Der größte potenzielle Nutzen liegt aber ganz woanders: Es könnte gelingen, mit Kohlendioxid Kohlendioxid einzusparen. Das klingt paradox, funktioniert in ein paar Fällen aber schon. Etwa in der Schaumstoffproduktion von Bayer: Wird CO₂ als Rohstoff genutzt, müssen weniger Epoxide eingesetzt werden, als wenn der Schaum aus Erdöl hergestellt würde. Weil die Erzeugung dieser Moleküle sehr energieaufwendig ist, spart das Energie und damit CO₂. Kohlendioxid wäre damit nicht mehr bloß ein lästiger Schadstoff, der entschärft werden muss – sondern ein Rohstoff, der eine effizientere Produktion möglich macht.

CO₂-Nutzung kann also auch verhindern, dass manches C überhaupt erst in die Fänge des Sauerstoffs gerät. Und sie kann bereits eingekerkerten Kohlenstoff schneller befreien als die Natur per Fotosynthese – einmal in der Luft, bleibt ein CO₂-Molekül im Schnitt 200 Jahre dort.

So elegant wie das Kunststück des Chlorophylls sind die technischen Verfahren indes nicht. Und C muss überdies mit einem Platz in der Matratze, im Staubsaugergehäuse oder im Kohlefaserbeton vorliebnehmen, während seinen auf natürliche Weise befreiten Elementargenossen viele Wege offenstehen: vom Gras in die Kuh in den Käse, vom Weinblatt in die Traube in den Wein, vom Kraut ins Lamm ins Kotelett – und schließlich in jeden und jede von uns. Ganz so, wie auch Primo Levi seine Geschichte eines C-Atoms enden ließ:

Ein Atom, eben jenes, das uns am Herzen liegt, überschreitet die Schwelle des Darms und dringt in den Blutstrom ein: es wandert, klopft an die Pforte einer Nervenzelle, tritt ein und ersetzt ein anderes Kohlenstoffatom. Diese Zelle gehört zu einem Gehirn, dem meinigen (…). Es ist die Zelle, die in diesem Augenblick, aus einem labyrinthartigen Wirrsal von Ja und Nein heraus, bewirkt, dass meine Hand einen bestimmten Weg auf dem Papier zurücklegt, (…) und sie drückt diesen Punkt aufs Papier: diesen.

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