Philip, wir müssen über Geld sprechen. Nicht über mein Geld oder über dein Geld, sondern über das Geld als solches. Genauer gesagt: über das Bargeld.

Bargeld ist in unserer Zeit ein Anachronismus. Es ist heutzutage möglich, praktisch den gesamten Zahlungsverkehr elektronisch abzuwickeln. Für kleinere Transaktionen gäbe es noch Münzen. Aber statt Scheinen hätten wir nur noch eine Plastikkarte im Portemonnaie. Das wäre nicht nur erheblich bequemer – es brächte auch eine Reihe von Vorteilen mit sich.

Denn die Besonderheit des Bargelds liegt darin, dass es Anonymität garantiert. Für Überweisungen oder Kreditkartengeschäfte gilt: Sie müssen über Banken abgewickelt werden. Damit kann der Staat auf die Daten zugreifen. Er kann die Transaktion sogar unterbinden.

Wer bar bezahlt, der hinterlässt keine Spuren. Deshalb ist das Bargeld bei Rauschgiftschmugglern, Steuerhinterziehern und anderen Kriminellen beliebt. Kenneth Rogoff, ehemals Chefvolkswirt des Internationalen Währungsfonds, hat darauf hingewiesen, dass bei der Verhaftung des Drogenbosses Joaquín Guzmán 200 Millionen Dollar in 100-Dollar-Noten gefunden wurden.

Mit der Abschaffung des Bargelds könnte ein entscheidender Schlag gegen die Organisierte Kriminalität und den internationalen Terrorismus gelingen. Außerdem würde der Staat sich neue Steuerquellen erschließen, weil die Schattenwirtschaft ausgetrocknet würde. Es wäre zum Beispiel fast unmöglich, den Handwerker oder die Putzfrau am Fiskus vorbei zu bezahlen, um Sozialversicherungsbeiträge zu sparen.

Vielleicht noch wichtiger: In einer Welt ohne Bargeld wäre es für den Staat leichter, Konjunkturkrisen zu bekämpfen. Denn im Moment stoßen die Notenbanken an ihre Grenzen. Eigentlich wären niedrige Zinsen nötig, um Unternehmen und Verbraucher dazu zu bewegen, mehr Geld auszugeben.

Die Zinsen liegen aber bereits bei annähernd null Prozent – und weniger geht in der Praxis nicht. Denn wenn die Zinsen negativ würden, dann würde das Guthaben der Sparer auf der Bank automatisch immer kleiner werden. Die Sparer würden ihr Geld abheben und in bar aufbewahren. Deshalb lassen sich die Notenbanker – wie jetzt die Europäische Zentralbank – allerlei riskante Kniffe einfallen, um die Wirtschaft zu stimulieren.

Wenn es kein Bargeld mehr gibt, ist das nicht mehr möglich. Gewiss: Das bedeutet nicht, dass das Geld sofort vollständig in den Konsum fließt. Ein Teil bliebe trotz der negativen Zinsen auf der Bank. Auch würden vermehrt Immobilien oder Aktien gekauft, um das Ersparte doch noch irgendwie in Sicherheit zu bringen.

Das muss aber nicht unbedingt ein Problem sein. Denn es geht ja genau darum, dass das Geld nicht mehr nutzlos auf dem Konto herumliegt, sondern produktive Investitionen finanziert. Auch der Neubau eines Wohnhauses ist in gewisser Weise eine solche Investition – die Aufsichtsbehörden müssen nur darauf achten, dass sich keine Blase herausbildet.

Die Abschaffung des Bargelds würde mit anderen Worten völlig neue Perspektiven für die staatliche Steuerung der Konjunktur eröffnen. Der Staat würde sich Handlungsspielräume zurückerobern, die er durch die zunehmende Globalisierung in den vergangenen Jahren verloren hat. Dein Mark

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