Ja, die Geschäftsidee von Uber ist nichts weiter als die Anstiftung zur Schwarzarbeit im großen Stil – das Risiko tragen allein Fahrer und Kunden. Von Dietmar H. Lamparter

Im kreativen Biotop Kaliforniens hatte der forsche Jungunternehmer Travis Kalanick vor fünf Jahren eine Idee: Er gründete ein Start-up namens Uber als Alternative gegen "das Arschloch namens Taxi", wie er es nannte. Das Prinzip seines Dienstes: Eine Smartphone-App bringt private Autobesitzer mit Fahrgästen zusammen. Die Kunden zahlen mit Kreditkarte oder Paypal-System. Zwanzig Prozent des Fahrpreises kassiert Uber als Vermittler. Kalanick propagierte seine App als eine Art Mitfahrzentrale fürs digitale Zeitalter: einfach, flexibel, sozial, weltweit einsetzbar.

Und so startete Uber mit seinem Dienst UberPop vor einigen Monaten auch in Deutschland. Hier locken die gut vier Milliarden Euro Umsatz des Taxi- und Mietwagengewerbes.

Doch das Taxigeschäft ist in vielen Ländern gesetzlich reglementiert, in Deutschland ganz besonders strikt. Das will Uber nicht akzeptieren. Eine von Taxizentralen beim Frankfurter Landgericht erwirkte einstweilige Verfügung gegen UberPop wegen "unlauteren Wettbewerbs" werde man einfach ignorieren, lassen die deutschen Statthalter Kalanicks verlauten. Den "Fortschritt" könne man nicht aufhalten. Frechheit siegt, glauben die selbst ernannten Taxi-Töter.

Sollen sich doch die "Taxi-Kartelle" mit ihren 180 000 Taxlern an die Gesetze halten. Selber schuld, wenn sie sich gegen die Freiheit und für die Fesseln ihres Gewerbes entscheiden. Wenn sie sich zu Stundenlöhnen um die sieben Euro abrackern. Gleiches Recht für alle? Nicht für die bessere Idee im global village, so die Botschaft Kalanicks.

Ein Taxigast zahlt Mehrwertsteuer, bei UberPop spart er sich das. Ein angestellter Taxler überweist monatlich seinen Obolus an die Sozialkassen, Ubers Freizeitpiloten fahren auf eigene Rechnung. Kranken- und Rentenversicherung? Privatsache. Beiträge für die Arbeitslosenversicherung? Fehlanzeige.

Ein Taxiunternehmer muss sein Gewerbe anmelden. Wer ein Taxi lenkt, braucht einen Personenbeförderungsschein: Führungszeugnis, Gesundheit und Ortskenntnis werden geprüft. Uber pfeift auf diese Bestimmungen. Geeichtes Taxameter, jährlicher TÜV, Versicherung für Passagiere – Pflicht für den Taxler, nicht aber für UberPop-Privatfahrer. Führerschein, guter Leumund und ein Auto, das jünger als zehn Jahre ist. Das war’s. Ein Taxi muss jeden Gast mitnehmen, Uber nicht.

Kein Wunder, dass eine von UberPop vermittelte Fahrt meist etwas billiger ist als die mit der Taxe. Zumal deren Fahrer nur den von den Städten festgelegten Tarif verlangen darf – nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Uber ist billiger, weil es Standards unterbietet. Was kümmert die Kalifornier das deutsche Sozialsystem, was kümmert sie die Sicherheit? Cool will Uber sein!

Das ist verlogen. Denn es wird eine erzkapitalistische Veranstaltung unter dem Deckmantel der Idee des Teilens verkauft. Aber UberPop ist keine Mitfahrzentrale, bei der nur das Benzingeld umgelegt wird. Bei Uber – der Unternehmenswert wird auf 17 Milliarden Dollar geschätzt – wollen Geldgeber wie Goldman Sachs oder Google fette Profite machen. Das Risiko tragen allein die Fahrer und die Kunden.

Fazit: Die Geschäftsidee ist nichts weiter als die Anstiftung zur Schwarzarbeit im großen Stil. Für die privaten Fahrer rechnet sich der Nebenjob nur, wenn sie ihre Umsätze brutto für netto nehmen.

Und wo bleibt der Fortschritt? Apps, die Kunden und Droschke schnell und flexibel zusammenbringen, bieten in Deutschland längst auch reguläre Taxiunternehmen an – taxi.eu oder myTaxi heißen die Online-Services zum Beispiel.

Gleiches Recht für alle! Das muss auch im Transportgewerbe gelten. Denn solange es hierzulande Gesetze gibt, hat sie der deutsche Staat durchzusetzen – auch gegen die hoch professionelle PR-Maschinerie der geldgierigen Milliardäre aus Kalifornien.