Heiß haben’s die Deutschen gerne: Sie waschen ihre Wäsche bei durchschnittlich 46 Grad. In anderen Ländern liegt die mittlere Temperatur eher bei 30 Grad. Laufen andere Völker in schmutzigeren Klamotten herum?

Die bei uns üblichen Waschmaschinen heizen kaltes Wasser elektrisch auf, auch wenn meist ökologisch günstiger erhitztes Wasser aus der Leitung kommt. Die dafür erforderliche Energie steigt mit der Temperatur: 40 Grad benötigen doppelt so viel wie 30 Grad, 60 Grad fünfmal so viel und 90 Grad zehnmal so viel. Schon ein paar Grad weniger können also viel Strom und Geld sparen.

Die großen Waschmittelhersteller haben vor ein paar Jahren ihre Rezepturen geändert. Die enthaltenen Enzyme lösen jetzt Fett und anderen Schmutz schon bei Temperaturen um 20 Grad aus der Wäsche. Große Werbekampagnen dazu gab es allerdings nicht, offenbar fürchtet man, dass sich die Deutschen nicht vorschreiben lassen wollen, wie sie ihre Wäsche zu waschen haben. Schließlich haben sie die richtige Methode von ihrer Mutter gelernt.

Viele haben nun denselben Einwand, mit dem schon die legendäre Werbefigur Clementine in den siebziger Jahren die Nation verunsicherte: Sauber mag die Wäsche ja werden, aber ist sie wirklich rein? Genauer gesagt: Was ist mit Bakterien – überleben die vielleicht die Kaltwäsche und übertragen dann gefährliche Krankheiten?

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Dagegen kann man gleich mehrere Argumente anführen: Die normal verschmutzte Wäsche, die wir in die Maschine stecken, enthält keine Keime, vor denen man große Angst haben müsste. Und auch wenn die Kaltwäsche nicht die Temperatur erreicht, bei der Bakterien zuverlässig abgetötet werden – dazu muss man mit 60 Grad oder mehr waschen –, so sterben doch viele Erreger in der Seifenlauge.

Allerdings kann die Waschmaschine selbst zur Keimschleuder werden, weil sich Schmutzrückstände bilden, in denen sich die Bazillen vermehren können. Das äußert sich auch durch üble Gerüche. Experten der Stiftung Warentest empfehlen Kaltwaschern, mindestens einmal im Monat bei einer Ladung den Thermostat auf 60 Grad oder mehr zu stellen. Und natürlich ist Vorsicht geboten, wenn jemand im Haushalt an einer ansteckenden Krankheit leidet. Auch in Krankenhäusern wird selbstverständlich die Wäsche heiß gewaschen – mit üblen Erregern ist nicht zu spaßen.

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