1. Das Containerschiff

Die großen Frachter können den Hamburger Hafen nicht mehr ansteuern – dieses Argument für die Elbvertiefung wird sich als nichtig erweisen. Schon jetzt fahren die richtig großen Schiffe den Hafen an. Allein vergangenes Jahr waren das 410 Schiffe mit Kapazität für mehr als 10.000 Container. Auch das größte Schiff der Welt passt durch die nicht vertiefte Elbe, wenngleich nicht voll beladen und nur bei Flut. Außerdem ist der häufigste Gast in Hamburg ohnehin das mittelgroße Containerschiff. Es fasst zwischen 4000 und 5999 Container und kam im vergangenen Jahr 661 Mal.

2. Der Umweltschützer

Manfred Braasch wird schuld sein. Denn seine erfolgreiche Klage gegen die Vertiefung bedeutet Reederpleiten, Wirtschaftsabschwung, Kurzarbeit. Gut möglich, dass der Hamburger BUND-Chef für den Rest seines Lebens einen Leibwächter braucht. Taugliche Bodyguards kosten 1000 Euro pro Tag, plus Spesen. Braasch ist fünfzig. Als deutscher Durchschnittsmann hätte er also noch 20 Jahre zu leben. Vernachlässigt man, dass Braasch Vegetarier und Nichtraucher ist, macht das im günstigsten Fall 7,3 Millionen Euro für Personenschutz. Wie viele Schweinswale, Störche und Fledermäuse hätte er mit dieser Summe wohl retten können?

3. Der Bagger

Zwar gibt es auch ohne Elbvertiefung viel Arbeit für Odin: Denn die vom Fluss mitgerissenen Sedimente, die sich im Hafen absetzen, würden viele Zufahrten für Schiffe verstopfen, wenn man nicht fast täglich gegen sie anbaggerte. Aber so richtig losschaufeln, das können in Zukunft die Kinder am Watt von Otterndorf. Der Touristenort bei Cuxhaven hatte ebenfalls gegen die Vertiefung geklagt. Grund: Mit jeder Absenkung wird dort das Watt schmaler, die Deiche werden brüchiger und die Schiffswellen am Strand gefährlicher. Der Kinderschutzbund sah dennoch von einer Klage ab.

4. Die Küstenautobahn

Die Idee einer Küstenautobahn von Oldenburg bis zur A 20 bei Lübeck stammt aus einer Epoche, als der eigene Autobahnanschluss das ultimative Ziel jedes Gemeinderats war. Doch Wutbürger und Umweltverbände haben das noch immer verhindert, und bislang hat die "Küstenmagistrale" keiner so richtig gebraucht. Doch wenn die Schiffe ihre Waren wegen des flachen Wassers künftig nicht mehr nach Hamburg, sondern nach Bremerhaven und Wilhelmshaven bringen, schlägt für Lkw die große Stunde und damit endlich auch für die Autobahn.

5. Der Obstbauer

Die Branche steckt in der Krise – auch ohne Elbvertiefung. 2013 verkauften die Landwirte das Kilo Boskop-Äpfel für 60 Cent, dieses Jahr bekommen sie nur die Hälfte. Russland, der größte Apfel-Importeur weltweit, hat einen Einfuhrstopp verhängt. Gleichzeitig fahren die Bauern an der Elbe in diesem Herbst eine Rekordernte ein. Europa quillt über vor Äpfeln. Bleibt nur eines: Apfelbrand, der reift mindestens drei Jahre im Eichenfass. Bis dahin ist die Krise bestimmt vorbei.

6. Der Hafenlobbyist

Gunther Bonz ist ein Gewinnertyp und deshalb nicht nur Chef des Unternehmerverbands Hafen Hamburg, sondern auch Generalbevollmächtigter des Terminalbetreibers Eurogate. Der verfügt in Hamburg über 23 Containerbrücken. In den Konkurrenz- häfen Bremerhaven und Wilhelmshaven zusammen allerdings über 57. Knapp zehn Millionen Container könnte man damit verladen – theoretisch. Denn derzeit laufen die Reeder besonders Wilhelmshaven nur ungern an. Hamburg ist so viel schöner und bequemer. Aber das ändert sich ja jetzt.

7. Der Hafenkran

Feine Sache, so ein Kran, wie geschaffen zum Bungee-Jumping. Oder wofür auch immer. Den Hamburgern wird schon was einfallen, nun, da die Elbe flach bleibt und der Hafen als Hafen nicht mehr gebraucht wird. Übertrieben? Wahrscheinlich. Dass Hamburg ohne Elbvertiefung "sukzessive seine Drehkreuzfunktion verlieren" wird, sollen die Wirtschaftswissenschaftler erst mal beweisen. Und: Sollten wir wirklich einen Hafen zweiter oder dritter Klasse bekommen, dauert der Abstieg Jahrzehnte. Genug Zeit, um einen ordentlichen Freizeitpark zu bauen.

8. Der Nordseeschnäpel

Er gilt als Delikatesse – und äußerst unempfindliches Tier. Trotzdem steht er auf der Roten Liste und darf nicht gefangen werden. Zieht ein Fischer, natürlich rein zufällig, einen Nordseeschnäpel aus dem Wasser, schneidet er ihm einfach den Kopf ab und deklariert ihn als Ostseeschnäpel (Verzehr erlaubt). Unser Rezept für Schnäpel aller Art: Fisch in einem Sud aus Zwiebel, Lorbeerblättern und Piment 10 Minuten kochen. Fischwasser abgießen, mit Mehl und Milch sämig rühren. Gehackte Petersilie, Dill, Schnittlauch und etwas Butter hinzufügen. Kurz aufkochen lassen. Mit Kartoffeln servieren.