Kanonendonner über dem Mittelmeer. Unerbittlich feuert das Schlachtschiff Jaime I Breitseiten auf die südspanische Hafenstadt Algeciras ab, stundenlang. Wild fauchend legen die sechs 30,5-Zentimeter-Geschütze Schiffe und Gebäude in Schutt und Asche. Es ist Sommer 1936, und General Francisco Franco hat einen Putsch gegen die spanische Republik gestartet. Noch immer ist er dabei, seine Truppen aus Spanisch-Marokko auf das Festland zu schaffen. Die Regierung versucht, mit ihren schweren Kreuzern dagegenzuhalten.

Im Hafen herrscht Chaos. Ein Trupp Rebellen, der die Besatzung eines brennenden Bootes am Davonlaufen hindern sollte, ist an der Mole in Deckung gegangen. Ihr Kommandant kauert hinter einem kleinen Zementblock und bangt um sein Leben. Es ist Johann Jacob Revertera aus dem Mühlviertel, Oberösterreich. Seit dem 18. Juli kämpft er als Blauhemd auf der Seite der Aufständischen.

Wie er schlossen sich viele Österreicher dem Kampf der spanischen Nationalisten an: Ihre Zahl dürfte in die Tausende gegangen sein. Nach 1945 wollte man von diesen Legionären des Faschismus aber nichts mehr wissen. Es dominierte die Erinnerung an jene Kämpfer, die sich als Freiwillige auf die Seite der Republik geschlagen hatten. Die heroischen Schicksale roter Spanienkämpfer füllen mittlerweile ganze Bücherregale.

Erst heute, 75 Jahre nach dem Ende des spanischen Bürgerkrieges, ist mehr über jene bekannt, die für Franco zur Waffe griffen. Der junge Historiker Jakob Matscheko hat in einer Diplomarbeit die erste Untersuchung zu diesem Thema vorgelegt. In Spanien standen sich die Sieger und Verlierer des österreichischen Bürgerkrieges von 1934 erneut gegenüber.

Der spanische Bürgerkrieg war zu einem Kampf der Systeme hochstilisiert worden, an dem ganz Europa Anteil nahm. Ein Haufen recht unorganisierter Abenteurer zog für die linke Volksfront-Regierung in den Krieg, während sich Franco auf die Hilfe regulärer Verbände aus Deutschland und Italien verlassen konnte. Doch es gab auch eine militärisch weniger bedeutende Zahl an Freiwilligen, die sich ihm anschlossen. Vorwiegend Engländer, Iren, Franzosen und Weißrussen – und einige Österreicher.

Im August 1938 dienten 1.248 Mann aus 37 Nationen in der spanischen Fremdenlegion, aber auch in anderen Truppenteilen kämpften Ausländer für die Nationalisten. Viele von ihnen waren katholisch und wütend darüber, mit welcher Kompromisslosigkeit die Republikaner gegen die Kirche, die Besitzrechte der Oligarchie und die sozialen Hierarchien vorgingen. Vor allem aber wollten sie den Kommunismus bekämpfen und seinen vermeintlichen Vormarsch in Europa stoppen.

Johann Jacob Revertera überlebte den Beschuss von Algeciras. In einem Brief an einen ehemaligen Marine-Kameraden führte er das auf die Schlampigkeit der republikanischen Truppen zurück: "Warum wir nicht alle in Fetzen geschossen wurden, ist halt auch nur darauf zurückzuführen, dass es dabei spanisch zugeht." Er beruhigte seinen Freund, dass Meldungen, wonach er sich in der nahen britischen Kronkolonie Gibraltar befinde, Lügenberichte seien: "Über so eine Zumutung bin ich empört, denn es ist wohl selbstverständlich, dass ich mich nicht unter englischen Schutz verkriechen werde, wenn ich hier Gelegenheit habe, am Verprügeln der roten Hunde teilzunehmen."

Revertera wurde 1899 in Helfenberg geboren und stammte aus einer Familie, die ein prototypisches Beispiel für den Kreis der Franco-Unterstützer im konservativen Österreich ist: Vater Nikolaus, Diplomat, Großgrundbesitzer und katholischer Politiker, entstammte einem ursprünglich spanischen Adelshaus. Der Bruder, Peter, war Kämmerer von Kaiser Karl I. gewesen, machte als Sicherheitsdirektor von Oberösterreich Karriere und schlug 1934 als Kommandant einer Heimwehrbrigade die Arbeiteraufstände in Urfahr, Linz und Ebensee nieder. Mit "Heil Österreich" und "Heil Starhemberg" wuchsen die Kinder auf, während die Nationalsozialisten als großes Übel galten.