Ihre ersten Platten kaufte ich in Rudolstadt. Das dortige Tanz- und Folkfest widmete sich 2008 dem Thema Israel.

Mir erschien – ich kann es nicht nüchterner sagen – eine Sängerin von bestürzender Schönheit und Intensität. Yasmin Levy hieß sie, geboren 1975 in Jerusalem. Sie sang Ladino, Lieder des sephardischen, von der Reconquista aus Spanien vertriebenen Judentums. Und sprach vom Frieden.

Ihre nächsten Platten kaufte ich in Jerusalem. Das war im Januar 2009. Soeben war der Gazakrieg vorbei. 13 Israelis hatten sterben müssen, dazu 1400 Palästinenser. Ich verbrachte viele Stunden in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem.

Es dunkelte, als hinter dem Leipziger Güterwaggon ein leiser, vollkommen reiner Chorgesang erklang. Ich horchte, bis die unsichtbaren Sängerinnen verstummten. Sie traten ins Laternenlicht: orthodoxe Mädchen aus den USA, die zu meiner Verblüffung erschraken, als ich ihnen für ihre Kunst dankte.

Kein Mann hätte ihnen lauschen dürfen. Im Buchladen von Yad Vashem gab es Yasmin Levys Album Mano Suave .

Ihre neueste Platte erstand ich kürzlich in der Berliner Synagoge Rykestraße. Dort gastierte Yasmin Levy zu den jüdischen Kulturtagen 2014. Soeben war der Gazakrieg vorbei. 73 Israelis mussten sterben und mehr als 2000 Palästinenser.

Yasmin Levy stellte eine Friedensbotschaft ins Internet: "Performing in Germany as a Jew, singing and visiting as an equal person and artist, means that we cannot force our dreams or desires on others. We cannot force people to change their religion, nor can we eradicate them. We cannot live thinking that we are the right ones, that we hold the right religion or the right way of life, and this goes for every aspect of life."