Kinder mit dem Auto zu bringen", sagt Peter Albrecht von der Schulbehörde. Die Schüler sollten zu Fuß kommen, mit dem Rad oder den Öffentlichen. Das fördert die Selbstständigkeit und Konzentrationsfähigkeit und ist gesünder. Normalerweise.

Denn hinter dem elterlichen Chauffeurservice steckt – hier schließt sich der Teufelskreis – auch die Angst, der Schulweg sei nicht sicher genug. Tatsächlich hat der ADAC Hansa gemessen, dass in Tempo-30-Zonen an Schulen drei Viertel der Autos viel zu schnell sind. "Wir waren geschockt", sagt Carsten Willms aus der Abteilung Technik und Verkehr. Offenbar mutieren liebende Eltern, kaum haben sie ihren eigenen Nachwuchs abgeliefert, zu Rasern, die auf den Nachwuchs anderer keine Rücksicht nehmen. Ein Atavismus zur Erhaltung der eigenen Gene?

Für regelmäßige Kontrollen fehlt der Polizei Personal. Dumm auch, dass man in Tempo-30-Zonen weitgehend auf Ampeln und Zebrastreifen verzichtet, im naiven Glauben, dort könnten Kinder ja überall problemlos die Straße überqueren. Und noch dümmer ist, dass etliche Tempo-30-Zonen, etwa jene um die Schule an der Isebek im kinderreichen Eimsbüttel, kaum als solche wahrzunehmen sind. Es fehlen Rampen, Verengungen, Hinweise auf der Straße.

"Kiss & Ride"-Haltestellen für Eltern, sagt ADAC-Mann Willms, könnten immer nur ein letzter Weg sein. Doch auch das klappt nur, wenn die Eltern ihren Nachwuchs dort wirklich aus- und einsteigen lassen. Und dafür, hat man in Oberhausen festgestellt, muss man nicht mit ihnen sprechen. Sondern mit ihren Kindern.