Fast jeder zehnte Student in Deutschland will Lehrer werden, 234.000 sind laut Statistischem Bundesamt in einem Lehramtsstudiengang eingeschrieben. Kein Berufswunsch ist unter Studenten häufiger. Und das, obwohl die Lehrerausbildung in Deutschland seit Jahren heftig in der Kritik steht. Jeder zweite Berufsanfänger gab in einer Allensbach-Studie an, dass sein Studium ihn nur unzureichend auf die Lehrertätigkeit vorbereitet habe. Für 20 Prozent von ihnen war der Start ins Berufsleben gar verbunden mit einem "Praxisschock". Zwar enthält jedes Lehramtsstudium auch praktische Phasen, in denen die Studenten in Schulen gehen und das Unterrichten üben, doch die Unterschiede sind groß: Manche Studiengänge sehen nur einige Wochen vor, manche ein ganzes Semester.

Ein weiteres Problem: Lehramtsstudenten studieren ihre Unterrichtsfächer gemeinsam mit Studenten, die nicht Lehrer werden wollen, und bei Professoren, die angetreten sind, um aus Abiturienten Spezialisten ihres Fachs zu machen – aber keine Pädagogen. Der angehende Physiklehrer sitzt in derselben Vorlesung wie der künftige Physiker. Wie er Jugendlichen den Stoff erklären kann, soll er in gesonderten Seminaren zur Fachdidaktik lernen. Die Lehrämtler lernen zu viel über ihr Fach und zu wenig darüber, wie man es vermittelt.

Ein zusätzliches Problem ist die Eignung der Bewerber. Ein Viertel der Lehramtsstudenten sieht in seiner Wahl nämlich eine Verlegenheitslösung, hat eine Studie der Goethe-Universität Frankfurt ergeben. Bis zu 40 Prozent der Lehramtsstudenten seien für den Beruf eigentlich ungeeignet, meint Norbert Seibert, Professor für Schulpädagogik an der Uni Passau. Deswegen hat er ein Assessment-Center entwickelt, um Lehramtskandidaten einschätzen zu können. Sie müssen unter anderem eine Gruppendiskussion absolvieren und werden dabei von Schul- und Uni-Vertretern beobachtet. Am Ende wird ihnen gesagt, ob sie nach deren Meinung gute Voraussetzungen für den Lehrerberuf mitbringen. Die Teilnahme ist freiwillig.

Viele Hochschulen haben sich inzwischen an die Fehlerkorrektur gemacht. Sie schenken der Lehrerbildung mehr Aufmerksamkeit und geben ihr mehr Bedeutung, indem sie Zentren für Lehrerbildung oder Schools of Education gründen.

An der TU München hat man 2009 gleich eine eigenständige Bildungsfakultät gegründet: die TUM School of Education. Sie dient der Aus- und Weiterbildung von Gymnasial- und Berufsschullehrern für Mathe, Informatik, Naturwissenschaften und betreibt auch eigene Forschung. Hier werden alle Lehramtsstudenten der TUM betreut, es werden Schulpraktika vermittelt, und hier werden Bildungswissenschaften und Fachdidaktik gelehrt. An der TU München müssen sich Lehramtskandidaten mit Abi-Zeugnis, Lebenslauf und Motivationsschreiben bewerben und werden dann zu einem Eignungs- und Beratungsgespräch eingeladen. Sie sprechen mit einem Wissenschaftler und einem Lehrer und werden zum Beispiel gefragt, wie sie ein bestimmtes Thema im Schulunterricht präsentieren würden.