Das erstaunliche Zutrauen von jungen Männern (und auch Frauen) zur Terrortruppe IS, also die Wandlungsfähigkeit von Leuten, die sich eben noch mit Hip-Hop und anderen westlich geprägten Lebensstilen identifizieren konnten, heute aber schon an den unglaublichsten Barbareien beteiligt sind, rührt vielleicht auch von den modischen Signalen her, die die Dschihadisten aus dem Irak und Syrien an die Jugend der Welt senden.

Wohl der umstandslosen Gemeinschaftsstiftung wegen sind sie in Fragen der (zumindest für Männer gültigen) Kleiderordnung nämlich viel weniger orthodox, als man zunächst denken könnte. Turnschuhe, bedruckte T-Shirts oder genauso jugendlich wirkende Camouflageklamotten stehen offenbar bei den Gotteskriegern weit höher im Kurs als traditionelle Kaftane.

Außerdem hat sich auch herausgestellt, dass einige der von manchen deutschen Jugendlichen nun heiß verehrten IS-Terroristen noch gestern Goldkettchen-Rapper waren, die in London oder Kairo im Radio gespielt wurden.

Noch nichts ist allerdings darüber bekannt, ob sich die Terroristen parfümieren und welche Duftmarke sie in diesem Fall bevorzugen. War es an der Süddeutschen Zeitung, diese Wissenslücke zu füllen? Ihr Magazin vom vorigen Donnerstag ist in dieser Hinsicht jedenfalls unfreiwillig sehr aufschlussreich.

Dies zu bemerken ist zumindest einfacher als früher, da man beispielsweise die Schallplatten der Beatles noch rückwärts abspielen musste, um die vermeintlich satanischen Botschaften zu vernehmen, die sich eventuell in den Songs versteckten. Diesmal genügt es, das Heft aufzuschlagen und so vor sich hinzulegen, dass Vorder- und Rückseite zugleich zu sehen sind, also das Titelbild rechts liegt. Für jeden, den das dann zutage tretende Tandem schwarzer Männer nicht auf Anhieb verstört, kommt dann wohl jede Hilfe zu spät.

Auf der einen Seite: der in einen schwarzen Kapuzenpullover gehüllte Erhan A. aus Bayern – man sieht den Rücken eines jungen Mannes, auf dem, als handele es sich um ein unter Skateboardern geläufiges Markenornament, das islamische Glaubensbekenntnis prangt. Auf der anderen Seite: ein junger Mann im Halbprofil. Dass sein Vollbart nicht ganz so fusselig ist wie der von Erhan A., wird durch die Farbgebung und den Namen auf dem Parfumflakon aufgewogen, für das hier geworben wird. Auf mattem IS-Schwarz prangt in goldenen Lettern die Marke des Männer-Duftwassers aus dem Hause Bulgari: Man in Black.

In dem Interview, das Erhan A. dem Magazin gegeben hat, begeistert er sich für die Enthauptung von Journalisten, verheißt dem Islamischen Staat eine große, weltumspannende Zukunft und gibt auch sonst allerhand Ungeheuerliches von sich. Deshalb ist er nun festgenommen und in eine bayerische Abschiebehaftanstalt verbracht worden. Sollte er nach dem Wunsch der Bayern in die Türkei ausgeflogen werden, dürfte er nach den üblichen Verfügungen einen 100-Milliliter-Flakon des Parfums Man in Black im Handgepäck mit sich führen.

Wir Daheimgebliebenen werden dann aber überall weitere schwarze Männer entdecken. Denn die Verschränkung von Pop, Kommerz und Terror ist auch ein Attentat auf die Unschuld der Bilder, die nie wieder so leicht wie bisher durch die Sphäre der freien Zeichen und der Mode schweben werden.