Das Wasser ist kühl, jeder Schwimmzug ein Genuss. Noch einmal untertauchen und das Glück an sich abtropfen lassen. So ein Bad im Spätsommer erfrischt die Sinne. Trotzdem tummeln sich in der Weyerbucht im Salzburger Mattsee kaum Schwimmer. Nur eine weiße Badehaube ist vor dem Steg des Hotel Iglhauser zu sehen. Ansonsten gehört dieses Stück vom Paradies den Grund- und Bootsbesitzern. Gerade schiebt eine große, weiße Sunbeam 32 rückwärts aus ihrem Ankerplatz. Sigi Angerer, der langjährige Chefpilot von Red-Bull-Milliardär Dietrich Mateschitz, macht einen Ausflug. Im Hintergrund gleitet ein älterer Herr in einem sportlichen Ruderboot vorbei: Ernst Piëch. Der Enkelsohn von Ferdinand Porsche hat dem Ort ein Oldtimermuseum gestiftet.

Normalbürger, die den See genießen wollen, müssen ins nahe Strandbad ausweichen und dort Eintritt bezahlen. Frei zugängliche Badeplätze sind mittlerweile verschwunden. Früher konnte man unter dem Schlossberg, der die Bucht wie ein grünes Sahnehäubchen flankiert, kostenlos ins Wasser springen. Nun verkünden zwei Schilder auf der Wiese, dass das Baden dort verboten ist. Aber mit welcher Begründung? Und überhaupt: Wem gehören die Seen in Österreich?

Öffentliche Gewässer sind längst kein Allgemeingut mehr, das allen zur Verfügung steht. Rund um die begehrten Wasserflächen prallen vielschichtige Interessen aufeinander, aus denen sich ein Mosaik an Ansprüchen gebildet hat. Alle behaupten ihren Platz: die Segler und Surfer, die Taucher und Fischer, vor allem die Grundbesitzer. Und selbst die müssen eine Menge an Gebühren bezahlen: Der Mattsee gehört dem Land Salzburg, das für jede Boje, jeden Quadratmeter Steg und die Benutzung der Seeuferlinie Pacht verlangt.

Über die Wege zum Wasser, die noch zugänglich bleiben, darf im Grunde jeder zum See. In öffentlichen Gewässern ist das unentgeltliche Tränken, Schöpfen, Waschen, Baden und Tauchen sowie die Nutzung der Eisfläche erlaubt, so sieht es der sogenannte große Gemeingebrauch vor. Das Recht, einen schmucken Badeplatz mit Infrastruktur vorzufinden, leitet sich daraus aber nicht ab.

Zugangsverbote darf nur die Wasserrechtsbehörde verhängen, in einem Kraftwerksbereich etwa oder wenn das Wasser zum Baden nicht geeignet ist. Ein Badeverbot, wie es die Ortspolizei Mattsee verordnet hat, erscheine ohne begründetes Interesse an einer Einschränkung des Gemeingebrauchs nicht gerechtfertigt, erklärt der Leiter der Wasserrechtsabteilung des Landes Salzburg, Erwin Rader. Die Gemeinde könne höchstens aus hygienischen Gründen das Liegen und Lagern verbieten.

Die meisten Seeufer sind verbaut, doch im Bodensee kann jeder schwimmen

Im südlichen Oberösterreich, rund 40 Autominuten entfernt, beginnt das Salzkammergut. Hier funkeln klare Seen zwischen sanften Hügeln und alpinen Traumlandschaften. Das größte dieser Naturjuwele ist der Attersee.

Die Bundesstraße diktiert die Verhältnisse. In Unterrach, wo sie einen weiten Bogen um das Seeufer macht, ist viel Raum für alte Häuser und verschwenderische Villen geblieben, die am Wasser die Reihen schließen. Weiter nördlich, wo nur wenige Meter zwischen Straße und Wasser liegen, hat kaum etwas Platz. Radwege, ein paar Hütten. Ansonsten wuchert Gestrüpp neben den Leitplanken. Niemand würde auf die Idee kommen, hier zu baden.

Überall dort, wo das Ufer verbaut ist, wurden Fakten geschaffen. Ein extremes Beispiel ist der Wörthersee, der wohl am meisten verhüttelte See des Landes. In Vorarlberg wurde das Problem hingegen gelöst, bevor es entstehen konnte: Das Straßenbaugesetz von 1969 bestimmt, dass am Ufer des Bodensees ein Streifen von zehn Metern frei zugänglich bleiben muss. Rund um Bregenz wachsen die Kinder am Wasser auf. Badeplätze gibt es dort im Überfluss.