Es herrscht Hochbetrieb im Studierendensekretariat der Brandenburgischen Technischen Universität in Cottbus (BTU), es ist Ende September, die letze Phase der Einschreibungsfrist für das Wintersemester läuft; nichts Ungewöhnliches eigentlich. Doch an den Formularen, die die künftigen Erstsemester ausfüllen, sieht man, dass die BTU eben doch keine gewöhnliche Uni ist: In Cottbus müssen sich die Studenten seit Neuestem zwischen "anwendungsbezogenen" und "universitären" Studiengängen entscheiden.

Der Grund: Hinter der Fassade der Universität in der Lausitz steckt ein heikles und noch ziemlich wackeliges Konstrukt. Denn die BTU Cottbus-Senftenberg – das sind eigentlich zwei Hochschulen. Vor einem Jahr wurde sie aus der Technischen Universität in Cottbus, der alten BTU, und der Fachhochschule Lausitz zusammengesetzt. Es war eine schwierige Geburt. Vor allem die BTU wehrte sich mit allen Mitteln gegen eine Fusion mit der Fachhochschule, es gab Protestmärsche, Unterschriftenaktionen, Klagen vor dem Bundesverfassungsgericht. Doch die Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur in Brandenburg, Sabine Kunst, blieb hart und zog die Fusion gegen alle Widerstände durch. "Es gab damals an beiden Standorten Doppelstrukturen", sagt sie. "Rund ein Drittel des Angebots an der Hochschule Lausitz und der alten BTU hat sich überschnitten." Da könne man beide Hochschulen besser gleich zusammenlegen, fand Kunst damals.

Damit hat die parteilose Wissenschaftsministerin in Brandenburg ein hochschulpolitisches Experiment gewagt. Dass eine Universität und eine Fachhochschule fusionieren, gab es bisher nur in Lüneburg, wo aus der Universität Lüneburg und der Fachhochschule Nordostniedersachsen die Leuphana-Universität entstand. Schon bald könnten Cottbus und Lüneburg mit ihren Hybridhochschulen aber nicht mehr allein sein. Zahlreiche Wissenschaftsminister haben ganz genau beobachtet, wie diese Experimente laufen, und arbeiten an eigenen Fusionsplänen.

Das liegt zum einen daran, dass Unis und Fachhochschulen sich in den vergangenen Jahren immer ähnlicher geworden sind. Seit der Bologna-Reform und der Umstellung auf Bachelor und Master vergeben beide die gleichen Abschlüsse. Auch die alte Einteilung – hier die forschungsstarken Universitäten, dort die praxisorientierten Fachhochschulen – passt nicht mehr. "Einige Fachhochschulen schneiden in den Rankings der Deutschen Forschungsgemeinschaft inzwischen besser ab als Universitäten", sagt Thomas Grünewald, der als Beauftragter des Wissenschaftsministeriums die Fusion in Cottbus begleitet hat und gerade zum Staatssekretär im nordrhein-westfälischen Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung ernannt wurde. In einigen Bundesländern sollen Fachhochschulen sogar das Promotionsrecht bekommen. Häufig konkurrieren FHs und Unis inzwischen um die gleichen Studenten, Professoren und Drittmittel.

Viele Wissenschaftsminister stellen sich deswegen die Frage: Brauchen wir überhaupt noch beide? Vor allem, wenn das Geld eigentlich nur noch für eine reicht?

Klar ist: Der Tabubruch, den Sabine Kunst in der Lausitz gewagt hat, hat viele Denkverbote beseitigt. Plötzlich scheint alles möglich.

Auch in Flensburg ahnt man daher schon wieder Böses. Schon seit 14 Jahren kursieren im Wissenschaftsministerium von Schleswig-Holstein Pläne, die Universität Flensburg mit der Fachhochschule zusammenzulegen. Zuletzt schlug der Universitätsrat Schleswig-Holstein 2009 vor, Uni und FH zu fusionieren und als Universität neu zu gründen. Umgesetzt wurde der Plan bis jetzt nicht. "Momentan steht eine Fusion nicht auf der Tagesordnung", sagt Werner Reinhart, Präsident der Universität Flensburg. Die Landesregierung scheint sich erst mal damit zufrieden zu geben, dass Uni und FH bei einzelnen Studiengängen kooperieren. Doch auch Reinhart hat das Experiment in Cottbus beobachtet und weiß: Die Fusionsidee könnte schon bald wiederkommen. Schließlich hat auch die von Kiel beauftragte Wissenschaftliche Kommission Niedersachsen in einem Gutachten 2012 die Fusion weiterhin als Option bezeichnet.

Aber ist es wirklich eine gute Idee, Fachhochschulen und Universitäten zusammenzubinden? Und lässt sich damit dann tatsächlich Geld sparen? Kurzfristig sicher nicht, denn Uniprofessoren sind teurer, günstiger wird es nur, wenn langfristig Personal abgebaut wird.

In Cottbus hat die Fusion von Uni und FH erst mal dazu geführt, dass das Land Brandenburg mehr ausgeben muss. Gerade hat das Wissenschaftsministerium den Finanzrahmen für die neu gegründete Universität festgelegt. Bis 2018 bekommt die BTU Cottbus-Senftenberg jedes Jahr 82 Millionen Euro. Die alte BTU und die Hochschule Lausitz hatten das Land zusammen nur 66 Millionen gekostet. Die 16 Millionen, die das Land zusätzlich bereitstellt, sind laut Ministerin Kunst eine Art Übergangshilfe. Damit sollen Umzugskosten und Ausgaben für die Neuorganisation der Universität abgedeckt werden.