Was Ruhani und seine Kollegen nicht wissen: Oliver North will einen Profit aus dem Deal ziehen, um ein ganz anderes Projekt zu finanzieren, das er betreibt. Der Militärberater des US-Sicherheitsrats fördert mit den Erlösen aus den Waffengeschäften die rechtsgerichteten Contra-Rebellen, die in Nicaragua gegen die linke Regierung kämpfen – und das, obwohl die Guerillagruppe eigentlich einem US-Embargo unterliegt. Als die Affäre im November 1986 auffliegt, steht die amerikanische Unterstützung der Contras und die Frage, wer von ihr wusste, im Mittelpunkt des Skandals.

Im Mai 1986 tragen Norths überzogene Preisforderungen zum Scheitern der Verhandlungen in Teheran bei. Nach drei Tagen fliegen die Amerikaner frustriert wieder zurück. Folgenlos aber bleibt das Treffen nicht. Denn für Rafsandschani, der über den Gang der Gespräche auf dem Laufenden gehalten worden ist, hat es einmal mehr gezeigt, wie dringend es geboten ist, die Hisbollah-Geiseln unter seine Kontrolle zu bringen. Dafür allerdings muss er die Organisation von Mehdi Haschemi ausschalten: Der 42-Jährige ist der Leiter des Büros für Islamische Befreiungsbewegungen und ein glühender Befürworter eines gewaltsamen Revolutionsexports.

Haschemis Organisation gehört zu den Gründerpaten von Hisbollah und unterhält enge Kontakte zu der schiitischen Miliz. Wie weit sie in deren Anschläge und Geiselnahmen involviert war, ist heute nur noch schwer zu ermitteln. Fest steht, dass Haschemi im Libanon ebenso wie in der Golfregion einen Kurs verfolgt, der den Bemühungen Rafsandschanis, die Beziehungen zu den Arabern und zum Westen zu verbessern, diametral entgegensteht. Seit Langem strebt Rafsandschani danach, Haschemi kaltzustellen.

Dies wird umso wichtiger, als im Juni und Juli die iranisch-amerikanischen Geheimgespräche weitergehen – in Frankfurt. Nach dem Treffen kommt eine US-Geisel frei, und weitere Waffen werden geliefert. Doch bereits am 9. September 1986 erfolgt der Rückschlag: Erneut entführt Hisbollah einen US-Bürger. Ob Haschemi seine Hand im Spiel hatte, bleibt unklar. Rafsandschanis Geduld aber ist am Ende. Am 11. September lässt er den Geheimdienst die Teheraner Vertretung von Haschemis Organisation durchsuchen. Wenige Tage später werden Haschemi und Dutzende seiner Anhänger festgenommen. Nach einem unter Folter erzwungenen Geständnis wird der Leiter des Büros für Islamische Befreiungsbewegungen in einem Schauprozess zum Tode verurteilt und im September 1987 hingerichtet. Mindestens 13 weitere Männer fallen der Aktion zum Opfer.

Im Herbst 1986 hingegen scheint für Haschemi noch nicht alles verloren. Einen Pfeil hat er noch im Köcher: Am 2. November veröffentlicht die libanesische Wochenzeitung Al-Shiraa auf sein Betreiben einen Beitrag über die Teheran-Reise McFarlanes. Erstmals erfährt die Welt von den geheimen Kontakten der beiden Erzfeinde USA und Iran. Der Artikel löst in Washington einen Skandal aus, der über Wochen immer weitere Kreise zieht – bis er schließlich Reagan selbst bedroht. In Teheran aber verfehlt die Enthüllung ihr Ziel. Rafsandschani ist zwar gezwungen, im Parlament die Reise zu bestätigen, doch stellt er sie als demütigende Niederlage für die Amerikaner dar. Einige Abgeordnete, die Zweifel äußern, werden von Chomeini rasch zum Schweigen gebracht.

So übersteht Rafsandschani die Affäre weitgehend unbeschadet, wenn auch sein Kalkül, mit der Zerschlagung von Haschemis Organisation den Weg für eine Annäherung an die USA zu ebnen, nicht aufgeht. Im Gegenteil: Die Enthüllung der geheimen Waffen-gegen-Geiseln-Gespräche führen zum Abbruch aller Kontakte und zwingen beide Seiten, zu einer unnachgiebigen Außenpolitik zurückzukehren.

Direkte Gespräche zwischen den Regierenden in Washington und Teheran bleiben bis heute eine Ausnahme. Trotz des historischen Telefonats zwischen Ruhani und US-Präsident Barack Obama vor einem Jahr und der internationalen Verhandlungen über Irans Atomprogramm steht eine Normalisierung der Beziehungen noch immer aus. Wenn Präsident Ruhani im gemeinsamen Kampf gegen den IS-Terror erneut die Annäherung an die USA wagt, wird er deshalb gewiss auch an die Ereignisse von 1986 denken.