Der sogenannte Newsletter ist als literarische Form nie besonders aufgefallen. Er gehört zu den Abfallprodukten elektronischer Kommunikation, und für so etwas wurden Spam-Ordner eingerichtet. Allerdings dürften darin bei manchen traurigerweise auch die Mitteilungen landen, die Gereon Klug seit Jahren verfasst und die nun zum Glück als Buch vorliegen: Low Fidelity – Hans E. Plattes Briefe gegen den Mainstream. Klug ist der Chef des Hamburger Schallplattenladens Hanseplatte, und er verschickt Werbemails über neue Alben und Künstler, obwohl es um die nur am Rande geht. "Liebe Insassen der Voliere Erde", "Lieber edler Milchschaum auf der trüben Menschenbrühe" oder einfach "Ey!" – so beginnt Klug seine Ansprachen an die "sweeten Kunden", vor denen er wöchentlich entgrenzte Anekdoten über die "läppischsten Tage in der Besteckschublade des Lebens" ausbreitet. Seine Wortartistik arbeitet mit einem schier unerschöpflichen Arsenal aus Pointen, Volten, Imperativen und Parodien des allgegenwärtigen Konsumgequatsches.

Klug dichtet Kochbücher um, erstellt Listen von "verworfenen Slogans" ("Hanseplatte, teurer als Saturn, aber kleiner!") – eine brachiale Feier der Ab- und Ausschweifung und des heiligen Blödsinns, in der Betreffzeilen auch "Post von Gott" lauten können, wenn nicht sogar müssen. Kurzum: ein Höhepunkt des E-Mail-Zeitalters.