Amazon hat sich gerührt. Auch wenn noch nicht ganz sicher ist, worin der Kompromiss besteht, den der Internetversender mit den Verlagen getroffen hat, die er mit Lieferverzögerungen zu ruinösen Rabatten auf E-Books zwingen wollte, ist die Nachricht über eine Verhandlungslösung an sich schon erstaunlich. Der Buchmarktriese, den man seit seinem Erscheinen nur dabei beobachten konnte, wie er schweigt und frisst (manchmal hörte man die enormen Kiefer mahlen), kann anscheinend doch auch kommunizieren. Ist es den in Deutschland diskriminierten Verlagen Bastei Lübbe, Piper, Ullstein (und anderen der Bonnier-Gruppe) gelungen, die Rabattforderungen von fünfzig Prozent auf die branchenüblichen dreißig bis vierzig zu drücken, oder konnte nur die Laufzeit der Verträge verlängert werden? Genaueres lässt sich von den Beteiligten derzeit nicht erfahren.

Amazon ist gegenüber der Öffentlichkeit wieder in sein dräuendes Schweigen zurückgefallen und hat seine Verhandlungspartner angesteckt. Gleichwohl muss etwas geschehen sein. Vielleicht hat Amazon sogar die Kartellklage des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels vernommen und etwas von den massenhaften Autorenprotesten mitbekommen. Das Monster muss Ohren und Augen haben, ebenso ein Zentralnervensystem, das in der Lage ist, Umweltreize zu verarbeiten – wie verzögert auch immer. Die Überraschung ähnelt der Freude von Kindern im Zoo, die an den notorisch bewegungslosen Krokodilen eine plötzliche Lageveränderung wahrnehmen, ein nervöses Schwanzschlagen oder Öffnen des Rachens. Hoffen wir, dass Amazon mit seiner unversehens unter Beweis gestellten Beweglichkeit nicht einfach nur seinen ungebrochenen Appetit zeigen wollte.

Indes gilt stets, dass, wer fressen will, auch gefressen werden kann. Der Mensch steht zwar auf dem Speiseplan des Krokodils, das Krokodil aber auch auf dem Speiseplan des Menschen. Das Echsenfleisch ist sogar überraschend lecker; darüber könnte Amazon einmal nachdenken.