Ein paar Tage lang war das Buch verschämt von Schreibtisch zu Schreibtisch geschoben worden, so recht wagte sich keiner an die Lektüre: Hamburg für Hamburger. So heißt der überarbeitete Stadtführer von Marco Polo. Ein gewagter Titel.

Die von inneren Widersprüchen getragene Dramaturgie des Buchs wird von der ersten Seite an formuliert: "Hamburg für Hamburger" – wer, bitte, soll sich da angesprochen fühlen? Für wen sind die "581 Tipps für jede Situation und jede Laune" gedacht?

Wer ein paar Monate lang in einer Lokalredaktion dieser Stadt gearbeitet hat, der weiß um die Codes und hohen Hürden des Hamburgerseins. Sie haben in Hamburg studiert und Kinder bekommen? Na, ob das schon reicht?

Sie leben hier seit Jahren und haben eine Wohnung gekauft? Könnte trotzdem heikel werden, als Hamburger durchzugehen.

Könnte also auch schwierig werden, dass Leser zu diesem Titel greifen. Braucht, wer ausreichend Hamburger ist, wirklich noch Tipps?

Solche wohl nicht: Der Stadtführer legt los mit einer "Stadtviertelübersicht", die mit Insiderwissen aufwartet wie: "Die Innenstadt bietet Hamburgs Highlights wie Rathaus mit Rathausmarkt, die Alsterarkaden und Binnenalster." Oder: "Villen, Alleen, Innocentia-Park – in Harvestehude zeigt sich die Stadt von ihrer mondänen Seite." Über weniger bekannte Viertel heißt es nur: "Von Eidelstedt über Horn bis Waltershof – auch Bezirke, die weiter weg vom Zentrum liegen, sind einen Besuch wert." Das alles klingt so banal wie bedauerlich.

Was wollen wir von unserer Stadt wissen, was wir nicht eh schon wussten? Was kann uns noch überraschen? Es ist bestimmt nicht das Funkelnde, das Monumentale, das, was ohnehin im Licht der Aufmerksamkeit badet. Uns ist bekannt, dass es in der Schanze oberentspannte Cafés gibt, dass St. Georg eine hippe Schwulenszene hat und dass die Adresse der Berufslässigen eher in Altona liegt als in, sagen wir, Alsterdorf.

Aber gerade in einer Großstadt, in der viele so in ihrem Viertel verhaftet sind, dass sie sich in erster Linie als Eppendorfer, Blankeneser oder Wandsbeker verstehen, wäre es interessant, zu erfahren, was die Menschen zum Beispiel an Hummelsbüttel oder Hamm mögen. Warum sie die eine Schule oder die andere gut finden. Wo sie mit ihrer Großmutter spazieren gehen oder wo es frischen Fisch gibt.