Am Wochenende hat der Chef des Bundeskartellamtes die Bürger in Deutschland mit einem menschlich weitreichenden Satz beglückt. Dr. Andreas Mundt, so heißt der Herr, hat gesagt, dass der umstrittene US-Fahrgastvermittler Uber eine tolle Sache sei und Bewegung in den erstarrten Taximarkt bringe.

Die Geschäftsidee des Unternehmens ist schnell erklärt. Uber bringt Menschen, die mit dem Auto von A nach B gelangen wollen, mit anderen Menschen zusammen, die diesen Job für ein kleines Handgeld gern erledigen. Einfach auf die süße App klicken, und brummedibrumm steht der persönliche Chauffeur vor der Tür. Bei handelsüblichen Taxifahrern löst das Rundum-sorglos-Paket naturgemäß keine Freude aus. Kutschierten sie bislang im fetten Mercedes auf der Sonnenseite des Lebens, so holpern sie bald auf dem Dreirad zum Jobcenter, wo ihre Kollegen schon warten und sich mit ihnen über die reizvolle Marktbelebung freuen. Danke, Uber, danke, Dr. Mundt.

Gerechterweise muss man sagen, dass der neue Fahrdienst verwöhnte Taxifahrer nicht nur arbeitslos macht, sondern ihnen auch einen alten Traum erfüllt: Sie haben endlich Zeit, ihr eigenes millionenschweres Start-up-Unternehmen zu gründen. Für Verlierertypen, die auch mit dieser einfachen Aufgabe überfordert sind, richtet das Bundeskartellamt am Tag des Barmherzigen Samariters unter Moderation von Thilo Sarrazin (Deutschland schafft sich ab) im Berliner Tiergarten einen Pfandflaschensammelwettbewerb zur Förderung des Wettbewerbsgedankens aus (Anmeldung bei Dr. Mundt unter 0228/94 99-555).

Wie vorab bekannt wurde, gestaltet sich das Festprogramm wie folgt: Nach dem Startschuss durch Herrn Dr. Mundt rennen arbeitslose Taxifahrer aus ganz Deutschland los und wühlen in überquellenden Abfalleimern nach verwertungsfähigen Pfandflaschen. Wer als Erster den goldenen Zieleinlauf passiert, hat verdient gewonnen und wird von Hans-Olaf Henkel (AfD) persönlich mit einer Premium-Champagnerdusche empfangen (unterwegs verlorene Pfandflaschen können leider nicht berücksichtigt werden). Bei der Siegerehrung singt der Firmenchor von Uber unter dem Gastdirigat von Rainer Brüderle unfallfrei Roy Blacks Erfolgsschlager Schön ist es, auf der Welt zu sein. Nach dem harmonischen Ausklang des Festes erklärt sich Uber bereit, die siegreichen Pfandflaschensammler preisgünstig nach Hause zu fahren. Und in Berlin, da lallt es lange noch: "Uber, Uber lebe hoch!"

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio