In der Debatte über die Herausforderungen der Medienbranche offenbart sich ein Paradox. Gerade in den Zerfallsszenarien steckt nämlich auch die Grundlage für die berechtigte Hoffnung auf einen glimpflichen Ausgang der Krise. Wer beschreiben kann, was schief läuft, besitzt auch eine Vorstellung davon, wie es eigentlich laufen müsste. Daraus können Konturen der digitalen Medienzukunft entwickelt werden. Denn der digitale Strukturwandel der Öffentlichkeit eröffnet publizistisch immense Chancen: Niemals war es so einfach, sich im gesellschaftlichen Gespräch zu Wort zu melden. Niemals zuvor stand so viel Wissen so leicht zugänglich zur Verfügung. Und niemals zuvor haben Redaktionen so viele Leserinnen und Zuschauer erreichen können.

Diese Entwicklungen sind nichts, was gesellschaftlich zur Disposition stünde, Rahmen und Umfang der ihnen zugrunde liegenden Digitalisierung sind es aber sehr wohl. Bezüglich dieses Rahmens bedarf es einer Verständigung: Aus den vielen individuellen Meinungsäußerungen muss auch eine gesellschaftlich relevante öffentliche Meinung werden können.

Es braucht Regeln für die Plattformen, Suchmaschinen und Social-Media-Angebote, die immer wahrnehmbarer als sichtbare Medienmarken zwischen die klassischen Anbieter von Inhalten und das Publikum treten. Und aus Reichweite sollten auch Geschäftsmodelle entstehen können. Dass das gelingen kann, zeigen die Erfolge der Musikwirtschaft mit Streamingmodellen wie Spotify.

Als Standort marktprägender Medienunternehmen steht Hamburg vor einer historischen Aufgabe. Es geht um die digitale Transformation erfolgreicher Medienangebote, die Start-ups genauso selbstverständlich leisten müssen wie die großen, etablierten Verlagshäuser und Rundfunkanbieter.

Die digitale Transformation: Eine Aufgabe, wie für Hamburg gemacht

Kaum ein Medienstandort in Europa ist so breit aufgestellt und verfügt über so viele bedeutsame Medienmarken wie Hamburg – von der Musik- und Filmwirtschaft über Verlage und Rundfunk bis hin zu Agenturen, Digitalfirmen und Spieleentwicklern. Nirgends in Deutschland arbeiten Unternehmen der Kreativwirtschaft so profitabel wie hier.

Zusammengenommen bilden die 28 000 Unternehmen der Medien- und Digitalbranchen mit ihren rund 110 000 Beschäftigten aber nicht nur einen wichtigen Teil der Hamburger Ökonomie, sie tragen auch erheblich zum Selbstbewusstsein der Stadt bei. Und sie gewährleisten einen wesentlichen Teil der demokratischen Infrastruktur unseres Landes – von der größten Wochenzeitung über die wichtigste Fernsehnachrichtensendung bis hin zur größten Suchmaschine. Damit haben wir alle Voraussetzungen, um die digitale Transformation zu bewältigen und zugleich neue Geschäftsmodelle auszuprobieren. Das ist eine Aufgabe wie für Hamburg gemacht.

Was jetzt gefragt ist, sind neue Partnerschaften und das Miteinander verschiedener Anbieter und Kompetenzen zwischen Inhalten und Technologie. Wie Wertschöpfung unter diesen Bedingungen aussehen kann, diskutieren Hamburger Unternehmen seit Anfang 2013 in der regionalen Arbeitsgruppe "Content & Technology". Die Ergebnisse werden beim IT-Gipfel der Bundesregierung vorgestellt, der in diesem Monat in Hamburg stattfindet.