An einem dunklen, regnerischen Abend saß die Familie rings um den Verandatisch und putzte Pilze. Der ganze Tisch war mit Zeitungspapier bedeckt, die Petroleumlampe stand in der Mitte. Die Ecken der Veranda lagen im Schatten. Plötzlich klopfte jemand leicht an die Fensterscheibe. Gleich darauf trat Tooticki, ohne abzuwarten, auf die Veranda und schüttelte ihren Regenmantel aus. Dann hielt sie die Tür auf und rief lockend in den Regen hinaus: "Komm, komm." – "Wen bringst du denn da mit?", fragte Mumin. "Das ist Ninni", sagte Tooticki. Sie hielt immer noch die Tür auf und wartete. Niemand kam. "Na gut", sagte Tooticki. "Wenn sie schüchtern ist, kann sie ja draußen bleiben." – "Aber wird sie denn nicht nass?", fragte die Muminmutter. "Ich weiß nicht, ob das besonders viel ausmacht, wenn man unsichtbar ist", antwortete Tooticki. Sie kam an den Tisch und setzte sich hin.

"Ihr wisst ja, manche Leute werden leicht unsichtbar, wenn man sie oft genug erschreckt", sagte Tooticki. "Diese Ninni, die ist von einer Tante erschreckt worden. Die Tante hatte Ninni zu sich genommen, ohne sie gern zu haben. Ich hab die Tante getroffen, sie war schrecklich. Eiskalt und ironisch." – "Was ist das – ironisch?", fragte Mumin. "Nun, stell dir mal vor, du stolperst über einen klebrigen Pilz und landest mitten in den bereits geputzten Pilzen", sagte Tooticki. "Das Natürliche wäre, dass deine Mutter sich ärgert. Aber nein, das tut sie nicht. Stattdessen sagt sie kalt und vernichtend: "Ich verstehe, dass dies deine Auffassung von Tanzen ist, aber ich wäre dankbar, wenn du es nicht im Essen tun würdest." So ungefähr."

"Pfui, wie scheußlich", sagte Mumin. "Ja, nicht wahr?", sagte Tooticki. "Und genau so verhielt sich diese Tante. Sie war von früh bis spät ironisch, bis die Kleine allmählich unsichtbar wurde. Die Tante hat sie mir mit den Worten übergeben, ›um Verwandte, die man nicht einmal sieht, könne sie sich nun wirklich nicht kümmern‹." – "Und was hast du mit der Tante gemacht?", fragte Mü und machte Stielaugen. "Du hast sie doch hoffentlich verhauen?" – "Lohnt sich nicht bei ironischen Leuten", erklärte Tooticki. "Ich nahm Ninni mit nach Hause. Und jetzt hab ich sie hergebracht, damit ihr sie wieder sichtbar macht."

Daraufhin entstand eine kleine Pause. Nur der Regen prasselte aufs Verandadach. "Spricht sie?", fragte der Muminvater. "Nein. Aber die Tante hat ihr ein Glöckchen um den Hals gebunden, damit man weiß, wo sie gerade steckt." Tooticki stand auf und öffnete wieder die Tür. "Ninni!", rief sie in die Dunkelheit hinaus. Der kühle, frische Geruch nach Herbst füllte die Veranda, und ein Rechteck aus Licht fiel nach außen auf das nasse Gras. Nach einer Weile begann draußen ein Glöckchen zu bimmeln, sehr zögernd – der Ton kam die Treppe herauf und verstummte. Ein Stück über dem Boden hing ein kleines Silberglöckchen an einem schwarzen Band in der Luft. "Also", sagte Tooticki. "Hier hast du deine neue Familie. Manchmal spinnen sie ein bisschen, aber im Großen und Ganzen sind sie in Ordnung."

Nachdem Tooticki gegangen war, saß die Familie verstummt da und starrte den leeren Stuhl und das Silberglöckchen an. Nach einem Weilchen erhob sich einer der Pfifferlinge langsam in die Luft. Unsichtbare Pfoten scharrten Tannennadeln und Erde von ihm ab, dann wurde der Pilz in kleine Stücke geschnitten und schwebte in den Kochtopf. "Spannend!", sagte Mü beeindruckt. "Gebt ihr doch mal was zu essen. Ich würde gern wissen, ob man sieht, wie es in den Magen runterfährt."

"Hat jemand von euch eine Idee, wie man sie dazu bringen kann, wieder sichtbar zu werden?", fragte der Muminvater bekümmert. "Soll man mit ihr zum Doktor gehen?" – "Das glaube ich nicht", sagte die Muminmutter. "Vielleicht will sie ja eine Zeit lang unsichtbar sein. Ich glaube, wir lassen das Kind am besten in Ruhe."

Und das taten sie. Die Muminmutter richtete in der östlichen Dachkammer ein Bett her. Das Silberglöckchen bimmelte hinter ihr her, als sie die Treppe nach oben ging. Die Muminmutter zündete eine Kerze an und sagte: "Jetzt darfst du schlafen, Ninni. Schlaf, so lange du kannst. Ich stelle den Frühstückskaffee unter die Kaffeehaube, damit er warm bleibt. Und wenn du Angst kriegst oder irgendwas möchtest, kommst du einfach nach unten und bimmelst." Die Muminmutter sah, wie die Decke angehoben wurde und sich ganz leicht wölbte. Im Kopfkissen entstand eine Mulde.

Sie ging nach unten und suchte Großmutters alte Aufzeichnungen über unfehlbare Hausmittel heraus. Der böse Blick. Mittel gegen Melancholie. Erkältung. Nein. Schließlich fand sie eine Aufzeichnung ganz am Ende, die Großmutter geschrieben hatte, als ihre Schrift schon ziemlich zittrig geworden war. Falls man Bekannte hat, die nebelhaft und schwer zu erkennen sind. Na, ein Glück!

Das Glöckchen kam die Treppe heruntergebimmelt, einen Schritt nach dem andern, zwischen jedem Schritt eine kleine Pause. Mumin hatte schon den ganzen Morgen darauf gewartet. Aber heute war nicht das Silberglöckchen am spannendsten. Nein, die Pfoten waren es. Ninnis Pfoten kamen die Treppe nach unten gestiegen, sehr klein und mit ängstlichen kleinen Zehen, die dicht beieinanderblieben.

Mumin versteckte sich hinterm Kachelofen und starrte wie verhext diese Pfoten an, die inzwischen auf die Veranda gingen. Jetzt trank sie Kaffee. Die Tasse wurde gehoben und gesenkt. Sie aß ein Marmeladenbrot. Die Tasse segelte allein in die Küche, wurde gespült und in den Schrank gestellt. Ninni war ein sehr ordentliches kleines Kind.