Das war Blödelstoff für jene Kicherbrigade, die im Unernst ein Heilmittel gegen die Unzumutbarkeiten des Lebens zu finden glaubt. Warum gibt es in der im Laufe der Jahre auf drei CDs angeschwollenen Kollektion von Schispringerliedern eigentlich keinen einzigen Song über einen Österreicher? "Ich hab mir immer die Listen der Fis durchgeschaut", meint Lollo, "und die lustigsten oder die schönsten Namen herausgesucht. Der einzige österreichische Schispringer mit schönem Namen war Willi Pürstl." Einen eigenen Song hat der Vierschanzentournee-Sieger von 1974/75 dennoch nicht bekommen. Christoph: "Wie denn auch? Was reimt sich schon auf Pürstl?" Darauf Lollo: "Würstl."

Bei den ersten Konzerten saßen nur Punks mit ihren Hunden im Publikum

Schispringerlieder, meinen die beiden, das Thema abschließend, seien doch eher ein Nischenprodukt und die Leute, denen das gefalle, seien Freaks. Christoph ergänzt: "Bei unseren ersten Konzerten waren tatsächlich nur Punks mit Hunden."

So also funktionieren Christoph & Lollo. Und das seit zwanzig Jahren. Aufgewachsen sind die beiden im Schatten des Franz-Horr-Stadions in Wien-Favoriten. Christoph Drexler und Lorenz "Lollo" Pichler, beide 1977 geboren, trafen erstmals als Teenager in der Schule aufeinander. Man beteiligte sich mit Stimme und Gitarre an einer Projektwoche, man spielte in den üblichen, an den Beatles orientierten Schülerbands, man nahm mit unterschiedlichen Gruppen an Wettbewerben teil: "Lange Soli und lange Haare", erinnert sich Lollo. "Das ganze Programm. Aber es reichte nicht einmal für den Sieg beim Popodrom ."

Interessant wurde die Geschichte erst, als sich die Träume von der Rockstarkarriere verflüchtigt hatten und Alternativen gesucht werden mussten: "Ich las in einem Popheftchen", erzählt Lollo, "dass das Black-Lagoon-Studio in der Hornbostelgasse einen Open Recording Day veranstaltet, wo Bands hingehen können, um schnell eine Nummer aufzunehmen. Und dann kriegen die eine selbst gebrannte CD, wo ihr Lied darauf ist. Ich dachte mir: Ursuper! Ich hatte doch noch nie ein Tonstudio von innen gesehen." Er überredete seinen Kumpel Christoph mitzumachen, obwohl zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal ein eigenes Lied existierte. Christoph schlug vor, eines über den Schispringer Frantisek Jez zu schreiben. Lollo: "Und der Rest ist Geschichte."

Das Lied Lebkuchenherz , das dem tschechischen Adler gewidmet ist, besteht wie bei einer Punkband aus drei bis vier Akkorden. Im Refrain schwindelt sich noch eine zweite Stimme zur Melodie und macht den Sound ein wenig fetter. Diese schlichte Machart wurde zum Prototypen für das gesamte musikalische Œuvre der beiden. Das Debüt fand den Weg in die Gehörgänge der Humoristen Christoph Grissemann und Dirk Stermann, die damals vor allem als Radiokabarettisten auf FM 4 bekannt waren. Man beschnupperte sich gegenseitig, erkannte eine gewisse Geistes- und Mentalitätsverwandtschaft und ging ein Stück des Weges gemeinsam: Grissemann & Stermann ermunterten Christoph & Lollo, weitere Schispringerlieder zu schreiben, die dann in heavy rotation in ihren Sendungen gespielt wurden.

Mit ihrer monothematischen Sangeskunst erreichten Christoph & Lollo schnell ein Publikum, das weit über Punks mit Hunden hinausging. Aber das begehrte Nischenprodukt wurde bald zum Gefängnis. "Am Anfang dachten wir: Wir machen eine ganze CD nur mit Schispringerliedern, das ist vollkommen crazy" , sagt Christoph. "Dann dachten wir: Jetzt machen wir noch ein zweite, wir sind die ärgsten Hunde. Und dann: Wir machen noch eine dritte. So arg wie wir war noch nie jemand. Aber irgendwann wurde das langweilig."

Eine Häfenelegie über Karl-Heinz Grasser brachte den Durchbruch

Also lag eine Änderung der künstlerischen Agenda nahe. Lollo begann, Lieder über Feiertage zu schreiben: Weihnachten, Pfingsten, Aschermittwoch und Silvester. Attac bestellte ein Globalisierungslied, für einen Sampler entstand die Moritat vom Kriegsminister Theodor Graf Baillet de Latour, der in der Revolution von 1848 von empörten Bürgern in Wien an einer Laterne aufgeknüpft worden war. Dann im Jahr 2009 der große Knaller, ein derbes Couplet über den schönsten, klügsten und reichsten Finanzminister aller Zeiten, das fragte "Wann geht der Karl-Heinz endlich in den Häfen? Wann muss der Karli-Heinzi endlich in das Loch?"