Ein alleinerziehender Vater erzählt, wie er bei der Polizei Karriere macht – obwohl er nur Teilzeit arbeiten kann.

Ein Journalist, der für die Brigitte schreibt, schildert seine gemischten Gefühle zu Beginn seiner Elternzeit.

Ein Tierarzt, der im Frühjahr von einer Großbäckerei als "Spitzenvater des Jahres" ausgezeichnet wurde, beschreibt seinen Alltag mit zwei kleinen Kindern. Und eine der mächtigsten Frauen der Welt sitzt daneben und hört aufmerksam zu: die Bundeskanzlerin.

Ein Vormittag im September, vor dem Kanzleramt schlendern Touristen durch die Spätsommersonne, drinnen empfängt Angela Merkel acht Besucher, die sich mit den Herausforderungen des Mannseins auskennen: Repräsentanten von Männerverbänden, engagierte Väter, Personalexperten aus familienfreundlichen Betrieben. Die Nachrichten an diesem Tag werden von Meldungen aus der Ukraine und dem Nordirak beherrscht, das Regierungsviertel brodelt angesichts der Weltkrisen, die Besucher haben eigentlich damit gerechnet, dass der Termin platzt. Doch die Kanzlerin hat sich volle neunzig Minuten Zeit genommen und stellt nun viele Fragen. Sie sagt, mit der Quote und der Förderung von Frauen allein komme man auch nicht weiter bei der Gleichstellung. Es sei an der Zeit, sich um die Männer zu kümmern.

Angela Merkel hat registriert, dass die Stimmung im Land schnell gereizt wird, sobald es um die Verteilung von Macht, Geld und Einfluss zwischen den Geschlechtern geht. Bei drei Landtagswahlen in Ostdeutschland hat sich die Alternative für Deutschland erfolgreich mit Sprüchen gegen Frauenquoten und Gender-Debatten profiliert und auch damit zweistellige Ergebnisse erzielt.

Auf den Podien sah man viele alte Männer, die konservative Biografien verteidigten – auch ihre eigenen. Viele junge Männer applaudierten, und Frauen aus der Jugendorganisation der AfD posteten in einer Kampagne Bilder von sich mit Slogans wie "Ich bin keine Feministin, weil mein Mann mein Fels in der Brandung ist". Bei den Landtagswahlen wählte jeder zehnte Mann zwischen 18 und 29 Jahren die AfD, aber nur jede zwanzigste junge Frau. Und auch bei den älteren Wählern lag der Frauenanteil nur bei etwa dreißig Prozent, er ist niedriger als in jeder anderen Partei.

Besonders ungebremst tobt sich die Männerwut in Internetforen aus, bei MANNdat oder WikiMANNia, Auf diesen Seiten wird polemisiert gegen "Schreckschrauben", die "keinen abbekommen" oder "Familien zerstören". Es werden Studien zitiert, wonach Frauen angeblich öfter Gewalt gegen Männer anwenden als umgekehrt, und selbst der Frauenfußball wird bemüht als Beleg für eine neue Benachteiligung von Männern. Die öffentlich-rechtlichen Anstalten, so die Klage, berichteten unverhältnismäßig oft über diese "Randsportart".

WikiMANNia sammelt solche Vorwürfe unter der Überschrift "Frauen sind nicht das unterdrückte, sondern das subventionierte Geschlecht". Die Frauenbewegung der siebziger und achtziger Jahre, so die Klage, habe mit der Zeit einen "Staatsfeminismus" etabliert, vertreten durch unzählige Gleichstellungsbeauftragte und Gender-Professorinnen, die nun einseitig Frauen unterstützten.

Er müsse oft an die achtziger Jahre denken, als Frauen plötzlich Buchläden eröffneten, zu denen Männer keinen Zutritt hatten, sagt Dietmar Nicolai Webel vom Verband Väteraufbruch. Heute schafften die Männer sich neue frauenfreie Nischen, in denen sie ihrem Unmut über Feministinnen und Gleichstellungspolitik Luft machten.

In einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach erklären zwei Drittel der befragten Männer, es reiche ihnen langsam mit der Gleichberechtigung. Jede dritte männliche Führungskraft der Chemiebranche klagt – in einer anderen Untersuchung – über die negativen Folgen der Frauenförderung für die eigene Karriere. Die Hälfte der befragten Manager sieht ihre beruflichen Aufstiegschancen schwinden, wenn die Politik weiterhin versuche, Frauen den Marsch an die Spitze zu erleichtern. Die Wirtschaftswoche verzierte eine Titelgeschichte über die Frauenquote mit dem verballhornten Zeichen für Männlichkeit: einem Kreis mit nach unten weisender Pfeilspitze, die an einen abgeknickten erigierten Penis erinnert. Die "Diskriminierung", schreibt das Magazin, habe nach dem öffentlichen Dienst und den Hochschulen nun auch die Wirtschaft erreicht.

Die Wirtschaftswoche meint damit: die Diskriminierung von Männern.

"Jetzt erleben Manager in der Blüte ihrer Jahre, was ihre Söhne an den Schulen schon tagtäglich mitmachen: Die herrschende Pädagogik fördert Mädchen; Eigenarten der Jungs werden als Verhaltensauffälligkeit behandelt", erklärt die Wirtschaftswoche. Ein paar Monate später legten die Journalisten nach: Es kursierten viele Meldungen über Frauen, die in die Vorstände großer Konzerne aufgestiegen waren und nach kurzer Zeit wieder gingen: Regine Stachelhaus vom Energieriesen E.on, Marion Schick von der Telekom, Barbara Kux und Brigitte Ederer von Siemens. Jetzt bemerkte das Magazin hämisch, Karriere sei eben "kein Ponyhof". Das würden nun endlich auch die Frauen verstehen, die bisher glaubten, der Staat werde ihnen jeden Weg freiräumen.

Und nun soll auch noch die gesetzliche Frauenquote kommen.

Zunächst geht es dabei bloß um zwei- bis dreihundert Jobs in ganz Deutschland. Die Quote, die das Kabinett im November beschließen soll, zielt auf alle Neubesetzungen in Aufsichtsräten von 2016 an. Sie soll den Anteil der Frauen dort allmählich auf 30 Prozent erhöhen. Keine große Sache, könnte man meinen. Diese feste Zielgröße betrifft schließlich nur etwa 120 Unternehmen. Und Konzerne, die für ihre Aufsichtsräte keine passenden Frauen finden, haben wenig zu befürchten: Sie müssen ihre Kontrollgremien notfalls verkleinern. Das Gesetz sieht nämlich nur vor, dass sie frei werdende Posten nicht an Männer geben dürfen, bevor das Quotenziel erreicht ist. Finden Sie keine Frauen, können sie aber Positionen einfach nicht besetzen. In Frankreich war selbst die konservative Sarkozy-Regierung rigoroser: Wird die Quote nicht erreicht, sinken die Vergütungen für die Aufsichtsräte.

Allerdings soll in Deutschland gleichzeitig der Druck auf kleine und große Unternehmen steigen, den Frauenanteil im mittleren Management zu erhöhen. Davon wären 3500 weitere Unternehmen betroffen und damit deutlich mehr Führungsposten. Das Tempo sollen die Unternehmen zwar selbst festlegen, aber das geplante Gesetz würde sie zwingen, sich selbst Ziele zu setzen und diese öffentlich zu dokumentieren. In der Folge müssten die Betriebe dann Auskunft darüber geben, ob sie im Plan liegen. Oder: warum sie nichts oder wenig erreicht haben. Diesen sanften Druck nennt man "Flexiquote".

Ziemlich harmlos wirkt auch das Ziel für die öffentlichen Unternehmen und Behörden – es soll schließlich nur gelten, was fast wortgleich schon seit 1994 im Gleichstellungsgesetz steht: Der Anteil weiblicher Chefs soll auf 30, von 2018 an sogar auf 50 Prozent steigen. Neu ist nur der Zeitplan. Strafen für Verstöße sind nicht vorgesehen.

Es droht also kein Gesetz, das wirklich viele Männerkarrieren verändern könnte. Trotzdem ist die Quote unbeliebt. Eine Allensbach-Untersuchung ergab, dass nur 18 Prozent aller Deutschen sie wollen. Forscher vom Wissenschaftszentrum Berlin haben gezielt junge Männer und Frauen unter dreißig nach der Quote gefragt – in dieser Altersgruppe fanden immerhin 62 Prozent der Frauen die Quote richtig, aber nur 36 Prozent der Männer.

Manager sind noch skeptischer, wie die Fachhochschule Ludwigshafen gerade in einer großen Führungskräfte-Studie ermittelte: Gerade einmal 17 Prozent sind für feste Frauenquoten.