Wenn die beiden Barden zwischen ihren Liedern ein wenig herumalbern, so erinnert das weniger an eine klassische Doppelconference aus dem Kabarett, sondern an Samuel Becketts Endspiel . Wie Hamm und Clov haben sie sich auf der Bühne positioniert, der eine sitzend mit Gitarre, der andere stehend mit schüchtern wippendem Oberkörper. So werden die beiden nun wieder zu erleben sein, wenn sie demnächst auf einer ausgedehnten Tournee ihre neue und bisher ehrgeizigste Platte bewerben.

Ohne eine Miene zu verziehen, praktiziert das Duo Christoph & Lollo ein verbales Fingerhakeln, das nicht auf Pointen zielt, sondern sich wie ein sprachliches Kettenkarussell um sich selbst und die eigene Befindlichkeit dreht.

Christoph: "Ja, ja ... ratlose Gesichter. Wann fängt die echte Band an?"

Lollo: "Wir sind die echte Band. Nicht die Vorband, ich sag’s lieber gleich."

Christoph: "Das ist jetzt eine ruhigere Nummer für die, die völlig aus dem Häuschen sind aufgrund des letzten Songs."

Lollo: "Gleich haben Sie sich beruhigt."

Und so weiter. Christoph & Lollo versuchen sich an einem spontanen, assoziativen Anti-Humor, der seinen Endzweck nicht im befreienden Gelächter hat, sondern im ziellosen Mäandern sein Heil sucht. Was Kindlers Literaturlexikon über Becketts Figuren schreibt, trifft in gewisser Weise auch auf das kabarettistische Konzept von Christoph & Lollo zu – wenn man die apokalyptische Dimension ein wenig herausnimmt: "Gestalten, die in tragikomischer Hilflosigkeit die Gewissheit ihres Verfalls überspielen."

Mit ihrer Mischung aus genialem Dilettantismus und beschwingtem Bänkelgesang haben sich Christoph & Lollo zu Österreichs schrägstem und eigenwilligstem Singer-Songwriter-Duo entwickelt – sozusagen Simon & Garfunkel für jene neuerdings viel zitierte Generation Y, die sich im Job nicht versklaven lassen möchte und gern pünktlich Feierabend macht. "Generation Weichei" nennt die FAZ maliziös diese 20- bis 30-Jährigen, die überwiegend das Publikum der beiden Charme-Barden bilden.

Christoph & Lollo, die auf YouTube-Clips, ihrem bevorzugten Medium, klein und handhabbar aussehen, sind im wirklichen Leben groß, sehr groß. Mindestens 1,90 Meter. Sie könnten Furcht einflößend sein, wenn sie nicht so stark um Harmlosigkeit und Freundlichkeit bemüht wären. Man hat bei den beiden sowohl im Gespräch wie auch in den Liedern immer den Eindruck, dass man ein wenig auf den Arm genommen wird, aber auf eine Weise, dass man sich auch getragen fühlt. So übersieht man gern, dass inmitten der Wohlfühlkomik von Christoph & Lollo plötzlich Zeilen auftauchen, die wirklich beißen. Etwa in einer Wahlkampfhymne für die ÖVP, in der es heißt: "Wer ließ den Grasser und den Strasser tüchtig abkassieren? / Wer würde echt mit jedem regieren? / Wer klebt an der Macht wie Gestank am WC? / Die ÖVP, die ÖVP, die ÖVP!"

Das ist dann doch kilometerweit entfernt vom absurden Witz jener "Schispringerlieder", mit denen das Duo bekannt wurde. Lieder, die Sportlern mit abstrus klingenden Namen wie Ronny Hornschuh, Kazuyoshi Funaki, Janne Väätäinen und Jaroslav Sakala gewidmet sind und in denen es etwa darum geht, dass Ari-Pekka Nikkola nicht länger der Reim von Vera Ferra-Mikura sein möchte oder dass man Frantisek Jez doch ein Lebkuchenherz schenken möge. Denn der habe seit ewigen Zeiten nicht mehr Liebe gemacht und seit zwei langen Jahren nicht mehr gelacht.