Wie geht es uns denn so, finanziell gesehen? Schlecht geht es, ganz schlecht, wenn man der Opposition glauben darf. "Wir dürfen nicht weiter auf Kosten unserer Kinder und Enkel leben", mahnt die CDU.

Der Anlass der Ermahnung ist nicht weiter wichtig. Es geht um die Absicht der Bundesregierung, den Ländern einen winzigen zusätzlichen Spielraum beim Schuldenmachen zu genehmigen, ein Angebot, das die Hamburger nicht einmal annehmen wollen. Die Frage, die dahintersteht – die nach dem Zustand der Landesfinanzen –, ist aber durchaus wichtig. In wenigen Monaten ist Bürgerschaftswahl. Geht es Hamburg wirklich so schlecht, wie die CDU meint?

Das kann man anders sehen. Etwa so: "Aufgrund der sehr günstigen Rahmenbedingungen bei Steuereinnahmen und Zinsen und des zu erwartenden Bevölkerungswachstums kann sich Hamburg bis 2020 deutliche Mehrausgaben leisten."

Diese Behauptung stammt nicht von keynesianischem Wachstumsoptimisten oder linken Voodoo-Ökonomen, sondern von PricewaterhouseCoopers, einer riesigen Wirtschaftsprüfgesellschaft, deren deutscher Sitz sich in Frankfurt befindet. Seit drei Jahren veröffentlicht PwC ein "Länderfinanzbenchmarking", das ebenso lange politisch umstritten ist. Schlechte Ergebnisse in diesem Ländervergleich sind gute Nachrichten für die jeweilige Opposition. Im Hamburg verhält es sich umgekehrt, weshalb die CDU mit der Analyse des Finanzdienstleisters nun sehr unglücklich ist.

Für PwC mag es in diesem von der Öffentlichkeit bislang unbemerkten Konflikt allein um Zahlen gehen, für die CDU aber geht es auch um ihren Wahlkampf. In der Sache gibt es vor allem eine Meinungsverschiedenheit. Sie betrifft die sogenannten Extrahaushalte. Das sind Ausgaben und Schulden von Gesellschaften, die im Haushalt nicht auftauchen, obwohl sie öffentliche Aufgaben wahrnehmen. PwC findet diese Risiken tragbar, die Hamburger Opposition findet sie unerträglich.

Tatsächlich verliert Hamburg seinen guten Platz im Ländervergleich, wenn die Extrahaushalte berücksichtigt werden. Allerdings landet es auch nicht ganz hinten, sondern auf Platz 8, weit vor Thüringen (Platz 12) und Hessen (Platz 13), die unter Christdemokraten gewöhnlich als solide gelten. Wie also geht es Hamburg, finanziell gesehen? Wahrscheinlich ganz gut und jedenfalls besser, als die Opposition es wahrhaben will.