Nur die zwei Wörter stören, sie wirken bemüht: Konvivialistisch. Manifest. Der Titel des handgroßen Büchleins hat den Klang der exklusiven begrifflichen Anstrengung winziger Minderheiten. Er täuscht. Alles Übrige an der Idee, am Ton und am Weg dieses kleinen Buchs ist weit offen. Seit zwei Jahren haben sich 50 ganz unterschiedlich denkende Menschen verständigt, von Paris aus, dann durchs Abc aller Länder, Algerien, Brasilien, China, 2.000 Unterzeichner sind es zurzeit. Sie haben eine Einladung aufgesetzt, an alle: zum freundlichen Umgang , zu einem Leben in Anerkennung jenseits der Maßlosigkeit, zum einfachen Wohlstand. Ein Werben für das Unbezahlbare. Vor allem ist dies ein Manifest des Realismus: Die Erde platzt aus allen Nähten. Also ist Selbstbegrenzung, wie der Philosoph Ivan Illich sie erdachte, klug, und zwanghaft weiterzuwachsen ist es nicht. Man könnte meinen, diese Leute sind köstlich naiv! Und eitel, sich dem Guten so publikumswirksam an die Hacke zu heften! Zutreffender indes wäre: Sie kennen das Paradox, wonach so greifbar ist, was faktisch schier unerreichbar wirkt – gutes Leben. Unterschrieben haben alle Sorten von Menschen, berühmte europäische Denker darunter: Luc Boltanski, Serge Latouche, Eva Illouz, Axel Honneth, Chantal Mouffe, Hans Joas. Kurz gesagt, Das konvivialistische Manifest berichtet, ein gutes Zusammenleben aller sei nicht zu schön, um wahr zu sein, und damit man die Gründe und Worte dafür zur Hand hat, raten wir zu.