Wer erinnert sich noch an den preisgekrönten Hollywoodfilm Brokeback Mountain, an die zärtliche Romanze zwischen zwei männlichen Cowboys aus Wyoming, die keine Zukunft hatte? Heute brauchten sich die beiden ihrer Liebe nicht mehr zu schämen. Sie fänden in Amerika sogar viele Orte, wo es ihnen erlaubt wäre zu heiraten.

In dieser Woche hat der Supreme Court, Amerikas Oberstes Gericht, entschieden, nicht zu entscheiden. Die neun Richter lassen gewähren, was sich – mit dem Segen vieler unterer Gerichte – nicht nur in den großen Städten, sondern ebenso in den Weiten der Prärie und den Tälern der Rocky Mountains allmählich durchsetzt: dass Schwule und Lesben heiraten dürfen. Dass sie wie Heteros den Bund der Ehe eingehen können und sich nicht mehr, wie etwa noch in Deutschland, mit einer "eingetragenen Partnerschaft", also mit einem rechtlich minderen Status begnügen müssen.

Stimmt die alte Weisheit, dass Umwälzungen in der Neuen Welt irgendwann auch den alten Kontinent erfassen, wird es hierzulande ebenfalls bald vorbei sein mit der Diskriminierung gleichgeschlechtlicher Lebensbünde. Die Einwände, dass die "Homo-Ehe" die traditionelle Ehe unterwandere und überdies den Kindern schade, waren sowieso schon immer abwegig und sind längst hundertfach wissenschaftlich widerlegt.

Die kleine amerikanische Revolution geschah nicht über Nacht. Den Anfang machte vor zehn Jahren der Bundesstaat Massachussets, dessen oberstes Gericht es für verfassungswidrig erklärte, dass nur Heteros heiraten durften. Das Urteil empörte damals viele Amerikaner, sie riefen die Gerichte an, organisierten Volksbefragungen. Einige Bundesstaaten schrieben daraufhin in ihre Verfassung, dass die Ehe nur zwischen Mann und Frau statthaft sei.

Doch nach und nach verwarfen die Gerichte dieses Diktum, und dank der Erfahrung mit den neuen Lebens- und Partnerschaftsformen schwenkte auch die Volksmeinung um. Heute plädiert eine Mehrheit der Amerikaner für die Gleichstellung, in 30 Bundesstaaten sind schwule und lesbische Ehen erlaubt.

Ausgestanden ist die Sache trotzdem nicht. Denn irgendwann könnte ein Bundesgericht den Gegnern der "Homo-Ehe" Recht geben – und der Supreme Court würde doch noch entscheiden müssen. Bis dahin aber werden Millionen Schwule und Lesben geheiratet und Kinder adoptiert oder gezeugt haben. Ein Zurück wird es dann nicht mehr geben.