Wilhelm Timmermann sitzt am Steuer seines grünen Traktors und holpert über den furchigen Ackerboden. Vor ihm erstrecken sich lange Reihen aus kleinen grünen Stauden mit kräftigem Stiel und dunkelgrünen Blättern. Gesunde, gut gewachsene Pflanzen. Doch er fährt über sie hinweg und pflügt sie um, sodass hinter ihm nur eine braune Spur zurückbleibt. Erde, vermischt mit Blattresten. Für den Bauern ist jeder Meter, den er zurücklegt eine Qual. Es ist das Ende seines Kartoffelanbaus.

Timmermann erinnert sich noch gut an diesen Moment, auch wenn er schon rund zwei Jahre her ist. Damals gab der Biobauer die Kartoffeln auf, weil sie sich für ihn nicht mehr lohnten. "Dabei waren die Pflanzen schon so groß geworden." Timmermann beugt sich nach vorn und hält seine flache Hand etwa dreißig Zentimeter über den Boden. "Das war ein harter Schritt."

Timmermann ist Landwirt in Sülldorf westlich von Hamburg, seine Familie führt den Hof seit neun Generationen. Während sein Vater den Betrieb noch nach herkömmlicher Weise bewirtschaftete, stellte Timmermann zu Beginn der achtziger Jahre auf Biolandwirtschaft um. Seitdem baut er seine Ware nach den ökologischen Richtlinien des Verbandes Bioland an. Viele Jahre lief das Geschäft gut. 15 verschiedene Gemüsesorten habe er einmal angebaut, erzählt Timmermann. Während er sich auf den Feldern um Kartoffeln, Möhren und Kohl kümmerte, übernahm seine Frau Agnes den Verkauf. Anfangs stellten sie dafür nur einige einfache Holztische auf, doch bald kamen so viele Kunden, dass sie den ehemaligen Kälberstall in einen kleinen Laden umwandelten. Und weil das Geschäft so gut lief, bauten sie den Laden im Laufe der Zeit so weit aus, bis er 300 Quadratmeter groß war.

Doch das ist vorbei. Timmermann wird ganz wehmütig, wenn er daran denkt. Als im Jahr 2011 in der Ortschaft ein Biosupermarkt eröffnete, wurde es für die Timmermanns schwierig. Plötzlich kamen immer weniger Kunden auf den Bauernhof, schnell sank der Umsatz im Hofladen um ein Viertel. Mit Hoffesten und Führungen versuchte der Familienbetrieb der Konkurrenz standzuhalten, aber vergeblich. "Mit den Preisen im Supermarkt konnten wir einfach nicht mithalten", sagt der 53-Jährige kopfschüttelnd. Als das Geld in der Hofladenkasse immer knapper geworden sei, habe er begonnen, den Betrieb umzubauen.

Dabei wächst die Nachfrage nach Biolebensmitteln gewaltig. "Bio" ist zwar noch eine Nische: Nach Angaben des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft kamen nur 3,7 Prozent der im Jahr 2013 in Deutschland umgesetzten Lebensmittel aus biologischem Anbau. Doch der Umsatz der Branche lag zuletzt bei immerhin rund sieben Milliarden Euro – mehr als doppelt so hoch wie noch vor zehn Jahren. Im aktuellen Ökobarometer des Verbraucherministeriums gab die Hälfte der Befragten an, zumindest gelegentlich Biolebensmittel zu kaufen. 82 Prozent davon kaufen im Supermarkt, 64 Prozent im Discounter.