Der Ruß legte sich auf Hände und Gesichter, er färbte in den Restaurants von Övelgönne das Essen schwarz, als hätte der Kellner zu viel Pfeffer verstreut, er ließ im Altonaer Krankenhaus den Rauchmelder anspringen. Ein hässlicher Unfall war es, gewiss, als der Containerfrachter Yang Ming Utmost am Wochenende die Stadt einräucherte, ein Einzelfall in dieser extremen Ausdünstung. Doch er lenkt den Blick auf ein Problem, das viele Hamburger umtreibt: Was aus den Schornsteinen der Schiffe in die Atemluft steigt, ist leider auch im Jahr 2014 noch eine gewaltige Zumutung.

Für Autos und Lkw gelten längst strenge und immer strengere Vorschriften, gerade tritt die neue Abgasnorm Euro-6 in Kraft. Die großen Schiffe fahren ebenfalls bis fast in die Hamburger Innenstadt, sie legen unweit von Wohnungen an, doch ihre Abgase gelten vielen in der Branche quasi als naturgegeben. Wobei es in Wirklichkeit vor allem das Gesetz der freien Marktwirtschaft ist, das die Luftqualität in Hamburg diktiert: Wer als Reeder in harter Konkurrenz steht, will so billig sein wie möglich. Der verfeuert in seinen Maschinen den klebrigsten Treibstoff, solange es erlaubt ist. Der spart an Rußfiltern, weil die anderen auch keine haben. Der lässt im Hafen die Motoren seiner Kreuzfahrtschiffe laufen, weil ein Stromanschluss nur zusätzliches Geld kostet.

Die Politik, auch die in Hamburg, hat es den Reedern bislang viel zu einfach gemacht, die Luft zu belasten. Warum zum Beispiel wird der erste Landstromanschluss für Kreuzfahrtschiffe in Hamburg erst im Jahr 2014 gebaut, während Städte in den USA längst strenge Regeln erlassen haben? Wer am Altonaer Balkon steht und in die Abgasfahnen schaut, der hört viele Hamburger klagen über die stinkenden Riesen. Wenn die Schiffe nicht sauberer werden, droht der Ruf einer ganzen Branche in Seenot zu geraten.