Als Johann Gudenus gegen die "mächtige Homosexuellenlobby" wetterte, hatte er sich dafür einen geschichtsträchtigen Ort ausgesucht. Mitten im Zentrum Moskaus, im Keller der unter Stalin abgerissenen und von Präsident Boris Jelzin wiedererrichteten Christ-Erlöser-Kathedrale donnerte der FPÖ-Politiker gegen die Russland-Politik der EU und erklärte die Österreicher zu Freunden des Kreml.

Das Gotteshaus war wohl nicht zufällig gewählt. Vor zwei Jahren endete hier ein Auftritt der Gruppe Pussy Riot mit Verhaftungen und Gefängnisstrafen. Seitdem wird der Ort immer wieder von einer Koalition aus Erzkonservativen und Geheimdiensten für Veranstaltungen genutzt. Hier feiern sie ihren Sieg über die Zivilgesellschaft – mit dem Segen der Kirche.

Die Zuneigung der FPÖ zu Russland befindet sich derzeit auf einem Höhepunkt. Noch vor wenigen Jahren wäre das undenkbar gewesen. Früher kämpfte die Partei an vorderster politischer Front gegen Bolschewismus und rote Gefahr aus dem Osten. Doch vor allem seit 2008, dem Jahr des Georgienkrieges, verstehen sich die Mannen um Heinz-Christian Strache immer mehr als beste Freund Moskaus, als Einzige in Österreich, die Putin verstünden. Dabei geht es nicht nur um Politik: FPÖ-Granden hatten und haben handfeste wirtschaftliche Interessen im Reich Putins.

"Wir kriegen kein Geld", beteuerte FPÖ-Chef Strache vergangene Woche auf einer Pressekonferenz, als er nach den Gründen dafür gefragt wurde. Das Russland-Engagement begründete er mit einer "Verantwortung für den Frieden" und bemühte auch die Neutralität Österreichs. Für die neue Freundschaft wurden alle Kontakte zu ukrainischen Nationalisten geopfert. Diese wollen mit der FPÖ mittlerweile nichts mehr zu tun haben.

Auch andere rechtskonservative und nationalistische Gruppierungen aus Europa entdecken seit dem international nicht anerkannten Krimreferendum ihre Liebe zu Moskau: Vertreter des französischen Front National, von Vlaams Belang aus Belgien und Jobbik aus Ungarn pilgern neben FPÖ-Politikern regelmäßig nach Moskau und wettern dort gegen Nato, USA, EU und den Westen insgesamt. Mit der österreichischen Neutralität hat das aber nichts zu tun.

In Richtung der Heimat kennt das Lob für Russland indes kaum Grenzen: Nach seinem Moskauer Auftritt hatte Gudenus am Montag vergangener Woche als Wahlbeobachter in St. Petersburg erklärt, die Regionalwahlen würden sich in Transparenz und Offenheit positiv von jenen zum Europaparlament abheben. Bereits im Juni hatte der FPÖ-Politiker davon gesprochen, dass es im Unterschied zu vielen EU-Staaten in Russland nach wie vor Meinungsfreiheit gebe: "Hier kann man völlig frei und offen sprechen, und es sind anschließend keine Sanktionen gegen Massenmedien oder Politiker zu erwarten."

Mit der russischen Realität hat diese Aussage wenig zu tun. Sie folgt allerdings der Propaganda des Kremls. Auch wenn Gudenus von der "mächtigen Homosexuellenlobby in Europa" spricht, folgt er einer gezielten Agitation: "Gayropa" und, als Synonym für die Europäische Union, "Eurosodom" sind in den vergangenen Jahren zu russischen Schlagworten gegen den Westen avanciert. Gemeint ist damit ein vermeintlicher Niedergang Europas, der durch die Gleichberechtigung sexueller Minderheiten ausgelöst würde.

Nicht einmal Schirinowski wollte einst mit Jörg Haider verglichen werden

Vor nicht allzu langer Zeit wäre eine solche FPÖ-Annäherung kaum für möglich gehalten worden: 1992 hatte ein gewisser Heinz Strache, ein Bezirksrat in Wien-Landstraße, die "ehestmögliche Entfernung des stalinistischen Denkmals auf dem Schwarzenbergplatz" gefordert, gemeint war das Heldendenkmal der Roten Armee. Es sei, so Strache damals, das "Triumphmal eines imperialistischen Eroberers". Der Antrag wurde abgelehnt.