DIE ZEIT: Wie viel kostet es, bei Ihnen ein Fachbuch zu leihen?

Marieke Otto: Die Preise sind gestaffelt – für einen Monat bezahlt man beispielsweise 25 Prozent des Kaufpreises, für fünf Monate 60 Prozent. Und sobald ein Mieter mit seinen Mietzahlungen den Buchhandelspreis erreicht hat, geht das Buch einfach in seinen Besitz über.

ZEIT: Bibliotheken sind um einiges günstiger.

Otto: Ja, aber dort sind Fachbücher nie in ausreichender Menge vorhanden.

ZEIT: Was hat Sie auf die Idee gebracht, den Vermietungsservice CampusRitter zu gründen?

Otto: Ich musste gegen Ende meines Studiums feststellen, dass alle Bücher, die ich für die Abschlussprüfung aufgehoben hatte, veraltet waren. Bis dahin war ich überzeugt gewesen, dass zumindest Jurastudenten einen Grund haben, sich jedes Fachbuch selbst zu kaufen, weil sie damit nicht nur für einen Schein lernen, sondern auch noch für das Examen. Aber mit veralteten Büchern zu lernen, bringt nichts. Rückblickend ist es viel logischer, die Bücher genau so lange zu besitzen, wie man sie tatsächlich braucht.

ZEIT: Man kann sie ja auch selbst verkaufen ...

Otto: Natürlich, aber das ist aufwendiger.

ZEIT: Wie viele Bücher liegen in Ihrem Lager?

Otto: Wir haben kein großes Lager. Die allermeisten Bücher sind unterwegs, oder wir verkaufen sie schnell wieder. Unser Anspruch ist es, deutschlandweit jedes verfügbare Fachbuch in der aktuellsten Auflage zu liefern.

ZEIT: Gibt es eine Bestsellerliste für die am meisten nachgefragten Bücher?

Otto: Noch nicht, die Nachfrage ist sehr bunt. Aber vielleicht ändert sich das nächstes Jahr, wenn unsere Kundschaft hoffentlich auf 2.000 bis 3.000 angewachsen ist.

ZEIT: Ich stelle mir Studenten ja als eine furchtbar unzuverlässige Klientel vor, der man ständig Mahnungen schicken muss.

Otto: Wir haben noch keine negativen Erfahrungen gemacht. In den USA gibt es das Konzept der Fachbuchvermietung schon seit vielen Jahren, und dort ist der bislang schlimmste Schaden wohl nur durch eine Banane entstanden, die eine Studentin aus Versehen bei der Rücksendung mit eingepackt hat. Die Leute sind extrem zuverlässig und freuen sich einfach, dass sie viel Geld sparen können. Wir verlangen auch keine Strafzahlungen. Das Schlimmste, was einem Mieter bei Verlust oder starker Beschädigung des Buches passieren kann, ist lediglich, dass er die Differenz zum Neupreis zahlen muss.

ZEIT: Ist es eigentlich nicht ein bisschen old school, noch auf gedruckte Bücher zu setzen?

Otto: Wir haben das E-Book im Blick und werden uns darauf einstellen, wenn die Nachfrage steigt.