Was für ein herrliches Bild: Drei leicht bekleidete Damen lümmeln sich auf einem Steinboden. Eine hat ihr schönes, weiches Gesäß dem Betrachter zugekehrt. Die in der Mitte ist nicht mehr ganz jung, mit herben Gesichtszügen, akkurat onduliertem Haar und einem tief ins Fleisch drückenden BH. Sie schaut aus dem Bild heraus, mit wissendem, müdem Blick, als ob sie uns schon lange kennt. Und die dritte? Was macht sie da eigentlich? Breakdance? Ihr ernster Gesichtsausdruck scheint so gar nicht zu ihrem ulkigen Tänzchen zu passen. Das geflieste Setting: wahrscheinlich der Innenhof eines Bordells, aufgenommen im Juni 1933 in der spanischen Hafenstadt Alicante.

Der weltreisende Fotograf Henri Cartier-Bresson (1908 bis 2004) hat im Lauf seines fast hundert Jahre langen Lebens Kriegsschauplätze, Liebespaare und Messdiener fotografiert. Seine Schnappschüsse, so wurde es einmal beschrieben, machte er mit der Präzision eines Scharfschützen. So ist eine neue Ästhetik entstanden, und eine Bildgeschichte des 20. Jahrhunderts im Vorbeigehen. 1933 war der 24-Jährige unter anderem in Spanien unterwegs und nahm dort Kinder, Bettler und Polizisten auf. Zwar kann man bei vielen der Dargestellten dramatische Lebensverhältnisse vermuten, aber doch hat er neben der Armut auch die menschlichen, ja die vergnüglichen Momente festgehalten. So hat auch sein Foto mit den drei Prostituierten in Alicante eine verführerische Komponente, eine Haremsfantasie mit Schweißgeruch. Am 1. Oktober wird der handsignierte Gelatin Silver Print, der nach 1933 in den Maßen 35,6 mal 23,8 Zentimeter abgezogen wurde, bei Phillips in New York versteigert, für geschätzte 7000 bis 9000 Dollar.