Auch die Regierung von Kurt Schuschnigg stand Franco ideologisch nahe. Als gefährlichster Feind der klein gewordenen Heimat wurde allerdings der Marxismus-Leninismus betrachtet.

Peter Revertera leitete einige Briefe, die er von seinem Bruder bekam, an das Außenamt weiter. "Hoffentlich macht Ihr meinem Bruder keine Schwierigkeiten, dass er der guten Sache in Spanien dient?!", wollte Revertera von Theodor Hornbostel, dem Leiter der politischen Abteilung am Ballhausplatz, im März 1937 wissen. Dieser ließ in seiner Antwort nichts dergleichen durchklingen: "Nimm für die freundliche Übermittlung der zwei hochinteressanten Briefe Deines prächtigen Bruders (...) meinen aufrichtigen Dank entgegen. Die darin enthaltenen Informationen waren uns neu und wertvoll."

Johann Jacob Revertera war bereits in den zwanziger Jahren nach Spanien gegangen und hatte dort geheiratet. Die meisten Österreicher auf Seite der Nationalisten reisten erst später nach Spanien und kamen aus den Reihen der österreichischen Legion – jenes Kampfverbandes, der zeitweise aus bis zu 15.000 österreichischen Nationalsozialisten bestand, die nach dem fehlgeschlagenen Putsch von 1934 nach Deutschland geflohen waren. Zeitungsberichten zufolge kämpften bis zu 3.800 Mann von ihnen in Spanien.

Aus den Reihen des Bundesheeres, das 1938 in der Wehrmacht aufging, dienten zumindest 108 Österreicher in der Legion Condor, jenem Verband deutscher Soldaten, der in Spanien mit Fliegern und Bodentruppen zum Einsatz kam. Darunter einige Offiziere, aber hauptsächlich Techniker und Servicekräfte, von denen die meisten erst 1938 nach Spanien gelangten. Doch es gab auch Soldaten, die an vorderster Front dienten – und direkt an Kriegsverbrechen beteiligt waren.

13. August 1936, fünf Uhr morgens. Das Schlachtschiff, das Revertera und seinen Männern zugesetzt hatte, liegt in der Bucht vor Málaga, um Munition aufzunehmen. Davon haben auch die Franco-Truppen Wind bekommen, und sie haben eine neue Waffe: In 500 Meter Höhe stößt eine silberne Heinkel 111 durch die tief hängenden Wolken. Steil legt der Pilot die Maschine herum und hält auf den Kreuzer zu. Bombenschütze Maximilian Hoyos pocht das Herz bis zum Hals, als er den Zündhebel betätigt. "Zack ... zack ... zack ... und drei Riesenbomben gleiten wuchtig aus den Schächten", erinnerte sich der Spross einer deutsch-österreichischen Adelsfamilie in einem 1939 veröffentlichten Buch. "Fein säuberlich, wie drei Geschwister, eins hinter dem anderen, fallen die drei Eier in die Tiefe. Ganz deutlich sehe ich noch Mausi und Fiffi auf den dicken Leibern der Bomben aufblinken. (...) Zwei Stichflammen blitzen aus dem Ungetüm auf, Qualm, Flammen, Dampf, Wasserfontänen, durch die Luft wirbelnde Brocken vermischen sich zu einem gigantischen Schauspiel. (...) Die erste Waffentat der deutschen Luftwaffe war geschehen." Nach zwei Volltreffern wurde das schwer beschädigte Schiff nach Cartagena geschleppt.

Im Lauf des Krieges flog Hoyos Einsätze an allen Fronten. Einen Monat später unterstützten die Flieger einen Trupp Karlisten beim Einmarsch in Siguenza, nordöstlich von Madrid. "In der Stadt qualmt es schon an allen Ecken, die Kameraden haben gut geworfen. (...) Punkt 12.30 Uhr krachte die letzte Bombe, dann im Tiefflug über die Stadt und die Maschinengewehre in die flüchtenden Haufen hineinhalten."

Über die Auslöschung Guernicas, die lange geheim gehalten wurde, berichtet er nichts in seinem Buch. Ein Foto der baskischen Stadt zeigt lediglich das Ausmaß der Zerstörung: Kaputte Häuserfronten, die wie faule Zähne in den Himmel ragen, dazwischen Berge aus Schutt und Steinen. Hoyos, der dem schlesischen Zweig der Familie entstammte, starb am 12. August 1940 im Luftkampf über dem Ärmelkanal. Seine Eltern und seine Schwester fanden nach dem Krieg Zuflucht in Bad Ischl.