Seltsam, wie laut- und reibungslos Hamburg zu seinem neuen Transparenzportal gekommen ist. Von einer Errungenschaft mag man kaum sprechen – nicht weil die Akteneinsicht per Internet kein Gewinn wäre, sondern weil niemand darum hat ringen müssen. Ganze sechs Wochen hat es im Sommer vor zwei Jahren vom Gesetzentwurf einer Bürgerinitiative bis zur Verabschiedung des Gesetzes gedauert. Wenn das "ein Quantensprung auf dem Weg zu einer offenen Gesellschaft" ist, wie der Verein Mehr Demokratie meint, dann hat sich die geschlossene Gesellschaft, in der wir bislang angeblich gelebt haben, erstaunlich widerstandslos verabschiedet.

www.transparenz.hamburg.de – was wollen Sie wissen? Vom Senatsbeschluss zur Elbphilharmonie bis zur Beschreibung der Winterlinde Tilia cordata mit Stammumfang von mittlerweile 165 Zentimetern, die laut Baumkataster im Jahr 1959 in der Nachbarschaft des Autors gepflanzt worden ist – nach zweijähriger Vorarbeit ist all das seit Mittwoch vergangener Woche im Internet nachzulesen. Jeder kann auf der Seite seine Suchbegriffe eingeben und die entsprechenden Dokumente durchforsten – einige Fundstücke haben wir auf dieser Seite versammelt. Ist die Welt nun besser geworden?

Auf jeden Fall! Und zwar aus ganz unterschiedlichen Gründen. In einer Zeit wachsender Entfremdung zwischen Bürgern und Staat entschärft das Transparenzportal ein ständig wiederholtes Argument des politikfeindlichen Populismus: Die da oben machen doch eh, was sie wollen, ohne dass unsereiner davon erfährt – das lässt sich nun leichter widerlegen den je.

Ob Korruption nun erschwert wird, wie die Initiatoren des Transparenzgesetzes hoffen, wird nicht leicht zu beantworten sein. Immerhin, die Beamten des Landes werden sich an das Gefühl gewöhnen müssen, dass ihnen die Bürger bei ihrer Arbeit über die Schulter sehen. Das kann nicht schaden.

Vor allem aber eröffnet das Transparenzportal einen neuen Raum für demokratisches Engagement. Es gibt ja kaum eine Onlinedebatte über Themen der Hamburger Politik, die nicht durch den einen oder anderen Link auf passende Dokumente an Qualität gewinnen könnte. Dass die Datenmasse der Hamburger Staatspapiere mittels einer Stichwortsuche notdürftig erschlossen wird, muss auch nicht der letzte Stand der Transparenzinitiative bleiben. Warum nicht eine eigene Suchmaschine konstruieren – das Know-how dazu sollte in der politisch aktiven IT-Szene des Landes vorhanden sein. www.transparenz.hamburg.de: Das ist ein Anfang.