Wahrscheinlich ist es müßig, sich mit der Imagewerbung des Hamburger Stadtmarketings zu beschäftigen. Aber nachdem selbst der Erste Bürgermeister, der dem Aufsichtsrat der Hamburg Marketing GmbH vorsitzt, das Werbefilmchen im Internet feiert, das es innerhalb von 72 Stunden auf über hunderttausend Klicks brachte, lohnt sich vielleicht doch ein schüchterner Seitenblick. Das schick fotografierte Elaborat (Elbe und Alster, Balletttänzer und Surfer) beruht auf einem Gedicht des Hamburger Hip-Hoppers Dennis Lisk, dem Publikum besser als Denyo bekannt, und beginnt mit der rätselvollen Zeile "Hamburg ist die Hälfte von zwei".

Es ist nicht ganz sicher, ob es sich dabei auch um den Titel des Videos handelt; auf YouTube findet man es jedenfalls leichter unter dem Stichwort HamburgAhoi, und das erzeugt schon entschieden mehr Sinn. In Hamburg ist generell viel Ahoi; es gibt ein Ahoi Gästehaus, einen Neujahrsempfang Ahoi, das Webportal ahoi der HafenCity Universität, eine Ahoi Media Gmbh (mit den befremdlich kombinierten Schwerpunkten Bühnenprojektion, Dokumentarfilm, Eventvideo), dann das Stadtmagazin Hamburg Ahoi, das derselben Marketinggesellschaft zuzuordnen ist, die besagtes Filmchen produziert hat, und schließlich, nicht zu vergessen, die Ahoi Events.

Das ist eine Agentur, die sich um die Organisation von öffentlichen Großereignissen kümmert, zu denen stadtspezifisch vor allem gesperrte Straßen, Imbissbuden und -zelte gehören. Vielleicht ist es den meisten Hamburgern gar nicht bewusst, dass sie mit ihrer Straßenverzehrkultur einen Spitzenplatz in Deutschland belegen; Hamburger lieben ja ihre Stadt und verlassen sie deshalb nur selten. Allen diesen, denen darum der Vergleich fehlt, sei gesagt, dass es in München, Stuttgart, Köln oder Berlin keineswegs so verschwenderische Gelegenheit zur ambulanten Nahrungsaufnahme gibt – und schon gar nicht in so festlichem Rahmen (sondern eher in schmuddeligen Randgebieten).


Und hier muss nun auch etwas genörgelt werden. Die rätselhafte Auftaktformulierung ist zwar mit ein bisschen Mathematik leicht zu knacken – was ist die Hälfte von zwei? Natürlich eins! Und der nächste Vers spricht es auch unumwunden aus: Hamburg ist "die Schönste, die Nummer eins, das Gelbe vom Ei". Aber ausgerechnet das, womit die Stadt wirklich einen ersten Platz belegt, nämlich die Imbissbude, kommt in dem Film gar nicht vor. Hafen, ja, Elbe auch, Blankenese, bitte schön, das mag alles signifikant sein, aber schon bei dem ausgiebig gezeigten Ballett fragt man sich doch, ob in dieser Kunst nicht Stuttgart zum Beispiel seit Jahrzehnten höhere Anerkennung erstritten hat.

Das Video beweist durchgängig eine gewisse Unsicherheit über die Alleinstellungsmerkmale der Stadt. Die Hochbahn mag eine tolle Sache sein, gewiss; aber leider hat auch Berlins U-Bahn beachtliche Hochbahnstrecken. Erst recht gilt Austauschbarkeit bei der niedlichen Französischen Bulldogge (die sogar auf einem Surfbrett zu sehen ist, wo sie sich bestimmt nicht wohlfühlt) und der noch niedlicheren Latina, die immer mal wieder durchs Bild läuft: Hübsche Frauen gibt es überall, und erst recht in Lateinamerika.