Das Krabbenbrötchen ist das Fast Food der Meeresromantiker. Es gehört zu Hamburg wie Michel und Reeperbahn und wird in Reiseführern als örtliche Spezialität empfohlen. Besonders gut ist es angeblich auf dem Fischmarkt und an der Brücke 10 auf den Landungsbrücken.

Die Karstadt-Filiale in der Mönckebergstraße ist bisher nicht bekannt für Nordseekrabben. Das könnte sich ändern. Im letzten Sommer hat die Firma eine Verkäuferin entlassen, die sich an der Feinkosttheke bedient hatte. Für den kleinen Hunger zwischendurch belegte sie ein Brötchen mit Krabbensalat, ohne dafür zu zahlen. Ein Hamburger Gericht hat die Entlassung für unwirksam erklärt. Nun legt Karstadt Revision ein, der Fall muss vors Bundesarbeitsgericht.

Das Krabbenbrötchen wird also in die Rechtsprechung eingehen. Und führt damit eine Tradition fort: Da ist der legendäre Bienenstich, den eine Essener Verkäuferin verspeiste. Da ist die Frikadelle, die eine Dortmunder Chefsekretärin klaute. Noch lange werden sich Jurastudenten anhand des Hamburger Falls mit der Frage beschäftigen, ob Kündigungen wegen Bagatelldelikten rechtmäßig sind – und dabei Appetit auf jene Bagatelle bekommen, die idealerweise frisch mit Mayonnaise, Dill und einem Spritzer Zitrone serviert wird.

Unterschwellige Werbung heißt das im Marketing. Es sagt etwas über Hamburg aus, dass sich die Feinkostkraft nicht für den Tegernseer Heumilchkäse oder die umbrische Trüffelsalami entschied. Mag sein, dass der Arbeitgeber Karstadt das Vertrauensverhältnis nun als zerrüttet betrachtet – aus Hamburger Perspektive sieht das anders aus. Was wäre ein besserer Vertrauensbeweis als dieser: Hamburger Mitarbeiter entwenden regionale Produkte.