Es war der dritte Gazakrieg zwischen Hamas und Israel in sechs Jahren. Aber nie war die Zerstörung so massiv wie in diesem Sommer nach 50 Tagen Raketenbeschuss und Luftangriffen. Umstritten ist, welche Seite diese jüngste Kriegsrunde provoziert hat. Fest steht, dass Gazas Bevölkerung einen horrenden Preis bezahlt.

Die Toten sind begraben. Auf israelischer Seite starben 66 Soldaten und sieben Zivilisten, auf palästinensischer Seite waren es mehr als 1.400 Zivilisten und vermutlich 700 Kämpfer von Hamas.

In Gaza räumen Bewohner nun erneut Trümmer und Schutt beiseite, doch vielen fehlt die Kraft, sich einen Wiederaufbau überhaupt nur vorzustellen. Israels Luftwaffe hat nicht nur Stellungen und geheime Tunnel von Hamas zerstört, sondern auch ganze Wohnblocks, mehr als hundert Schulen und Krankenhäuser der Vereinten Nationen sowie das einzige Kraftwerk, Brunnen und Wasserleitungen.

All das wäre für sich schon dramatisch genug. Doch in Gaza trafen die Bomben eine Zivilbevölkerung, die durch Jahre der Belagerung zermürbt ist. 1,8 Millionen Menschen leben auf einer Fläche, etwa so groß wie die Bremens. Durch eine israelische Dauerblockade sind sie von der Außenwelt weitgehend abgeschottet, innenpolitisch stecken sie im Klammergriff von Hamas, wirtschaftlich sind sie abhängig von internationalen Hilfsgeldern. Die Arbeitslosigkeit betrug vor dem jüngsten Krieg um die 40 Prozent, jetzt liegen mehr als 300 Unternehmen in Trümmern. Viele waren Familienbetriebe, aber auch die Al-Awda-Lebensmittelfabrik, Gazas größtes Unternehmen mit 450 Arbeitsplätzen, ist in Flammen aufgegangen.

Auf mehr als sieben Milliarden Dollar schätzt die palästinensische Autonomiebehörde die Kosten für den Wiederaufbau, Mitte Oktober will sie eine Geberkonferenz abhalten. Doch wer stellt schon finanzielle Hilfe in Aussicht, wenn sich die Kampfparteien allenfalls auf einen fragilen Waffenstillstand geeinigt haben?

Der Ausweg? Hamas erkennt das Existenzrecht Israels an, rüstet ab und bildet mit der im Westjordanland regierenden Fatah eine Einheitsregierung; Israel erkennt Hamas als politische Partei an, hebt die Gaza-Blockade auf, erlaubt den Wiederaufbau eines See- und eines Flughafens.

Die Chancen für eine solche Einigung? Gehen gegen null. Israel hat die Blockade kaum gelockert. Hamas lehnt eine Entwaffnung ab und verweist auf das Schicksal von Mahmud Abbas. Dessen Fatah-Fraktion hat im Westjordanland auf Verhandlungen mit Israel gesetzt, aber immer mehr Land an jüdische Siedler verloren. Das hat dem Ansehen der Fatah sehr geschadet.

Gaza, schreibt der palästinensisch-amerikanische Publizist Rami G. Khoury, sei endgültig "zu einer Mischung aus Suppenküche, Obdachlosenunterkunft und Gefängnis geworden". Immer mehr seiner Bewohner glauben nicht, dass sich daran zu ihren Lebzeiten etwas ändert. Sie lassen sich über die Grenze an die ägyptische Küste schleusen und wagen die Fahrt übers Mittelmeer. 500 Flüchtlinge starben kürzlich vor Malta. Die meisten sollen Palästinenser aus Gaza gewesen sein.